Erdogan fordert: Islamkritiker müssen bestraft werden!

"Retter der türkischen Demokratie" (Angela Merkel) Foto: Pixabay

Der türkische Außenminister Mevlut Çavuşoğlu hat anläßlich des Europäischen Islamophobie-Berichts 2017 die EU-Regierungen aufgefordert, die sogenannte „Islamophobie“zu kriminalisieren. „Es gibt keine Ideologie oder Terminologie, die ‚Islamismus‘ genannt wird; es gibt nur einen Islam und der bedeutet ‚Frieden'“, erklärte er fälschlicherweise: „Salaam“ bedeutet Frieden; „Islam“ bedeutet Unterwerfung. Er behauptete auch, dass populistische Politiker „zunehmend extremistische, einwanderer-, fremdenfeindliche und islamophobe Rhetorik betreiben, um noch ein paar Stimmen zu bekommen.“

von Gatestone Institute Übersetzung Marilla Slominski

Çavuşoğlu forderte alle europäischen Politiker auf, in ihren Verfassungen Islamfeindlichkeit als „Hassverbrechen und eine Form von Rassismus“ zu verankern und beschuldigte die Justizbehörden, einen doppelten Standard anzuwenden, indem sie der Islamophobie weniger Aufmerksamkeit schenkten als dem Antisemitismus.

Er benutzte den Holocaust als eine Analogie und fuhr fort: „Es ist nicht nötig, Auschwitz noch einmal zu erleben oder darauf zu warten, dass Muslime in Gaskammern wie jüdische Menschen verbrannt werden.“ Çavuşoğlus Ansicht ist nicht neu, aber sie ist eine grobe Verzerrung der Vergangenheit und Zeitgeschichte und  scheint von der Vorstellung geprägt zu sein, dass der Islam anderen Religionen überlegen ist, was sich aus der Koran-Sure 9:33 ableitet:

„Er ist es, der Seinen Gesandten mit der Führung und der Religion der Wahrheit gesandt hat, um sie über alle Religionen zu manifestieren …“ (Sahih-Übersetzung)

Çavuşoğlus Ansichten entsprechen denen der türkischen Erdogan-Regierung.

Nicht-Muslime werden, wie wir alle gesehen haben, in der gesamten islamischen Welt verfolgt. Muslime in Europa hingegen genießen gleiche Rechte und Religionsfreiheit. Leider nutzen viele radikale Imame die Freiheiten, die ihnen von europäischen Demokratien gewährt werden, um Judenhass und gewalttätigen Dschihad zu predigen, Kämpfer zu rekrutieren und Scharia-Gerichte in ihrer Nachbarschaft zu errichten.

Einige Muslime, die von den Lehren und der Atmosphäre dieser Imame inspiriert sind, führen grausame, religiös motivierte Verbrechen gegen Nichtmuslime durch. So wurde eine behinderte 85-jährige Holocaust-Überlebende im März von einem extremistischen Muslim in ihrer Wohnung in Paris vergewaltigt, gefoltert und ermordet (jouwatch berichtete)

Çavuşoğlu hat in seinem Gespräch gegen die Islamophobie die Gräueltaten der radikalen Islam-Gläubigen in Europa nicht erwähnt. Diese Missbräuche sind die Wurzel der Debatte darüber, wie die Aufrufe zur Gewalt im Islam bekämpft werden können, ohne die bürgerlichen Freiheiten gesetzestreuer Muslime zu beeinträchtigen. Indem er vorschlägt, jegliche Kritik am Islam mit der Begründung zu untersagen, dass er „extremistisch, einwanderungsfeindlich, ausländerfeindlich und islamfeindlich ist“, verrät Çavuşoğlu, dass er es begrüßen würde, die freie Meinungsäußerung zum Schutz einer religiösen Ideologie zu verbieten. Dabei läßt er geflissentlich die Verbrechen der Türkei gegenüber Nicht-Muslimen in den vergangenen Jahrhunderten unter den Tisch fallen.

Nicht-Muslime in der Türkei waren schweren Verfolgungen und Vernichtungsversuchen ausgesetzt, wie dem Völkermord von 1914-1923; die Einberufung der „zwanzig Klassen“ von 1941-1942 aller männlichen Christen und Juden, einschließlich der älteren und psychisch kranken; und die Vermögenssteuer von 1942, die darauf abzielte, Nicht-Muslime zu verarmen und ihren Reichtum auf Muslime zu übertragen.

Heute sind nur 0,2 Prozent von 80 Millionen türkischen Einwohnern Christen oder Juden. Und so haben türkische Regierungen im Laufe der Zeit das Land von seinen nicht-muslimischen Bürgern befreit:

Griechen: Es gibt weniger als 2.000 Griechen in Istanbul, der Stadt, die bis zur osmanisch-türkischen Invasion im 15. Jahrhundert das griechische Konstantinopel war. Trotz ihrer geringen Größe leidet die Gemeinschaft immer noch unter Verletzungen ihrer Rechte. Dazu zählt die Zwangsschließung des orthodoxen Chalki-Seminars 1971, der einzigen Schule zur Ausbildung der Führung des orthodoxen Christentums. Seit dieser Zeit ist das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, dem spirituellen Zentrum des orthodoxen Christentums mit Sitz in der Türkei, nicht in der Lage, Geistliche und potenzielle Nachfolger für die Position des Patriarchen auszubilden.

