Pressefreiheit: Ist die „Welt“ des Wahnsinns fette Beute geworden?

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Die "Welt" (Foto: Collage)

In der „Welt“ gibt s heute einen Mimimi-Artikel mit der Schlagzeile: „Besonders in Europa ist die Pressefreiheit bedroht.“ „Oh-la-la“, denkt sich da der bedrohte Presseeuropäer, „denen beim Springer-Verlag wird es doch wohl nicht wie Schuppen von den Augen gefallen sein?“. Was er dann zu lesen bekommt, gleicht einer Extraschippe Schuppen auf die Augen, statt von den Augen. Ich glaube, die sind komplett wahnsinnig geworden. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Manchmal freut man sich eben schneller, als man denken kann. Eigentlich ist es klar: Wenn die „Welt“ wahrheitsgetreu etwas von einer bedrohten Pressefreiheit in Europa berichten würde, dann müßte dem eine sehenswerte Szene vorausgegangen sein, die aber niemand beobachtet hat.

Das müsste man sich in etwa so vorstellen: Angela Merkels gute Freundin, Friede Springer, tätigt einen Videoanruf im Kanzleramt und bellt stinksauer in den Telefonhörer: „Mir reicht es jetzt mit deiner saudummen Politik, Angela. Das wird mir zu teuer. Meine Vasallinnentreue kostet mich pro Quartal zehn Prozent meiner Auflage. Du hast sie wohl nicht mehr alle? Wofür zahle ich deinem Mann, dem Joachim Sauer, auch noch 10.000 Euro im Jahr? Dafür, daß er bräsig im Kuratorium meiner Stiftung sitzt, vielleicht!? Ich brauche jetzt Pressefreiheit, sonst sitze ich nächstes Jahr mit einer geliehenen BILD-Zeitung bei der Tafel, um mir die Essenreste einzuwickeln, die mir deine Einwanderungslieblinge hinterlassen. Schau´mal auf dein Display! Kannst du meinen Stinkefinger sehen?“

Es ist nicht wahrscheinlich, daß es eine solche Szene gegeben hat oder jemals geben wird. Man hätte sich also zu früh gefreut.

Den gegenständlichen Wahnsinnsartikel hat übrigens eine Frau Silke Mülherr geschrieben. Deswegen wäre eine andere Szene sehr viel wahrscheinlicher. Und die könnte so ausgesehen haben: Friede kommt in die Welt-Redaktion und flötet listig: „Silke, mein Mäuschen, gefällt es dir hier bei uns? – Das ist schön. Würdest du gerne auch noch länger hier beschäftigt bleiben? – Das ist auch schön. So, und jetzt schreibst du mal etwas Wunderbares über die bedrohte Pressefreiheit in Europa; daß uns die bösen Rechtspopulisten ganz fürchterlich verleumden und wir uns aber nicht einschüchtern lassen. Weil Deutschland die Insel der Pressefreiheit ist in einem Meer von Journalistenknechtung. Hau´ einfach den Visegrad-Staaten eine auf den Nuschel und vergiß mir den Erdogan nicht.“ – „Sehr gern, Frau Springer.“

So könnte es schon eher gelaufen sein. Aber wie gesagt: Nichts Genaues weiß man nicht. Unzweifelhaft ist nur, daß es diesen wahnsinnigen Artikel von der folgsamen Frau Mülherr gibt. Und da schauen wir jetzt einmal „gemeinsam und zusammen“ hinein, wie die Kanzlerfrau aus der Ostzone sagen würde. Nur so nebenbei: Wäre Merkel nicht Kanzlerfrau, wäre mir auch das Wort „Ostzone“ nicht aus der Feder geflossen. Zwischen 1989 und ca. 2005 hatte ich das Wort eigentlich schon vergessen. Allerweil kommt es aber immer öfter wieder aus dem Unterbewußtsein zurück. Gott, ist mir schlecht …

Die Frau Silke Mülherr in der „Welt“: „Unter den fünf Ländern, deren Pressefreiheit sich am stärksten verschlechtert hat, befinden sich vier europäische. Die Organisation Reporter ohne Grenzen sieht die Verquickung von Politik, Wirtschaft und Medien als ein Hauptproblem.

Ha! Also doch Deutschland? Bei einem solchen Hauptproblem muß Deutschland einfach eines dieser vier Länder sein. Geht doch gar nicht anders? – Schon wieder zu früh gefreut. Weiter geht es in Frau Silkes Text nämlich so:

Die ungarische Regierung unter Viktor Órban wird für ihre Repressalien gegenüber kritischen Medien besonders kritisiert.

