Sprache: Merkels faule Worthülsenfrüchte

Foto: Imago

Daß Angela Merkel viel Drolliges von sich gibt, wenn der Tag lang ist, ist keine Neuigkeit. Eigentlich würde man aber erwarten, daß nach bald 13 Jahren ihrer Kanzlerschaft nicht mehr viel Drolliges übrig ist, mit dem sie das Volk verzücken könnte. Weit gefehlt. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Msn.com meldet: – In der Debatte ums neue Grundsatzprogramm erwartet Kanzlerin Merkel von ihrer Partei, das Christentum nicht nur „als Hülse im Mund zu haben“. Außerdem sollte die CDU Digitalisierung und künstlicher Intelligenz offener gegenüberstehen.

Und noch ein „außerdem“: Die Kanzlerin forderte, „Angst und Verspannung in der CDU abzulegen“. Weiß der Geier, wer ihr geraten hat, die eigenen Parteimitglieder als verschlossene, unchristliche Maulhelden voller Angst und Verspannung zu bezeichnen. Erstens hat Merkel selber ein Verständnis vom Christentum, bei dem jeder Piusbruder ausrasten würde, und zweitens ist nicht klar, warum die CDU-Mitglieder keine Hülsen im Mund haben sollen, wenn doch die eigene Parteichefin die personifizierte Worthülse ist.

Man muß an dieser Stelle aber konzedieren, daß zum ersten Mal ein gewisser Realismus aus Merkels Worten spricht, wenn sie Offenheit der künstlichen Intelligenz gegenüber fordert. Daß sie noch Parteivorsitzende ist, liefert nämlich ein gewichtiges Indiz dafür, daß es mit der menschlichen Intelligenz in der CDU nicht weit her sein kann. Merkel scheint also bemerkt zu haben, daß es ganz ohne Intelligenz nicht geht und daß die künstliche den einzigen Ausweg darstellt.

„Klare Ansage der Chefin: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat von ihrer Partei in der Debatte über ein neues Grundsatzprogramm mehr Rückbesinnung auf ihre christlichen Wurzeln verlangt.“

„Rückbesinnung“ ist also das Mittel der Wahl, wenn es um neue Grundsätze geht. Das Grundsätzliche am Grundsatz ist aber, daß er nicht erneuert zu werden braucht, da er ansonsten kein Grundsatz wäre. Die CDU jedoch als eine Partei zu bezeichnen, in der sich unintelligente, ängstlich- verspannte Antichristen mit erneuerungsbedürftigen Grundsätzen aufhalten, ohne sich dabei negative Auswirkungen auf den eigenen Parteivorsitz ausmalen zu müssen, legt nahe, daß die Idee mit der Offenheit der künstlichen Intelligenz gegenüber nicht die schlechteste sein kann. Wenn nämlich ein künstliches Bein gut für die Gehfähigkeit des Amputierten ist, dann könnte künstliche Intelligenz die Rettung für die CDU sein.

