Berliner Bezirksamt ehrt „Blutrichterin“ Hilde Benjamin als „starke Frau“

Hilde Benjamin (re.) (Bild: Bundesarchiv Bild 183-90575-0004, Walter Ulbricht, Hilde Benjamin.jpg; CC BY-SA 3.0 de)
Hilde Benjamin (re.) (Bild: Bundesarchiv Bild 183-90575-0004, Walter Ulbricht, Hilde Benjamin.jpg; CC BY-SA 3.0 de)

Berlin – Das von CDU und Grünen geführte Bezirksamt Berlin Steglitz-Zehlendorf ehrt in der, mit Steuergeld bezahlten Broschüre „Starke Frauen in Steglitz-Zehlendorf“ die als „Blutrichterin“ bekannt gewordene, kommunistische SED-Richterin Hilde Benjamin. Benjamin – oder ihr Genosse Che Guevara sind Beispiele dafür, wie kommunistische Unmenschen vom linken Establishment heute noch verklärt und gehypte werden. 

Hilde Benjamin bekam im Zuge der Ernennung von sogenannten Volksrichtern in der DDR Macht über andere Menschen. Nach der Staatsgründung der DDR war sie Vizepräsidentin des Obersten Gerichts. Parteitreu kämpfte sie an vorderster Front gegen bürgerlich-demokratische Vorstellungen einer unabhängigen Justiz und drängte darauf, das Recht als Instrument des Klassenkampfs und der Umgestaltung der Gesellschaft durchzusetzen.

„Blut-Hilde“ – für das schwarz-grüne Bezirksamt eine „starke Frau“

Ihre Überzeugung, dass nur größtmögliche Härte gegen die Feinde des Sozialismus den Aufbau der DDR schützen würde, kam in zahlreichen Schauprozessen der frühen 1950er-Jahre zum Ausdruck. Hilde Benjamin, die „rote Hilde“- wirkte zudem an den berüchtigten Waldheimer Prozessen mit, in denen 1950 über 3.400 zum Teil „drastische Strafen“ gegen angebliche DDR-Gegner verhängt wurden, so der MDR in einem Artikel zu der blutigen Sozialistin.

Zu diesen Verfahren gehören auch 13 Prozesse, die Benjamin gegen Oppositionelle des SED-Regimes führte. Insgesamt verhängte Benjamin Zuchthausstrafen von 550 Jahren, schickte 15 Menschen lebenslänglich hinter Gitter und verhängte im Dresdner Schauprozess zwei Todesurteile (gegen Johann Buraniek und Wolfgang Kaiser), die 1952 vollstreckt wurden. Nicht zuletzt für diese beiden Urteile erhielt sie Beinamen wie die „Rote Guillotine“, „Rote Hilde“ oder auch „Blutige Hilde“, wie das Magazin Freie Welt schreibt. Die beiden von Benjamin zum Tode verurteilten und später von SED-Schergen hingerichteten Opfer Buraniek und Kaiser wurden 2005 rehabilitiert.

Broschüre nicht mehr abrufbar

In einer vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf herausgegebenen Broschüre „Starke Frauen in Steglitz-Zehlendorf“ wird die „Blutige Hilde“ als eine solche starke Frau geehrt. Aktuell ist die Broschüre nicht mehr abrufbar.

Wie Kay Erhardt, FDP-Fraktionsvorsitzender in Berlin-Steglitz-Zehlendort, der auf die Broschüre aufmerksam gemacht hatte, auf seinem Twitter-Account mitteilt, hat der Senat offenbar nach Protesten die Broschüre zurück gezogen.Sie soll laut Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, neu gedruckt werden.

Erhardt teilt mit, dass man auf Bezirksebene davon noch nichts wisse, die FDP jedoch in der BVV einen Dringlichkeitsantrag gestellt habe, die Publikation in der bisherigen Form nicht zu veröffentlichen.

Die AfD Steglitz-Zehlendorf veröffentlicht ein Bild der SED-Richterin und kommentiert:

Die „blutige Hilde“ – Hilde Benjamin – so unschuldig konnte sie schauen! Unglaublich: Die DDR-Blutrichterin wird durch das von CDU und Grünen geführte Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf in der Broschüre „Starke Frauen in Steglitz-Zehlendorf“ geehrt! Warum müssen wir Steglitzer und Zehlendorfer eine kommunistische Blutrichterin, die Menschen politisch motiviert zum Tod verurteilte, ehren? Wir fordern Aufklärung! Und stampft diese DDR-Propagandabroschüre ein! (SB)