Kulturkritik: Der Spurhalteassistent

https://cdn.pixabay.com/photo/2018/01/09/22/16/walnut-3072652__340.jpg
Die Schaltzentrale der Macht (Foto: Pixabay)

Es gibt Kulturbetrachtungen, die man besser für sich behalten sollte, weil man die Gesellschaft spaltet, wenn man sie veröffentlicht. Die einen Leser sind voll des Lobes und Andere wiederum spucken Gift und Galle. Dabei wäre es durchaus sinnvoll, sich zu fragen, welcher Kultur ein Volk ist, das sich von Angela Merkel seit bald dreizehn Jahren regieren läßt. Wenn wir eine Demokratie sind – sind wir doch? – muß man unterstellen, daß sie tatsächlich von jemandem gewählt wurde. So grausam das auch ist hinsichtlich dessen, was man über das Urteilsvermögens eines Wahlvolks akzeptieren muß. Es hilft ja nichts, sich die Sache schönzureden. Eine schöne Kulturkritik.

von Max Erdinger

Wenn sich gutverdienende Merkelwähler einen Privatwagen leisten, dann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Karosse, die ihren gesellschaftlichen Status reflektiert. Ein solcher Wagen verfügt üblicherweise über sensationelle technische Neuerungen, die dem stolzen Besitzer ständig mitteilen, was sie von ihm halten. Viel ist das nicht.

Es gibt den Müdigkeitswarner. Eine Kamera überwacht die Frequenz des Lidschlags beim Fahrer und mahnt zur Pause. Ein Spurhalteassistent läßt das Lenkrad vibrieren, wenn er in auffälliger Weise seine Fahrspur verläßt. Geltende Geschwindigkeitsbeschränkungen werden im Display angezeigt. Eine ungehaltene Frauenstimme fordert barsch aus dem Lautsprecher: „Bitte beachten Sie die Geschwindigkeitsbegrenzung.“ Er kann sie aber stummschalten und weiter Musik hören.

Es gibt den Bremsassistenten, das Collision Prevention Assist, welches selbständig eine Vollbremsung auslöst, wenn es sie für nötig hält. Den unabschaltbaren Gehörgangstyrannen gibt es, jenen höllischen Einfall eines deutschen Sicherheits Kurts zur Knechtung der ganzen Welt, der sich erst besänftigen läßt, wenn der Gurt im Schloß eingerastet ist. Wer keinen Gurt anlegt, muß sich von ihm im eigenen Auto terrorisieren lassen.

Der Regensensor merkt, wenn die Scheibe naß wird und schaltet den Scheibenwischer ein. Licht geht automatisch an, wenn es der Wagen für angebracht hält. Ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) verhindert, daß Antriebsräder zum Durchdrehen gebracht werden und der Wagen in einen instabilen Fahrzustand gerät.

Das Auto des hypothetischen Merkelwählers signalisiert seinem Besitzer permanent, daß es ihn zu doof für alles hält, außerdem für konzentrationsschwach und müde. Wenn diese drei Eigenschaften zu einem tödlichen Unfall führen, ist es aus und vorbei mit der Merkelwählerei. Anschnallen muß er sich also unbedingt, weil sonst der ganze andere Kokolores, der ihm seiner unterstellten Doofheit zum Trotze das Leben retten soll, keinen Sinn hat. Unangeschnallt in den Airbag geknallt ist auch tödlich.

Der Merkelant nimmt diese Botschaft beständig auf und fängt allmählich an, sich selbst als die Schwachstelle des Ganzen zu begreifen. Er gibt viel Geld dafür aus, einen technischen Gegenstand in sein Eigentum zu überführen, welcher ihm dauernd bestätigt, daß er dümmer ist als sein Besitz.

Man fragt sich fassungslos, wie es früher möglich gewesen ist, mit einem, bescheiden für Licht und Anlasser elektrifizierten Fahrzeug, von hinnen nach dannen zu kommen, ohne unterwegs sein Leben lassen zu müssen. Wie kann es sein, daß der Adenauerwähler früher wusste, wann die Grenzen der Fahrphysik erreicht sind? Wie konnte er wissen, wann er müde ist und aufpassen muß, die Fahrspur nicht zu verlassen, wenn er nicht im Straßengraben oder an einem Baum enden will? Woher hatte er diese übermenschlichen Fähigkeiten? Konnten Erhardwähler wirklich mit einer Hand lenken und mit der anderen gleichzeitig das Seitenfenster hochkurbeln? Wird man später und rückblickend einmal diejenige als die Blütezeit der Menschheit bezeichnen, in welcher sich für ein paar Dekaden lang die wieder untergegangene Fähigkeit herausgebildet hatte, Zahlen auf Schildern am Straßenrand zu memorieren? Wie überlebten diese Leute ihre Wege von A nach B ohne Zentraldisplay und SatNav? – Mit viel Glück?

Nein, die Gründe waren andere. Sie wussten, was sie taten. Deswegen konnten sie auch die Herren des Geschehens sein. Persönliche Fehleinschätzungen hatten schnell tödliche Konsequenzen. Es gab einen Willen zur Eigenverantwortlichkeit und daher auch den Antrieb, gut zu sein bei etwas, das aus sich selbst heraus bereits gefährlich ist.

Das neue Auto des hypothetischen Merkelwählers jedoch spiegelt in einer positiv konnotierten, technischen Variante das, was man politisch den Nannystaat nennt. Den bekommt man auch nicht umsonst. Ein Nannystaat ist so fett und teuer wie die Karosse für den hypothetisch gutsituierten Merkelwähler. Wo kein Reifen mehr qualmt, raucht auch der Fahrer ganz schnell vor der Wirtshaustür. Dort entnimmt er den Glimmstängel einer Zigarettenschachtel, auf welcher zu lesen ist, daß er vom Qualmen impotent wird. An das Draußenrauchen und sein Auto hat sich der Merkelwähler gewöhnt.

Er hält sich für jemanden mit Durchblick. Er hat erkannt, daß eine Nanny angesichts der eigenen Unfähigkeit absolut nützlich ist. Und Merkel ist eine Nanny.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...