Donald Trump: Küsschen für die Kanzlerin

Foto: Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Donald Trump (Foto: Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Nachrichten gibt es, von denen man sich keinesfalls ins Bockshorn jagen lassen sollte. Die dts-Nachrichtenagentur meldet:

Washington – US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag mit Küsschen links und rechts begrüßt. Kurz vor 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr deutscher Zeit) kam sie am Weißen Haus an, wo zunächst ein 20-minütiges Gespräch geplant war. Später soll ein Arbeitsessen und schließlich eine Pressekonferenz folgen.

Vor dem Treffen hatte sich Trump über zu wenig Zeit mit der Kanzlerin beklagt – wobei unklar war, ob dies ironisch gemeint gewesen sein könnte, da der enge Zeitplan wohl von der US-Seite vorgegeben worden sein dürfte. „So much to discuss, so little time“, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Er freue sich auf die Kanzlerin und ergänzte: „It will be good for both of our great countries!“ (dts)

So viel zu diskutieren gebe es, klagt also Trump, und so wenig Zeit gebe es dafür. Sein Treffen mit der Kanzlerin sei aber trotzdem gut für „beide unserer großartigen Länder“.

Wenn Donald Trump also wenig Zeit hat, um mit Merkel alles das zu diskutieren, was es zu diskutieren gäbe, dann kann alles nicht so wichtig sein, weil: Der US-Präsident ist der Mann für die wichtigen Angelegenheiten überhaupt. Wenn er noch nicht mal mehr für die wichtigen Dinge Zeit hat, – wofür dann? Man könnte seine Worte also durchaus so interpretieren, daß er Merkel ein paar Sätze ins sozialistische Stammbuch schreiben wird und daß er das für besser hält, als mit Merkel groß darüber zu diskutieren, was wohl gut sein könnte für die „beiden großartigen Länder“.

Trumps Motto ist bekanntlich: „Make America great (großartig) again!“. Weil er dabei aber ziemlich das genaue Gegenteil von dem tut, was Merkel in Deutschland veranstaltet, kann die Merkelrepublik nicht wirklich „great“ für ihn sein. Bereits Trumps Vorfahren müssen die USA für wesentlich „greater“ als „good old Germany“ gehalten haben. Sonst wären sie wohl kaum von hier über den Atlantik bis nach Amerika ausgewandert. Trumps Großeltern stammen aus dem pfälzischen Kallstadt.

Es wird auch kein Staatsbankett für Merkel geben. Gut möglich, daß Trump fürchtet, Merkel könnte zu allem Überfluß auch noch mit vollem Mund reden. Wie aber ist das nun zu interpretieren, daß Trump Angela Merkel am Freitag mit beidseitigem Küsschen in Washington empfing? – Das darf man nicht isoliert betrachten.

Angela Merkels Besuch in Washington folgt terminlich eng auf den von Emmanuel Macron. Die französische Soros-Marionette ist von Trump ebenfalls sehr herzlich behandelt worden. Da türmen sich nur auf den ersten Blick die Fragezeichen übereinander. Schließlich ist George Soros von Donald Trump schon längst zur nationalen Bedrohung für die USA erklärt worden. Was also hat es auf sich mit dieser amerikanischen Herzlichkeit?

Daß Donald Trump vor Selbstbewußtsein schier platzt, war noch nie ein Geheimnis. Man muß sich nur dieses Video anschauen. Mit dem freundlichsten Gesicht tut Trump so, als würde er Schuppen von Macrons Anzug wegwischen. Es gibt andere Filmsequenzen vom Macron-Besuch in den USA, die immer wieder dieselbe Botschaft transportieren: Trump läßt sich gönnerhaft zu einem „Bübchen“ herab. Es ist nicht nur diese Geste mit den Schuppen. Er umarmt Macron, schiebt seinen Kopf neben den des Franzosen – und zwar so, daß nicht Macrons Kopf, sondern sein eigener auf der „richtigen“, der Kameraseite also, zu sehen ist, während Macrons Kopf verdeckt wird. Dazu spitzt er die Lippen überdeutlich zu einem Kußmund, freilich, ohne Macron tatsächlich abzuknutschen. Dann weicht er von Macron zurück, damit die Kameras Gelegenheit haben, ungestört Macrons Reaktionen auf Trump zu zeigen. Was sieht die Welt? Einen verunsicherten Macron, der gute Miene zum inszenierten Spiel macht und sich diese Behandlung gefallen läßt.

