Lachnummer Bundeswehr

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Schrott-Armee (Foto: Collage)

Mehrzahl der Eurofighter bleibt am Boden

 Die Luftwaffe kann wegen technischer Mängel am Eurofighter einen Großteil der 128 Kampfjets derzeit nicht starten lassen.

 Von Thomas Schlawig

Man muß sich vergegenwärtigen, daß der Eurofighter vor ziemlich genau 14 Jahren (30.04.2004) bei der Bundesluftwaffe offiziell eingeführt wurde. Derzeit sind von 128 Maschinen des Typs lediglich vier einsatzbereit.

Als Grund wird eine Undichtigkeit im Kühlsystem des Selbstschutzsystems angegeben. Das System warnt den Piloten vor feindlichen Kampfjets oder Angriffen. Ohne dieses System ist der Eurofighter nicht einsatzbereit. Das benötigte Ersatzteil sei derzeit nicht lieferbar.

Nicht einsatzbereit heißt, daß damit die Anforderungen der Nato oder eben ein Notfall über Deutschland, zum Beispiel das Eindringen von feindlichen Flugzeugen in den Luftraum, nicht begegnet werden kann. Mit der kleinen Zahl sind die deutschen Zusagen an die Nato kaum zu erfüllen, bei der Allianz hat man 82 „Eurofighter“ für Krisenfälle angemeldet.

„Ihren aktuellen Einsatzverpflichtungen kommt die Bundeswehr derzeit uneingeschränkt nach“, betonte die Bundeswehr. Es werde daran gearbeitet, den Engpass bei den Ersatzteilen auszugleichen.

Die Antwort ist, vorsichtig ausgedrückt, irreführend. So zählt die Luftwaffe alle „Eurofighter“-Jets als verfügbar, die überhaupt fliegen dürfen. Dazu gehören aber viele Flieger, die nicht über ein funktionierendes Selbstschutzsystem verfügen. Diese dürfen zwar mit Attrappen an den Flügeln für Trainingsflüge oder Manöver genutzt werden. Echte Einsätze, so wie die Luftraumüberwachung am Ostrand der Nato, sind mit diesen Jets aber ausgeschlossen.

Neben dem Problem mit dem Selbstschutzsystem hat die Luftwaffe noch einen Mangel an Luftkampfraketen für die Eurofighter.  Da man die Waffen auch nicht schnell nachkaufen kann, sind die Nato-Anforderungen selbst mit einem Vorlauf nicht zu erfüllen. Auch dieses Detail ist als „geheim“ eingestuft.

Hinzu kommt, daß die Piloten des Eurofighters die Schnauze – auf gut deutsch gesagt – voll haben.

Mindestens sieben Piloten, die bislang den Eurofighter flogen, haben in diesem Jahr bereits ihre Kündigung eingereicht und die Streitkräfte verlassen – und es dürften, so ist aus der Truppe zu hören, noch mehr werden.

Unter denen, die gehen, sind nach Informationen von Augen geradeaus! auch ein stellvertretender Geschwaderkommodore und mehrere Fluglehrer (was offiziell aus nachvollziehbaren Datenschutzgründen nicht bestätigt wird).

Eine der raren Pilotinnen in der Bundeswehr hat vergangene Woche öffentlich erläutert, warum sie die Streitkräfte verlässt. Nicola Baumann, ausgebildet sowohl auf dem Tornado als auch auf dem Eurofighter, vor fünf Jahren Flight Commander of the Year, Fluglehrerin – und, so muss man das wohl verstehen, von der Bürokratie aus der Truppe getrieben.