Auweia. Jetzt haben wir den Salat. Dieser Orban ist in Ungarn vermutlich nur deswegen so beliebt, weil er nicht zuläßt, daß die Presse berichtet, was er alles falsch macht. Die Ungarn sind wahrscheinlich Fehlgeleitete, Verführte und Angelogene. Es geht ihnen wahnsinnig schlecht, ohne daß sie es merken. Wenn wir das früher gewußt hätten, würden wir sie heute für unzurechnungsfähig halten. Halten wir aber nicht.

Wahrscheinlich ist es nur so, daß in Ungarn umgekehrt diejenigen den Part der Lügenpresse übernehmen müssen, die bei uns als Qualitätsblätter gelten würden – und nicht in Ungarn läuft es verkehrt, sondern bei uns.  So wird´s wohl sein.

Dass kritische Journalisten in Ländern wie der Türkei oder China gefährlich leben, ist bekannt. Doch auch direkt bei uns vor der Haustür müssen Medienvertreter immer häufiger mit Hetze, Verfolgung oder gar dem Tod rechnen, wenn sie mit ihren Recherchen der Wahrheit zu nahe kommen.

Also doch Deutschland? Direkt vor der Haustür des Springer-Verlages? Oder verläuft die ungarische Grenze schon wieder direkt vor unserer Haustür? Gab es einen österreichischen Anschluß? Habe ich etwas Wichtiges versäumt? Na ja, egal jetzt …

Ich erzähle einfach einmal, wie das mit der Bedrohung der Pressefreiheit in Deutschland läuft. Subtiler als in China nämlich. In Deutschland wird die Pressefreiheit zum Beispiel dadurch bedroht, daß man hochbezahlten, kritischen Journalisten wie Claus Kleber vom ZDF mindestens 600.000 Euro Jahresgehalt aus zwangsweise eingezogenen Gebühren bezahlt und ihn dann bei passender Gelegenheit freundlich fragt, ob ihm das gefällt und ob er das noch länger so haben möchte. Eine Antwort wird nicht erwartet, sondern es wird vorausgesetzt, daß ein Kleber schon verstanden hat, wie die freundliche Frage gemeint war.

Oder man infiltriert Facebook zum Zwecke der Wahrung von Pressefreiheit mit halbstaatlichen Zensoren aus parteinahen Stiftungen, die dann rein gar nichts damit zu tun haben, daß ein freies Medium wie Jouwatch immer wieder unerklärliche Spontanverluste bei der Reichweite zu verzeichnen hat, und die nie einer sich allmählich abzeichnenden Tendenz folgen, sondern immer senkrecht steil sind wie die Fassade des Kanzleramtes.

Die Folgen dieser Bedrohung der Pressefreiheit in Deutschland bleiben dem Aufmerksamen nicht verborgen. Beispielsweise bahnt sich in Südafrika ein Genozid an, der ärgerlicherweise die falschen Opfer und die ganz verkehrten Täter haben wird. Die Pressefreiheit in Deutschland besteht in der Freiheit, das Ganze einfach unter den Tisch fallen zu lassen, resp. selten einmal ein arg geschöntes Artikelchen zwischen den Kleinanzeigen zu verstecken. Auch ist es die Freiheit der Presse in Deutschland, marodierende, vergewaltigende und messerstechende Migranten aus fürchterlichen Weltgegenden als „Männer“ oder als „Männergruppe“ zu bezeichnen.

Ein großartiger Sieg für die die ach so unbedrohte Pressefreiheit in Deutschland – ginge es nach Frau Silke, die wiederum nach Frau Friede geht – ist auch, daß sie völlig frei ist, sich dem politisch-korrekten Deppenjargon zu verpflichten. Wer sich nicht daran hält, hat keine Pressefreiheit verdient und soll sich gefälligst nach Ungarn verpissen. Orban läßt ihn bestimmt etwas Schönes schreiben. Oder sie.

Aber die Frau Silke Mülherr schreibt ja noch für diese Frau Friede Springer, die sich vermutlich nicht bei ihrer Freundin Angela aus der Ostzone über die Segnungen der deutschen Pressefreiheit beklagt – oder über den Ehemann in ihrer Stiftung beschwert hat. Da kann sie mit vollem Recht über die Bedrohung der Pressefreiheit in vier europäischen Ländern schreiben, von denen Deutschland keines ist.

Merke: Pressefreiheit in Deutschland ist, zu schreiben, daß wir Pressefreiheit haben. Wer das auch nur andeutungsweise und sachte bestreitet, so wie ich hier, ist ein übler Rechtspopulist, welcher der rechtschaffenen, aufrichtigen und wahrheitsliebenden deutschen Presse trotz ihrer lückenlosen, vor politkorrekten Phrasen nur so strotzenden  Berichterstattung das Leben zur Hölle macht, so daß sie sich nicht mehr richtig konzentrieren kann, aus Versehen Stuß schreibt, für den sie logischerweise nichts kann –  und Auflagenverluste hinehmen muß, die wiederum Arbeitsplätze bedrohen.

Wer´s glaubt, wird selig.

 

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