Marburger Bund lehnt Staatsexamen für Ärzte aus Drittstaaten ab

Zunehmendes Problem "Fake Ärzte" (Bild: shutterstock.com/Durch Zurijeta)
Zunehmendes Problem "Fake Ärzte" (Bild: shutterstock.com/Durch Zurijeta)

Erfurt – Die Forderung, dass Ärzte aus Staaten außerhalb der Euro­päischen Union (EU) das medizinische Staatsexamen ablegen müssen, bevor sie in Deutschland ärztlich tätig werden dürfen, lehnt der Marburger Bund (MB) ab. Es sei nicht verhältnismäßig, die Qualifikation von ausländischen Ärzten generell infrage zu stellen, hieß es gestern bei der Haupt­ver­samm­lung des MB von den Gegnern dieses Vorschlags. Der MB stellt sich mit seinem Beschluss gegen Forderungen der Bundes­ärzte­kammer. 

Die Delegierten forderten stattdessen nach kontroverser Diskussion die Bundesländer auf, die zentrale Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG) auszubauen. Die GfG solle künftig alle Anträge ausländischer Ärzte auf Anerkennung der Gleichwertigkeit ihrer Berufsqualifikation aus sogenannten Drittstaaten annehmen und bescheiden. Dies soll insbesondere die Prüfung der Echtheit der eingereichten Unterlagen und die Bewertung der Berufserfahrung umfassen.

Der MB fordert zudem ein einheitliches Prüfsystem. Zudem sollen die Länder dafür sorgen, dass ausländische Ärzte, die zum Nachweis ihrer Qualifikation eine Kenntnisprüfung ablegen müssten, einen Termin innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist von sechs Monaten erhalten.

Der MB stellt sich mit seinem Beschluss gegen Forderungen der Bundes­ärzte­kammer, obwohl mittlerweile mehrere Fälle von sogenannten „Fake-Ärzten“ aus Drittstaaten bekannt wurden und sich der Bundesärztekammer-Präsident Sorgen um das Patientenwohl machte (Jouwatch berichtete).  

„Wir fordern eine theoretische und praktische Prüfung analog zum zweiten und dritten Teil des Staatsexamens.“

Der Vorstand der Bundesärztekammer wird dem Deutschen Ärztetag, der am Mittwoch in Erfurt beginnt, einen Antrag vorlegen, in dem der Gesetzgeber aufgefordert wird zu regeln, dass alle Ärzte aus Drittstaaten das medizinische Staatsexamen ablegen müssen, wenn sie in Deutschland tätig werden wollen.

Das derzeitige Anerkennungsverfahren stelle nicht sicher, dass diese über dieselben Kompetenzen verfügten wie Ärzte, die in Deutschland ausgebildet wurden, heißt es zur Begründung. Insbesondere sei die Echtheit der vorgelegten Zeugnisse häufig schwer zu bestimmen. Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker bekräftigte den Vorstoß heute. „Wir reden hier über Patientensicherheit und Patientenschutz, da lasse ich keine Abstriche zu“, sagte Wenker, die auch Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer ist. „Wir fordern eine theoretische und praktische Prüfung analog zum zweiten und dritten Teil des Staatsexamens.“

Wie das Deutsches Ärzteblatt berichtete, hatte sich bundesweit die Zahl der ausländischen Ärzte binnen sieben Jahren mehr als verdoppelt. 2016 zählte die Bundes­ärzte­kammer 41.658 berufstätige ausländische Ärzte. Wer innerhalb der EU ein Medizinstudium absolviert hat oder als Arzt anerkannt wurde, bekommt die Approbation in Deutschland automatisch.

Es gibt „Problme“ mit gefälschten Zeugnissen

Bisher sind die Approbationsbehörden der Bundesländer für die Zulassung von Ärzten aus Nicht-EU-Ländern zuständig. Beim derzeitigen Verfahren seien die Echtheit vorgelegter Diplome und Zeugnisse und ihre Beweiskraft vielfach nicht abschließend zu bestimmen, heißt es dem Antrag. Dennoch werde überwiegend allein nach Papierform über die Zulassung entschieden, kritisierte Wenker. „Das ist ein echter Anerkennungstourismus inzwischen.“ Manche ausländischen Ärzte reichten mit Hilfe von Agenturen ihre Papiere gleich in mehreren Bundesländern ein.

Der Niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung (Nizza) sei zu schwerfällig, sagte der Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhaus­gesellschaft, Helge Engelke. Die Prüfung dauere zu lange. Grundsätzlich sei es richtig, auf die Qualität der Ärzte zu achten. Allerdings dürfe mit dem deutschen Staatsexamen keine zusätzliche Hürde für ausländische Ärzte eingebaut werden. „Es ist hinter­fragenswürdig, wenn jemand, der schon 20 Jahre Chefarzt in Dubai gewesen ist, hier noch einmal die Schulbank drücken soll.“

Bei der MB-Haupt­ver­samm­lung hatte dagegen gestern MB-Vorstand Hans Albert Gehle zu bedenken gegeben, dass es Probleme mit gefälschten Zeugnissen vor allem bei Angehörigen aus den EU-Staaten Rumänien und Bulgarien gebe. Deren Diplome würden aufgrund europarechtlicher Regelungen automatisch anerkannt, so das Ärzteblatt. (SB)

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