Auf ihrer Facebook-Seite hat Baumann an ihrem letzten Arbeitstag ihre Beweggründe für den Abschied erklärt. Daraus als längeres Zitat mit freundlicher Genehmigung der Autorin:

 Heute ist mein letzter aktiver Tag im Dienst der Bundeswehr und damit verabschiede ich mich von dieser wunderbaren Aussicht nach über zehn Jahren aktiver Jetfliegerei und fast 14 Jahren im Dienst. (…)
Ich bin mit 19 Jahren, direkt nach dem Abitur zur Bundeswehr gegangen und habe eine Verpflichtungserklärung zum Soldaten auf Zeit über 15 Jahre unterschrieben. Alleine diese Zeit kam mir damals schon wahnsinnig lang vor. Und ich dachte, ich wäre ganz schön alt, wenn das rum ist. Ich bin damals zur Luftwaffe gegangen weil ich unbedingt diese wunderbaren Flugzeuge fliegen wollte – und weil meine Arbeit einen höheren Sinn haben sollte. Einen Sinn für unsere Gemeinschaft.
Nach bestandener Jetausbildung wurde ich ohne Antrag oder großes Zutun „BO 41“. Das heißt Berufsoffizier mit der besonderen Altersgrenze 41. Auf deutsch – ich sollte bis zum 41. Geburtstag Jets fliegen und dann mit einer (ca. 50%-) Rente nach Hause gehen. Für mein Leben war das der perfekte Plan und höchst attraktiv! Ich hab ja nur ein Leben … und darin mehr als einen Beruf und mehr als einen Arbeitgeber ausprobieren zu können, war immer mein Wunsch und Traum! Für mich ist eine „Karriere“ nicht dann erstrebenswert und erfolgreich, wenn man möglichst weit nach „oben“ kommt. Sondern viel mehr wenn diese Karriere möglichst abwechslungsreich, interessant, herausfordernd und erfüllend ist.
Vor ungefähr acht oder neun Jahren beschloss die Bundeswehr den BO41-Status sukzessive abzuschaffen. Vor anderthalb Jahren wurde mir mitgeteilt, dass ich ab jetzt ein „normaler“ Berufsoffizier wäre. Das bedeutet bis voraussichtlich 67 bei der Bundeswehr zu sein. Davon wahrscheinlich mehr als 25 Jahre nicht fliegend!
Nun wäre es mit 41 Jahren schwieriger sich eine zweite Karriere aufzubauen als es mit 33 ist. Und meine Zeit bei der Luftwaffe hat kein offiziell definiertes Ende vor dem absoluten Ende meines beruflichen Lebens mehr. Also kann und darf ich, wenn ich das denn möchte, mein Dienstzeitende selbst definieren. Das sieht der Gesetzgeber so vor. Und das tue ich. Im zivilen Leben heißt das „Kündigung“ und ist die normalste Sache der Welt. Vor allem nach so langer Zugehörigkeit.

Ich kann nicht beurteilen, ob Baumann da einfach nur freundlich mit der Bundeswehr umgeht. Denn so nachvollziehbar die Umstellung eines bei Dienstantritt zugesagten Status als Kündigungsgrund ist: Aus der Truppe höre ich auch – zusätzlich – andere Gründe für die Kündigungsentscheidung der verschiedenen Piloten. In erster Linie die mangelnden Flugstunden, weil zu viele Eurofighter zu oft am Boden bleiben müssen.

Zur Erinnerung aus dem jüngsten Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensystemezum Thema Eurofighter:

Der Luftwaffe standen im betrachteten Zeitraum durchschnittlich 81 Luftfahrzeuge zur Verfügung. Im Schnitt waren davon 39 Luftfahrzeuge einsatzbereit; dies entspricht im Mittel einer materiellen Einsatzbereitschaft von ca. 48%.
Das Materialerhaltungskonzept sieht eine starke Abstützung auf die Industrie vor. Daher wirken sich Instandhaltungs- und Hochrüstmaßnahmen bei der Industrie direkt auf den verfügbaren Bestand aus.
Für dieses weiterhin unbefriedigende Verhältnis von Verfügungsbestand zu Gesamtbestand waren unverändert lang andauernde Instandhaltungsmaßnahmen und das Fehlen verschiedenster Ersatzteile verantwortlich. Eingeleitete Beschaffungsmaßnahmen können wegen langer Lieferzeiten erst mittelfristig wirken. Der im August 2016 angelaufene Verfügbarkeitsvertrag für Ersatzteile hat zwar zu einer ersten Stabilisierung der Ersatzteillage beigetragen, bislang aber noch nicht zu einer gesteigerten Einsatzbereitschaft der Luftfahrzeuge geführt.