Man solle den Muslimen nicht zum Vorwurf machen, wenn sie sich zu ihrem Glauben bekennen würden, sagte Merkel bei einer Konferenz von CDU-Kreisvorsitzenden in Berlin.
Die Kanzlerin forderte also eine Ungleichbehandlung von Muslimen und AfD-Wählern. Letzteren darf man nämlich alles zum Vorwurf machen.
„Stattdessen müsse mehr darüber gesprochen werden, was das Christentum für die CDU bedeute. Es reiche nicht aus, „das Christentum als Hülse im Mund zu haben“.
Daß sie sich nicht dafür interessiert, was das Christentum bedeutet, war schon klar. Sonst wäre sie nicht auf die Idee gekommen, für die CDU könne es etwas anderes bedeuten als für sonst irgendjemanden. Wer aber glaubt, das Christentum könne für die einen dieses und für die anderen jenes bedeuten, dessen ganzer Wortschatz scheppert einfach in einer intellektuell ungesicherten, leeren Blechhülse.
„Zugleich verlangte Merkel von ihrer Partei mehr Offenheit in den Diskussionen über Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Es bedrücke sie, dass in Zeiten solcher riesiger technischer Revolutionen nicht mit mehr Begeisterung darüber gesprochen werde.“
Der Parteigenosse wird verrückt, ist die Chefin arg bedrückt. Diese muß sich nun beeilen, die Verrücktheit schnell zu heilen. Um Begeistigung wär´s ihr zu tun, nicht um die Begeisterung.
„Zukunftsoptimismus, nicht Angst und Verspannung.“Ah geh, Angela? – Zukunftsoptimismus? Wie das jetzt? Richtet sich denn nicht jeder Optimismus auf die Zukunft? Hat man von einem Vergangenheitsoptimismus schon jemals etwas gehört? Und wie sieht´s eigentlich mit der „Verspahnung“ in der CDU aus?„Zwar dürfe man nicht blind nur die Chancen sehen.“Ja, die Blinden übersehen gern das meiste.„Wenn aber der Wohlstand erhalten werden solle, müsse die Partei über diese Bereiche debattieren.“Ah, Bereichsdebatten also für die neuen Grundsätze. Gottachgott ..- In der Diskussion über die am 25. Mai in Kraft tretende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) mahnte Merkel, dass die Menschen natürlich über ihre Daten verfügen können müssten. Es müsse aber aufgepasst werden, dass die Regeln nicht unpraktikabel ausfielen. So werde sich beispielsweise die künstliche Intelligenz ohne den Umgang mit großen Datenmengen nur so entwickeln „wie eine Kuh, die kein Futter kriegt“. -Der Datenschutz für die Menschen darf also nicht dazu führen, daß die Kuh kein Futter mehr kriegt. So ähnlich hätte das der Mielke wahrscheinlich auch formuliert, wenn Honecker mit Vornamen Erika geheissen hätte.

Die DSGVO verlangt von Unternehmen umfangreiche Anpassungen an die neuen Regeln. Vor allem soll der Verbraucherschutz und der transparente Umgang mit Daten gestärkt werden.

Transparenzverstärkung ist ein wichtiges Thema für rückbesinnliche Zukunftsoptimisten, denen vor Angst und Verspannung angesichts des jüngsten Tagesgerichts ihrer kochenden Kanzlerin die Knie schlottern.

Zwar weiß ich nicht, wer etwas davon hätte, aber nach 13 Jahren des Genusses Merkelscher Hülsenfrüchte hat sich auf jeden Fall die Fähigkeit herausgebildet, sich seinen Merkelsprech selber auszudenken und zu jeder x-beliebigen Gelegenheit kanzlerische Weisheit unters Volk zu streuen. Meinereiner hat es ausprobiert.

Bei strahlendem Sonnenschein stellte er sich gestern auf den belebten Marktplatz vor dem Rathaus, als gerade der „Hamburger Fischmarkt“ im Städtchen gastierte und rief in die Menge: „Gemeinsam und zusammen müssen wir diejenigen sein, die einen konstruktiven Dialog auf Augenhöhe zur Lösung der derjenigen Herausforderungen führen, vor denen wir gemeinsam hinsichtlich der Zukunft von ungekühltem Fisch stehen!“ – Was soll ich sagen? Die Menge hielt inne, die dümmsten Visagen wirkten auf einmal wie beseelt; die Ersten griffen ergriffen nach ihren Taschentüchern, Begeisterungsrufe kamen auf und entwickelten sich zu einem frenetischen Massenjubel, welcher all´ meine Angst und Verspannung hinsichtlich der Nützlichkeit von künstlicher Intelligenz in grenzenlosem Zukunftsoptimismus auflöste.

Seit gestern habe ich keine Zweifel mehr: Willst du beliebt sein, mußt du reden wie Merkel.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.

 

 

 

 

Keine Panik, Sie können gleich weiterlesen.

 

Wir möchten Sie nur fragen, ob Sie bereit sind, unsere Arbeit mit einer kleinen Spende zu unterstützen