Macht den Barras zu!

Foto: Durch cineuno/Shutterstock
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Freitagmittag. Ich komme nach zwei sehr arbeitsreichen Wochen heim, mache den Briefkasten auf und finde die Loyal (Zeitschrift des Reservistenverbandes) im Briefkasten. Schlagzeile «Wozu Streitkräfte?  – Deutschland weiß nicht, was es mit der Bundeswehr anfangen will. Doch eigentlich ist die Antwort ganz einfach.» Das Titelthema wird auf acht Seiten gut und sinnvoll behandelt – der Autor vertritt die Meinung, dass die Sicherheitsorgane nicht nur das tragende Element eines jeden Staates sind (vgl. Hobbes), sondern wir auch verlässliche Bündnispartner sein müssen. Weiterhin erkennt er richtigerweise, dass in Deutschland «eine Kultur strategischer Kindlichkeit» herrscht – der Deutsche erkennt, dass ein Krieg wie der 2. Weltkrieg nicht gerade vor der Tür steht. Doch leider bleibt er da stehen und verkennt, dass 73 Jahre Frieden in Mitteleuropa der historische Ausnahmefall sind.

Von Triarius

Falls es einen Masterplan mit dem Ziel, das deutsche Militärwesen systematisch auf allen Ebenen abzuschaffen,gibt, so ist er voll und ganz aufgegangen. Der durchschnittliche Kartoffeldeutsche ist weder willens noch in der Lage, selbst Blutsverwandte zu verteidigen. Gegenüber der Bundeswehr herrschte bis vor wenigen Jahren vor allem freundliches Desinteresse, das nun ins Unfreundliche umgeschlagen ist.

Schulen, Hochschulen und Messen verdrängen sie und das ehemals hohe Vertrauen in die Bundeswehr hat sich in der Zeit der Truppenursel halbiert. Als Soldat fühlt man sich meistens uniformiert in der Öffentlichkeit nicht stolz, sondern wie ein Affe im Zoo. Klar vermittelt die Uniform Männlichkeit und Stärke, man merkt es an der meistens verhohlenen lüsternen Reaktion der Frauen (und teilweise auch Männer..).

Aber vor allem bewirkt eine Uniform heutzutage Reaktionen, die in Richtung Unsicherheit gehen. Zu Zeiten derNATO-Rally war das noch anders. Da das deutsche Volk sich selbst und seinen staatlichen Organen misstraut, steht Wehrhaftigkeit als politisches Thema in Verruf. Dementsprechend setzt die Politik die Ziele nicht um bzw. bleibt bei Lippenbekenntnissen. Gefühlte 90% der Soldaten interessiert eh nur die Absicherung, was zum Teil Resultat der Personalpolitik und zum Teil psychische Abwehrmechanismen in Folge des unfreundlichen Desinteresses ist. Man nennt das innere Kündigung in der Psychologie. Die Kampfkraft ist auch innerhalb der Bundeswehr kaum noch ein Thema und es mangelt sogar an den Grundlagen eines solchen Verständnisses. Ich hatte zu meiner aktiven Zeit ein Gespräch mit Jemandem, der sich auf seinen Einsatz (letztes ISAF-Kontigent) vorbereitete. Ich meinte «mir gefällts hier nicht so, das Infanteristische kommt viel zu kurz.»

«Ja warum? Unser Zug war doch letztes Jahr der Beste bei den Infanteristischen Grundleistungen?» Die Rede war natürlich von den Individuellen Grundleistungen, also rein sportlichen Grundanforderungen, die mit infanteristischem Handeln mit taktischem Vorgehen, Kämpfen, Töten, Sterben gar nichts zu tun haben. Das Handwerk wird klinisch gesäubert als eine Art Sportunterricht missverstanden. Das Desinteresse an der Kampfkraft zieht sich dann in der Behandlung der Reservisten weiter, die flächendeckend seitens der Bundeswehr nicht als notwendige Ergänzung für den Verteidigungsfall, sondern als Belastung verstanden werden. Dementsprechend findet bei der einen oder anderen Dienststelle sogar systematische Sabotage an der Reservistenarbeit statt mit dem Ziel, diese auszumustern und zu vergraulen. Hier und da findet sich ein unnachgiebiger Idealist, der sich über den Wehrbeauftragten dagegen wehrt. Aber er arbeitet sich nur am Kampf gegen Windmühlen ab, seine Energien wären im kleinen Rahmen besser investiert. Wozu die Deutschen zu ihrem Glück zwingen? 80% der Deutschen wählen die Politiker, die in den letzten 30 Jahren die Bundeswehr nach und nach zerstört haben. Sie verdienen keine Freiheit und keine Unversehrtheit. Ich habe meine Stelle in der Eingreifreserve abgegeben und werde mich in jedem Falle nur auf die Verteidigung einiger weniger Glücklicher im privaten Rahmen beschränken. Reserve hat Ruh!

Wandere aus, solange es noch geht!
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