Ökostrom: Zu viel und zu teuer

Foto: Collage
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Von einer internationalen Energiekonferenz mit Regierungsvertretern aus über 40 Ländern Mitte April 2018 in Berlin titelten Leitmedien mit „Altmeier: Ökostrom bald ohne Förderung“. In den nächsten vier bis fünf Jahren solle das der Fall sein, sagte der Energie- und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

Von Prof. Dr.-Ing. Hans-Günter Appel

Man muss sich fragen, ob ihm bewusst ist, dass bereits jetzt zu viel und zu teurer Ökostrom erzeugt wird.

  • Weiß er, wie viel Deutschland für nicht benötigten und nicht gelieferten Ökostrom an die Produzenten zahlt, wenn Anlagen wegen Überproduktion abgeschaltet werden müssen? 2016 waren es 635 Millionen Euro.
  • Weiß er, wie hoch die Kosten waren, um überschüssigen Ökostrom über die Börsen mit Subventionszahlungen („Negativpreisen“) einzuspeisen? Allein 2017 während des Weihnachtsfestes und zum Jahreswechsel mussten dafür über 50 Millionen Euro aufgewendet werden.
  • Kennt er die Dumping-Preise, zu denen der hoch vergütete Ökostrom an den Börsen verramscht wird? Es sind rund 3 Cent je Kilowattstunde (Ct/kWh), die im Mittel mit 15 Ct/kWh vergütet werden.
  • Kennt er die steigenden Regelungskosten, die nötig sind, um das Stromnetz stabil zu halten, weil die Ökostrom-Erzeugung zu stark schwankt? Im letzten Jahr mussten dafür etwa zwei Milliarden Euro aufgewendet werden. Das ist zwanzigmal mehr als vor Beginn der Energiewende.
  • Hat er einen Überblick über die gesamten Aufwendungen für die Energiewende? Neben den ausgewiesenen Subventionen nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) von rund 25 Milliarden Euro im Jahr, die der Stromkunde zu tragen hat (ca. 300 Euro/Jahr und Einwohner) wird noch ein etwa gleich hoher Betrag aus Steuermitteln aufgewendet, um die Energiewende durchzusetzen. Die Energiewendekosten sind damit deutlich höher als der Verteidigungsetat.
  • Hat er vergessen, was er im Februar 2013 gegenüber der FAZ zu den Energiewendekosten geäußert hat? Damals sagte er: „Das alles kann dazu führen, dass sich die Kosten der Energiewende und des Umbaus unserer Energieversorgung bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts auf rund eine Billion Euro summieren könnten. … Wenn wir nichts dagegen tun, werden wir diese Größenordnung erreichen.“ (FAZ vom 20. Februar 2013, Seite 1)
  • Weiß er nicht, dass bis es jetzt kein Konzept für ausreichend große wirtschaftliche Speicher gibt?
  • Kennt er die Kosten für die geplante Energiewende bis zum Jahr 2050? Das Handelsblatt vom 18. April 2018 schätzt die Gesamtkosten auf 2.000 bis 3.000 Milliarden Euro. Damit steigen die Wendekosten in den nächsten 30 Jahren auf 100 Milliarden Euro pro Jahr (1.200 Euro pro Einwohner).
  • Weiß er nicht, dass Deutschland sich, eine doppelte Strom-Infrastruktur leistet, um zu jedem Zeitpunkt die gesicherte Stromleistung zur Verfügung zu haben? Schon heute haben wir eine Nennleistung von etwa 100.000 Megawatt (MW) an Ökostrom und gleichzeitig eine Bereitstellung von etwa 100.000 MW Strom aus traditionellen Kraftwerken, von denen die meisten mit Dampfturbinen arbeiten. (Der maximale Leistungsbedarf liegt in Deutschland bei 85.000 MW.)
  • Weiß er nicht, dass die deutschen CO2-Emissionen seit 10 Jahren konstant bei über 900 Millionen Tonnen jährlich liegen – trotz der ungeheuren Subventionen, die in die Ökostrom-Erzeugung gesteckt wurden und immer noch werden?
  • Weiß er nicht, dass den angestrebten Stromeinsparungen durch höhere Energieeffizienz weitaus höhere Verluste bei der Stromspeicherung gegenüberstehen? Altmaier will den Netzausbau zum Verteilen von Ökostroms beschleunigen. Er sagt aber nicht, welcher Strom durch die neuen Trassen fließen soll, wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht.

Sicher und preiswert mit Braunkohle

Der Außenminister Heiko Maas (SPD) will mit Ökostrom die Eigenversorgung sichern, um vom Ausland weniger erpressbar zu sein. Deutschland kann mit wetterwendischem Ökostrom nicht sicher versorgt werden. Eine sichere und preiswerte Versorgung gibt es in Deutschland nur mit Braunkohlenkraftwerken. Heimische Braunkohle ist noch für Jahrhunderte vorhanden. Doch gerade diese Kraftwerke sollen abgeschaltet und durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Ist stärkere Abhängigkeit von Russland etwa gewollt?

Technisch mangelhafter Ökostrom

Auch in fünf Jahren sind die technisch bedingten, systemimmanenten Nachteile des Ökostroms nicht behoben. Die Erzeugung ist wetterabhängig. Das Wetter kann weder geändert noch sicher vorhergesagt werden. So bleibt der Ökostrom ein Strom zweiter Klasse mit viel geringerem Wert als der stets planbare herkömmliche Kraftwerksstrom. Ohne Subventionierung des Ökostroms, größtenteils zwangsweise durch die Stromverbraucher, ist die Energiewende am Ende. Daher fordert die Stromverbraucher-Schutzvereinigung NAEB: „Die Subventionen und andere finanzielle Unterstützungen für den Ökostrom müssen endlich beendet werden! Er ist nicht planbar, daher nicht sicher genug und außerdem viel zu teuer!“

Wirtschaftsminister Altmaier: Erneuerbare bald ohne Subventionen

  1. April 2018 | Wirtschaftsminister Altmaier sieht die erneuerbaren Energien in Deutschland auf einem guten Weg. Schon bald könnten keine Subventionen mehr nötig sein.

https://www.youtube.com/watch?v=BRIcUak6aUM

 

 

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