Nun ist gerade bei Pilotinnen und Piloten die Motivation, zur Bundeswehr zu gehen, doch ein wenig anders als bei den meisten Soldatinnen und Soldaten: Sie wollen vor allem fliegen. Und wenn nicht geflogen wird, weil die Maschinen am Boden bleiben, sehen sie eben keine Perspektive für ihre berufliche Zukunft. Oder, um im Jargon des Verteidigungsministeriums zu bleiben: Keine Attraktivität.

Die offizielle Antwort der Luftwaffe auf die Frage nach dieser, man kann schon fast sagen Kündigungswelle: Es seien bei jeder und jedem individuelle Gründe. Das mag ja nicht falsch sein. Aber viele individuelle Gründe zeigen auch einen Trend. Und der sieht gerade nicht gut aus

 Mit einem Wort, Deutschland hat abgewirtschaftet. Wenn es bereits um die Landesverteidigung derart schlecht bestellt ist, möchte man gar nicht auf die weniger wichtigen Bereiche schauen. Der derzeitige Verteidigungsetat beläuft sich auf 37 Mrd. Euro und man muß tatsächlich fragen, was passiert mit diesem Geld?

Im Januar hieß es, daß nur 95 der 244 Kampfpanzer der Bundeswehr einsatzbereit sind.

Die für die sogenannte Speerspitze der Nato vorgesehene Panzerlehrbrigade 9 in Munster (Niedersachsen) muss materiell kapitulieren: Sage und schreibe 30 ihrer 39 Kampfpanzer „Leopard 2“ sind aktuell nicht einsatzfähig. Neun stehen zur Verfügung, vorgesehen sind allerdings 44. Von den 14 Schützenpanzern (Typ Marder) der Brigade fahren im Moment sogar nur drei.

Nicht viel besser sieht es bei anderen Waffensystemen aus. Transporthubschrauber, Transportflugzeuge, Kampfhubschrauber fehlen oder bleiben aufgrund von Defekten am Boden. Um die Marine über Wasser, sowie bei den U-Booten ist es nicht viel besser bestellt.

Ein U-Boot der Klasse 212 kostet etwa 400 Millionen Euro. Die Marine hat sechs davon, doch keins ist im Moment fahrtüchtig. Für die Besatzung bedeutet das bis auf Weiteres: Routinearbeiten im Hafen oder auf der Werft.

Nun spielt sich das alles in der Friedenszeit ab. Nicht auszudenken, wenn alles diese Waffensysteme unter Kriegsbedingungen ständen. Die Verluste an Soldaten wären vermutlich aufgrund defekten Materials größer als durch Feindeinwirkung. Man erinnere sich an den Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers in Mali und den Tod der Besatzung. Ursache – technischer Defekt. Das alles hält aber die unfähige und großmäulige v.d. Leyen nicht davon ab, gegen alle Welt Drohungen auszustoßen.

Als wäre dies alles nicht schon peinlich genug: Jetzt musste das „Versorgungsamt“ der Bundeswehr auch noch einräumen, dass der Vorrat an Paketen mit haltbaren Fertiggerichten für Soldaten („EPa“) fast aufgebraucht ist. Ein Grund für den Engpass: die Herstellersuche per „europaweiter Ausschreibung“.

 „Denk´ ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht…“                                     Heinrich Heine (1797-1856)

 

 

 

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