Abt. Schock: Junge Alternative in Essen stehen auf gut betuchte Frauen

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Der ganze Westen steht Kopf. Die Junge Alternative Essen hat es gewagt, auf Twitter das Bild eines Stapels Geschirrtücher zu posten – und das Foto wie folgt zu betexten: „Das einzige Tuch das Frauen brauchen.“ Um dem Ganzen die Krone gar aufzusetzen, setzten sie hinter „brauchen“ auch noch ein Ausrufezeichen. „Das einzige Tuch, das Frauen brauchen!“. Es ist alles ganz schrecklich. Die Nachhilfe in Sachen Tücherkunde.

von Max Erdinger

Natürlich ist es eine lästerliche Reduzierung von Frauen irgendeines Geschlechts auf eines davon, wenn man sie mit Geschirrtüchern assoziiert. Zwar mag es eine löbliche Eigenschaft sein, das Geschirr abzutrocknen, aber nur mit Lob wird man den Frauen auch nicht ganz gerecht. Es gibt ja auch noch andere Tücher. Staubtücher zum Beispiel. Oder Putztücher. Dann gäbe es da fürs Grobe auch noch Lappen und fürs ganz Grobe sogar die Lumpen. Schön Putzen und sauber Abtrocknen sind allzeit gefragte Tätigkeiten. Wer sie ausübt, erwirbt sich die Sympathien seiner Mitmenschen. Eine gute Chance für Frauen, tätig die Sympathien wieder zurück zu bekommen, um die sie sich vorher mit ihrem Mundwerk leichtsinnig selbst gebracht haben.

Die Sprachforschung weiß: Frauen irgendeines Geschlechts reden täglich 14.000 Wörter im Schnitt, Männer nur die Hälfte. Wer Frauen die Chance auf Rehabilitation bestreiten möchte, indem er sie nicht länger mehr das Geschirr abtrocknen lassen will, ist ein Feind der Meinungsfreiheit, weil er ihnen im Gegenzug jedes zweite Wort verbieten müsste. Die Wahrscheinlichkeit, daß  Männer jemals Geschirr abtrocken müssen, ist statistisch nur halb so hoch wie bei Frauen. Wer Frauen das Geschirr überläßt, handelt generös und voller Vergebungsbereitschaft.  Wer aber die Jungen Alternativen schlechtredet, der handelt fahrlässig.

Auch ist es wichtig und von weiser Voraussicht gezeichnet, möglichst viele der Arbeitsstellen in der häuslichen Hygiene und bei der Dehydrierung des Speisegeschirrs für Frauen irgendeines Geschlechts zu reservieren, weil man nicht wissen kann, wie lange es noch dauert, bis der Frauenschwindel in der Politik auffliegt. Wenn rauskommt, was man sich da für einen Eierstock gelegt hat, werden dringend neue Arbeitsplätze für Frauen benötigt, damit sie das Geld verdienen können, mit dem sie von irgendeinem Mann unabhängig bleiben können.

Es tut mir leid, hier Illusionen zerstören zu müssen. Es wird nicht vorkommen, daß ein Chemiker eines Tages mit der größten Selbstverständlichkeit sagt: „He, du Physikschlampe, willste jetzt endlich mal das Geschirr abtrocknen oder noch länger mit deinem Schicksal hadern?“. Der wird stattdessen fragen, ob sich beim Jobcenter schon etwas für sein Weib ergeben hat. Den ganzen Tag so eine Physikerin zuhause ist ja auch nicht gerade das Honigschlecken für die meisten Alchimisten.

Daß Männer nicht wissen, wozu Geschirrtücher gedacht sind, läßt sich außerdem in Saudi Arabien bestaunen. Dort hat jeder eines –  und keiner trocknet das Geschirr damit.

Männer sind außerdem, gemessen an den Menschen irgendeines anderen Geschlechts – worunter auch Frauen sein können –   insofern benachteiligt, als daß sie die größten Hände haben. Womit wir beim Thema Putztücher wären und bei der Diskriminierung von Benachteiligten. Niemals darf man benachteiligte Männer wegen ihrer großen Hände dafür diskriminieren, daß sie nicht bis in die kleinste Ecke putzen können. Frauen jedweden denkbaren Geschlechts sind hier von der Natur ganz klar zum korrigierenden Ausgleich bestimmt worden. Der Natur soll man nicht ins Handwerk pfuschen, wie ein jeder weiß. Putzende Männer sind einfach nicht „bio“.  „Männer“ und „putzen“ zu einem Hauptwort zusammengesetzt, ist gefährlicher als „Gen“ und „technik“. Wie gefährlich das ist, wissen wir alle.

Papiertücher wiederum sind für Frauen gänzlich ungeeignet. Männer hingegen brauchen welche, um den Ölstand zu messen. Auch den von Motoren  in Frauenautos. Unwidersprochen hätten die Jungen Alternativen einen Stapel Papiertücher ablichten – und bei Twitter betexten können mit: „Das einzige Tuch das Männer brauchen.“

Die Junge Alternative Essen hat sich hier also, kulturell hochaktuell, für die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen an der sozialen Respektskultur ausgesprochen und eine wichtige Debatte darüber angeregt, ob man Frauen noch länger die gesellschaftliche Rehabilitierung verweigern darf, wenn man ihnen schon nicht das Wort verbieten will. Das ist ein couragierter Schritt gegen die konservativen Kräfte, die Frauen auf ewig durch Erwerbsarbeit gefangen halten wollen, indem sie den verhinderten Putzen erzählen, in einem Saustall zu leben sei ein Akt der Befreiung von überkommenenen Zwängen.

Die Jungen Alternativen sind ganz auf der Höhe der Zeit.

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