Auch in den Städten in Kleinasien oder Anatolien, die von den Griechen im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. gegründet wurden, leben heute keine Griechen mehr. Sie wurden entweder ermordet, deportiert oder gezwungen, sich schwerer Verfolgung zu entziehen, einschließlich des anti-griechischen Pogroms vom September 1955 in Istanbul und der Ausweisung von Griechen aus der ganzen Türkei im Jahr 1964.

Armenier: Auch nach dem Völkermord von 1915, bei dem 1,5 Millionen Armenier umkamen, endete die Verfolgung der Armenier in der Türkei nicht. Seither sind die übrig gebliebenen Armenier Zeuge der fortgesetzten Beschlagnahme ihres Eigentums und anderer Vermögenswerte. Darüber hinaus sind verbale und körperliche Angriffe gegen die armenischen Gemeindemitglieder, Schulen und die einzige armenische Zeitung im Land durch die türkische Öffentlichkeit und die Medien immer noch üblich.

Juden: Seit 1923, als die Türkische Republik gegründet wurde, waren Juden systematischer Diskriminierung  ausgesetzt. Die Gesetze, die Juden und andere nicht-muslimische Bürger aus bestimmten Berufen in den 1920er Jahren ausschlossen und die Bewegungsfreiheit der Juden blockierten; das antijüdische Pogrom 1934 in Ostthrakien und die fortgesetzte antijüdische Hassrede in den türkischen Medien und bestimmten politischen Kreisen gehören zu den Formen der Verfolgung und Diskriminierung der jüdischen Bürger in der Türkei.

Assyrer: Laut der Minority Rights Group International, assyrischen Christen in der Türkei

„Zwangsräumungen, Massenvertreibungen und das Niederbrennen ihrer Häuser und Dörfer, Entführungen (einschließlich Priester), Zwangsbekehrungen zum Islam durch Vergewaltigung und Zwangsheirat und Mord. Dieser Druck und andere heimtückische Formen von Verfolgung und Diskriminierung haben die Gemeinschaft dezimiert. “

Heute sind nur noch etwa 20.000 Assyrer im Land. Und sie kämpfen immer noch darum, in Istanbul eine Grundschule zu eröffnen, da die Regierung ihnen keine finanzielle Unterstützung gewährt. Unterdessen besetzen sowohl die Regierung als auch einige muslimische Kurden im Südosten der Türkei weiterhin illegal ihr Land und ihr Eigentum: Die türkische Regierung erkennt die protestantische Gemeinschaft nicht als „legale Einheit“ an. Nach einem Bericht über Menschenrechtsverletzungen der Türkischen Vereinigung evangelischer Kirchen aus dem Jahr 2017 haben die Protestanten daher immer noch kein Recht auf freie Ausbildung und Pflege von Gottesdiensten. Andere Probleme, mit denen Protestanten konfrontiert sind, umfassen Hassverbrechen und Sprache, verbale und physische Angriffe und Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Jesiden: Die türkische Regierung erkennt den Jesidismus nicht als Religion an. Daher ist das Feld „Religion“ in den Identitätspapieren von Jesiden in der Türkei entweder leer oder mit einem „X“ markiert. Aufgrund anhaltender Verfolgung und Druck seitens der Regierung und der Gesellschaft sind viele Jesiden aus der Türkei nach Europa geflohen. Ihre privaten Ländereien wurden Berichten zufolge überfallen und ihre Besitzer bedroht. Einige ihrer verlassenen Dörfer sind unbewohnbar geworden. Die meisten der ehemaligen jesidischen Dörfer in der Türkei wurden vollständig islamisiert. Die geschätzte Bevölkerung von Jesiden in der Türkei beträgt heute etwa 350 – ohne die jüngsten Asylsuchenden aus dem Irak und Syrien.

„Die Jesiden, die kürzlich Opfer von Massakern, Vergewaltigungen und sexueller Sklaverei durch den IS wurden, stehen nun unter gewaltsamer Bekehrung zum Islam unter Androhung des Todes von türkisch unterstützten Kräften, die am 18. März die kurdische Enklave Afrin eingenommen haben.“

Aleviten: Die türkische Regierung erkennt den Alevismus nicht an, einen anderen Minderheitsglauben. Die Aleviten in der Türkei waren ständigen Massakern und Pogromen ausgesetzt, darunter die Massaker von Dersim (Tunceli) von 1937-1938, das Malatya – Massaker von 1978, das Massaker von Sivas von 1978, das Massaker von Maras von 1978, das Massaker von Corum von 1980, das Massaker von Sivas von 1993 und 1995 das Gazi Massaker. Die heutigen Aleviten in der Türkei sind immer noch häufig Drohungen und willkürlichen Verhaftungen ausgesetzt.
Çavuşoğlus Kritik an Europa mag ein Versuch gewesen sein, die schmutzige Vergangenheit und prekäre Gegenwart seines Landes zu verschleiern, aber es sollte eine Warnung vor der Gefahr sein, die den liberalen Demokratien in der ganzen Welt droht.

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