Merkel ärgere mich nicht – das neue Spiel für alle „Wutbürger“!

Foto: Durch pathdoc/Shutterstock
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(Achtung, beim nachfolgenden Beitrag könnte es sich auch um Satire oder einen verspäteten Aprilscherz handeln)

von Jakob Tscharntke

Wie kürzlich aus gewöhnlich gut informierten Kreisen verlautete, entwickelt die Schmidt Spiele GmbH in enger Zusammenarbeit mit der AfD, der Identitären Bewegung sowie der Aktion „Ein Prozent“ ein neues Gesellschaftsspiel. In Anlehnung an den Klassiker aus dem Haus „Schmidt Spiele“ soll der Titel des neuen Brettspiels lauten „Merkel ärgere mich nicht“. Aufgrund seiner Aktualität und seines hohen pädagogischen Wertes werden dem geplanten Spiel sensationelle Absatzwerte zugetraut.

Wie beim historischen Vorbild haben 4 – 6 Spieler mehrere Figuren im Häuschen. Bei einem gewürfelten Pasch darf eine Figur das Häuschen verlassen und sich ins Getümmel des bunten Merkel-Deutschland stürzen. Hier lauern auf sogenannten „Ereignisfeldern“ mannigfaltige Gefahren. Aber zum Glück gibt es auch die AfD-blauen Bonusfelder. Wer ein solches Feld erreicht, darf vom gemischten Stapel der Bonuskarten die oberste abheben. Solche Karten schenken dem Spieler zum Beispiel ein „Merkel-Lego“ – einen 2,5 Tonnen schweren Zementblock in der mittlerweile bekannten und bei Volksfesten und ähnlichen öffentlichen Veranstaltungen fast allgegenwärtigen Merkel-Lego-Optik. Oder eine schnitt- und stichfeste Schutzweste samt Teleskopschlagstock gegen Messerangriffe. Oder zur aktiven Verteidigung eine Pfefferspraydose oder eine Schreckschußwaffe mit 3 Schuß CS-Gas-Munition. Da deutsche Gerichte dem Vernehmen nach mehr als 3 Schuß zum Beispiel auf einen psychisch kranken Messerangreifer oder einen Vergewaltiger als Notwehrexzess werten dürften, ist die Anzahl der Schüsse bei dieser Bonuskarte aus pädagogischen Gründen auf 3 begrenzt. Das Spiel strebt dem Vernehmen nach nämlich nicht nur noch hoher Aktualität, sondern auch nach dem Prädikat: „pädagogisch besonders wertvoll“.

Als Top-Joker ist die Bonuskarte „Waffenschein“ angedacht. Sie berechtigt den Spieler nicht nur zum Führen einer scharfen Schußwaffe, um Angriffe auf Leib und Leben abzuwehren, sondern beinhaltet zudem eine Glock 19 mit voll aufmunitioniertem Magazin. Aufgrund der angestrebten Realitätsnähe soll es von dieser Karte allerdings nur ein Exemplar im Spiel geben. Waffenscheine sind für Angehörige des gemeinen Volkes im Grund kaum mehr zu bekommen. Unter dem Aspekt der Realitätsnähe ist unter den Spieleentwicklern deshalb noch heftig umstritten, ob diese Bonuskarte überhaupt ins Spiel aufgenommen werden soll, da die Möglichkeit der effektiven Selbstverteidigung des Bürgers von Seiten der Politik nicht vorgesehen und erwünscht sei. Von Spieleentwicklern wird vielmehr die Meinung vertreten, die deutsche Politik hätte dem deutschen Bürger zwingend die Opferrolle zugewiesen. Dies müsse um des angestrebten pädagogischen Wertes willen auch im Spiel jederzeit erkennbar sein.

Derlei Bonuskarten werden vom Spieler allerdings dringend benötigt. Denn auf den rautenförmigen und jamaikabunten Ereignisfeldern warten auf die Spieler allerlei Gefahren. Die hier vom Stapel abgehobenen Karten können als Ereignis einen Anschlag mit einem Transporter beinhalten, eine Messerattacke oder einen Bombenanschlag. Alles von psychisch kranken Tätern begangen, von denen niemand so genau weiß oder wissen will, wo dieselben plötzlich in so großer Zahl herkommen. Wohl dem, der bei Eintreten eines solchen Ereignisses genügend Bonuskarten gesammelt hat, um einen solchen Angriff abzuwehren und zu überleben. Eine Figur, die bei Ziehen einer solchen „Ereigniskarte“ vom rautenförmigen Ereignisfeld keine entsprechenden Bonuskarten, z.B. schnitt- und stichfeste Weste samt Teleskopschlagstock gegen Messerangriff, Merkel-Lego gegen Anschlag mit Kleintransporter, Pfefferspray oder Schreckschußpistole gegen Vergewaltigung, in ausreichender Zahl vorweisen kann, wird endgültig vom Spielfeld entfernt: Exitus!

Dasselbe Schicksal ereilt eine Figur, welche vom Stapel der Ereigniskarten die Karte zieht „Bombenanschlag“. Da hiergegen weder die schnitt- und stichfeste Weste noch der Pfefferspray hilft, wird die betroffene Figur unmittelbar und endgültig vom Spielfeld entfernt: Exitus!

Wer deshalb auf Nummer sicher gehen will, kann die rautenförmigen, jamaikabunten und hochgefährlichen „Ereignisfelder“ mit Aufschriften wie „Jahrmarkt“, „Stadtfest“, „Abifeier“, „Bahnhof“, „öffentliche Verkehrsmittel“, „Stadtzentrum“ oder „Park“ großräumig mittels Umwegen von 20 Feldern umgehen. Auch dieses Detail zielt auf das Prädikat „pädagogisch besonders wertvoll“. Allerdings lauert selbst auf diesen Umwegen wie an einigen anderen Orten im Spiel das tückische, in tödlichem Schwarz gehaltene, Ereignisfeld mit der Bezeichnung „Zwangseinquartierung“. Wer ein solches Feld erreicht, muß innerhalb der nächsten 3 Runden einen Pasch würfeln, um das Feld wieder verlassen zu können. Ansonsten wird die betroffene Figur endgültig vom Spielfeld entfernt: Exitus!

Die Spieleentwickler rechnen dem Vernehmen nach offenbar mit von Runde zu Runde drastisch sinkenden Überlebenschancen für den Fall der Zwangseinquartierung einer potentiell psychisch kranken und messerstechenden Person.

Die Einführung des Spiels soll auf den 17.Juli geplant sein, den Geburtstag der Dame, die aufgrund ihrer finsteren Machenschaften die Namensgebung des Spiels maßgeblich beeinflußt hat. Es halten sich hartnäckige Gerüchte, wonach die AfD demnächst beantragen will, den 17.Juli zum „Nationalen Gedenktag des Schreckens“ zu erklären. In dunkeldeutschen Bundesländern soll ergänzend sogar schon die Überlegung bestehen, zusätzlich zum 17.Juli auch noch den Montag nach dem Volkstrauertag zu einem „Zweiten Nationalen Gedenktag des Schreckens“ zu erklären. Inhaltlich passend soll bundesweit der nur zwei Tage spätere „Buß- und Bettag“ ebenfalls wieder zum bundesweiten Feiertag erklärt werden. Sowohl bei den Feiern am Volkstrauertag wie in allen Gottesdiensten am Buß- und Bettag soll mit besonderer Inbrunst das Vaterunser gebetet werden, insbesondere die Bitte „und erlöse uns von dem Bösen“.