Münchner Polizeipräsident trifft sich „aus Versehen“ mit Graue Wölfe-Chef

(Bild: H-stt ; CC BY-SA 4.0)
Münchner Polizeichef Hubertus Andrä trifft sich mit Grauen Wölfe Chef (Bild: H-stt ; CC BY-SA 4.0)

München – Seit Juli 2013 ist Hubertus Andrä Polizeipräsident in München und damit Chef des größten bayerischen Präsidiums mit rund 7000 Mitarbeitern. Andrä soll einen führenden Kopf der türkisch-rechtsextremen Grauen Wölfe (Ülkücü-Bewegung) in seinem Polizeipräsidium empfangen haben, um mit dem Vertreter der ultranationalen türkischen Rassistenvereinigung über Sicherheitsfragen zu plaudern.

Bei dem Treffen am 14. März im Präsidium ging es laut der Münchner Abendzeitung um die Sicherheit von türkischen Einrichtungen in München und Bayern. Ender Beyhan-Bilgin, die für die SPD im Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten und für die Liste Atlas im Migrationsbeirat sitzt und seit Jahren für eine Großmoschee in München kämpft, hatte im Namen mehrerer türkischer Vereine um das Treffen gebeten.

Nachdem der Münchner Polizeichef Andrä auch den Grauen Wolf Eyüp Tanriverdi von der Ülkücü-Bewegung im Polizeipräsidium empfangen hatte – auch Tanriverdi sitzt im Migrationsbeirat – postete dieser stolz ein Gruppenfoto sowie den Briefkopf von Hubertus Andrä in einem zwischenzeitlich gelöschten Facebook-Eintrag.

Mit wem sich der bayerische Polizeipräsident so trifft

Dass es sich bei Tanriverdi um eine Führungsfigur der vom bayerischen Verfassungsschutz beobachteten Ülkücü-Bewegung handelt, scheint der ranghohe Beamte nicht gewusst zu haben. Diese Unkenntnis lässt tief blicken und zeigt einmal mehr auf, wie fahrlässig,  unbedarft und auch uninteressirt in Behörden mit dem immer größer werdenden Problem des türkischen Nationalismus umgegangen wird.

Ziel der Grauen Wölfe ist eine, sich vom Balkan über Zentralasien bis ins chinesische Autonome Gebiet Xinjiang erstreckende Nation, die alle Turkvölker vereint. Diese Ideologie wird auch als Panturkismus bezeichnet. Zentrum der von ihr beanspruchten Gemeinschaft aller Turkvölker ist eine starke, unabhängige und selbstbewusste, islamisch geprägte Türkei. Als Feindbilder sehen die Grauen Wölfe die kurdische Untergrundorganisation PKK, die auf einschlägigen Webseiten als „Babymörder“ bezeichnet wird und jegliche Kurden, die nach Sichtweise der Grauen Wölfe eine „Gefahr“ für die Türkei darstellen.

Ebenfalls als Feindbilder gelten des weiteren Israel, Juden beziehungsweise Zionisten, Armenier, Griechen, Kommunisten, Freimaurer, der Vatikan und die Vereinigten Staaten, sowie ganz allgemein Christen. Mehmet Ali Ağca, der das Attentat 1981 auf Papst Johannes Paul II. beging, war Mitglied der Grauen Wölfe.

Einfluß auf türkischstämmige Jugendliche enorm

Die sich selbst als türkische Idealisten ansehende Gruppierung steht in Europa unter Beobachtung. Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen wirft ihr vor, „zur Entstehung einer Parallelgesellschaft in Europa“ beizutragen, und sieht in ihr „ein Hindernis für die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung“.

Auch die Vertreter ethnischer Minderheiten in der Türkei warnten vor einer Verharmlosung des türkischen Rechtsextremismus. „Feindbilder türkischer Nationalisten sind eine deutsche Realität“, hieß es 2013 in einem offenen Brief alevitischer, kurdischer, aramäischer und armenischer Vereine an den damaligen Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD). (SB)

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