Newsroom for nothing?

Foto: Collage
(Foto: Collage)

In der AfD basteln die Vollblut-Amateure gerade an einem kostspieligen und total überflüssigen „Newsroom“. Das Motiv, so etwas in die ausgetrocknete Medienlandschaft zu installieren, ist ja noch verständlich, da die Mehrzahl der deutschen Journalisten auf Anweisung von ganz oben und ideologisch ferngesteuert, negativ bis gar nicht über die AfD berichten und die vielen schlechten Quasselshows die neue Partei ignorieren müssen.

Von Thomas Böhm

Aber die AfD-Oberen scheinen sehr schnell vergessen zu haben, wer sie in den Bundestag geschmettert hat. Das waren nämlich die freien Medien, das war die Gegenöffentlichkeit, die immer mehr an Bedeutung in diesem Land gewonnen hat und mittlerweile mehrere Millionen Leser erreicht. Unvorstellbar, dass die AfD so viele Wähler hätte gewinnen können, wenn die Bürger lediglich die mediale Wahl zwischen Pest und Cholera gehabt hätten. Unverständlich auch, dass es bei der AfD immer noch Leute gibt, die dem medialen Feind in den pavianroten Hintern kriechen. Aber das mag der Eitelkeit geschuldet sein („schau mal, ich war gestern in der „Bild“. Die haben mich zwar als Nazi bezeichnet, aber das Foto war doch geil“)

Nun aber will die AfD ausgerechnet diejenigen schwächen, die für sie gekämpft haben. Vielleicht nicht mit Absicht, aber dann gewiss aus Kurzsichtigkeit, die gepaart mit verletzter Eitelkeit ziemlich üble Auswirkungen auf den politischen Widerstand haben wird.

Denn woher soll die AfD das Personal beziehen? Mit Sicherheit nicht aus dem Profi-Lager der linken Medien. Die meisten Journalisten in Deutschland würden einen Teufel tun und ins andere Lager wechseln. Sie wären für ihr Leben gezeichnet, könnten sich eigentlich gleich einen beruflichen Strick nehmen.

Es sei denn, die AfD würde jedem einzelnen jeden Monat und das für mindestens 10 Jahre einen Gehaltsscheck von 15.000 Euro ausstellen, dann wäre bestimmt der eine oder andere bereit, seine Ideologie zu verkaufen. Aber hat die AfD tatsächlich so viel Geld übrig für einen Newsroom, der als Verkündungsmedium die Blase nie verlassen wird und mit Sicherheit keinen einzigen neuen Wähler generieren würde?

Dieser Newsroom würde also automatisch die freien und gegenüber der AfD kritisch, aber auch solidarisch schreibenden Medien schwächen, weil die AfD dann von denen die guten Leute absaugen müsste. Getreu dem Motto: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Bereits jetzt schon werden von Seiten der AfD immer wieder Versuche gestartet, die wenigen mutigen Profis, die für die freien Medien arbeiten, zugunsten der Parteiarbeit abzuziehen. Manchmal mit Erfolg.

Wer, außer den eingefleischten AfD-Fans würde sich für kontrollierte Nachrichten aus dem Dunstkreis der AfD interessieren? Statements von der heiligen Alice und Alexander dem Großen findet man auch ohne Newsroom schon zuhauf in den sozialen Netzen und in den freien Medien, dazu benötigt man kein kostspieliges Team, keine tolle Technik und große Newsrooms. Für die anderen Medien und für den politischen Gegner wird das, was der Newsroom dann absondert sowieso als Fakenews gekennzeichnet und Frau Kahane zur Prüfung vorgelegt.

Was soll also aus diesem Newsroom herauskommen, außer bessere Pressemitteilungen?

Bereits jetzt schon schmeißen die Redaktionssekretärinnen in den Mainstream-Medien fast alle AfD-Pressemitteilungen auf Anweisung ihrer Chefs ungelesen in den Papierkorb und das wird auch nicht besser werden, wenn diese aus dem AfD-Newsroom stammen.

Wenn Frau Weidel von einem durch die AfD gebastelten Breitbart „von außen“ träumt, dann soll sie weiter träumen, aber das bitte nicht öffentlich verbreiten. Denn Breitbart ist nur groß geworden, weil Bannon zwar Trump in den Amtssessel gehoben hat, aber auch, weil Trump nicht Besitzer und damit Kontrolleur von Breitbart war.

Warum verdrängt Frau Weidel die Tatsache, dass es in Deutschland bereits mehrere „Breitbärte“ gibt, die gut vernetzt sind, getrennt marschieren, aber auch gemeinsam zuschlagen können?

Will sie, wie die SPD, die Kontrolle über die Gegenöffentlichkeit übernehmen, um jegliche Kritik auszuschließen? Haben wir nicht alle gerade diese Vermischung von Politik und Medien bekämpft?

Nein, hier werden Energien verschwendet, die die AfD besser in die politische Arbeit investieren sollte. Die Medienarbeit aber sollte sie anderen überlassen.

Sonst wird das nichts mit der nächsten Wahl.

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