Trump war bereits Medienprofi, bevor er US-Präsident geworden ist. Es wäre naiv, anzunehmen, daß er vor der Kamera irgendetwas tut, das nicht einem Kalkül folgt. Man erinnere sich „in aller Freundlichkeit“ an den „vergessenen Handschlag“ bei der Pressekonferenz anläßlich Merkels Besuch in Washington nach Trumps Wahl zum Präsidenten. Ein ausgebuffter, erfahrener Medienprofi vergißt den Handschlag für die Presse nicht so einfach. Man rufe sich in Erinnerung, wer Merkels Flug in die USA „wegen Schlechtwetters“ zunächst storniert hat. Das waren nicht der Pilot oder die Flugsicherung. Es war Trump – und es war Trump just in dem Moment, als Merkels Jet, mit Kanzlerin und Journaille voll besetzt, bereits auf die Startfreigabe wartete.

Dieses Wochenende gibt es wieder Hindernisse. Zwar hat Merkel Zeit, mehrere Stunden im Flieger über den Atlantik und wieder zurück zu düsen, aber Trump hat keine Zeit zum diskutieren. Für ein Staatsbankett reicht es ebenfalls nicht. Merkel scheint bei ihren USA-Besuchen einfach kein Glück zu haben.

Solche Sachverhalte sind es, mit denen Trump Botschaften für das Medienpublikum transportiert. Die sichtbaren Küsschen für Macron und Merkel sind Persiflagen auf die üblichen Medienbilder. Es handelt sich um Übertreibungen, welche das Mediengeschäft bloßstellen. Es mag sein, daß Trump sich ins Fäustchen lacht darüber, daß die Medien gezwungen sind, das Offensichtliche zu berichten – und daß man sie für „offensichtlich unsubstantiierte“ Mutmaßungen dann, wenn sie im Ton der Tatsachenbehauptung daherkämen, vorden Kadi zerren könnte. Donald Trump hasst den Medien-Mainstream bekanntlich.

Natürlich weiß Donald Trump ganz genau, wie über ihn in Europa berichtet wird, welches Image man ihm in Frankreich und in Deutschland verpasst hat, wie Franzosen und Deutsche aufgrund der hiesigen Meinungsmache über ihn denken – und er weiß, daß man in Europa eine gewisse Eiseskälte seinerseits erwarten würde, wenn er sich mit Macron oder Merkel trifft. Würde er diese Erwartungen erfüllen, indem er sich tatsächlich so verhält, wie man das in Europa von ihm erwartet, gösse er Wasser auf die Mühlen der hiesigen Trump-Basher. Seine übertriebene Freundlichkeit ist Taktik, ein böses, gleichwohl höchst amüsantes Spielchen mit den Medien.

Jedenfalls ist Folgendes festzuhalten: Macron, der Soros-Adept, besucht Trump zuerst. Trump stellt Macron per grotesker Übertreibung als ein Bübchen hin, das gute Miene zu seinem Spiel machen muß – und FRankreich schaut dabei zu. Danach erst kommt Merkel an die Reihe. Und bei aller Freundlichkeit: Er hat nicht viel Zeit für sie. Er hat gerade so viel Zeit, einen Umgang mit den Europäern zu inszenieren, der sowohl Macron als auch Merkel bei sich zuhause als merkwürdige Figuren dastehen läßt. Der Europäer fragt sich natürlich, warum die Trump-Basher dann, wenn sie in Washington sind, gute Miene zu Trumps abgekartetem Freundlichkeitsspiel machen und bekommt eine instinktive Ahnung davon, worum es sich bei seinen eigenen „Volksvertretern“ handelt.

Bravo, Donald Trump! Meinereiner würde es kein Stück anders machen. Tolle Show!

Um nun noch einen Einwand denjenigen gegenüber abzuliefern, die vermuten könnten, Trump honoriere mit seinen Freundlichkeiten die Vasallinnentreue der Kanzlerin im amerikanischen Psychokrieg gegen Russland: Wäre das so, hätte er Zeit zum Diskutieren und es gäbe ein Staatsbankett für Merkel.

Gut nachvollziehbar ist, daß die Chemie zwischen Trump und Putin auf einer persönlichen Ebene stimmt. Den einzigen Reim, den meinereiner sich auf die derzeitige Situation zwischen Russland und den USA machen kann, ist der, daß eben auch ein US-Präsident Zwängen unterliegt, denen er nach Abwägung seiner eigenen Möglichkeiten zunächst noch gehorchen muß. Ich denke, Wladimir Putin weiß von seinem eigenen Geheimdienst, welche Zwänge das sein könnten.

Wenn man sich aber das Naturell Merkels vorstellt und mit dem von Trump vergleicht, kommt man sowieso von selber drauf, daß Donalds Küsschen für Angela nichts als Medientheater sind. Ich halte die Knutscherei nicht für einen Grund zur Besorgnis.