SPON und die Kriminalstatistik: Dem Augstein sein Augenschein

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Und wenn der "Spiegel" kommt, dann laufen wir! (Foto: Collage)

Dumm ist am Sterben, daß die Dummen was erben. Jakob Augstein hat neben einem klangvollen Namen auch noch jede Menge Kohle geerbt. Eine fatale Kombination. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Also schrieb der billig zu Geld gekommene Jakob in der Online-Ausgabe jenes altehrwürdigen Nachrichtenmagazins arg revolverblattmäßig:

Die Polizei teilt mit: Deutschland wird immer sicherer. Wutbürger und AfD-Wähler, ihr müsst jetzt ganz stark sein. Sicherheit soll Gefühlssache bleiben! Lasst euch das nicht durch Fakten kaputtmachen!“

Fakt ist, daß die Polizei etwas mitgeteilt hat. Nächster Fakt ist, daß es der billige Jakob einfach so weitergegeben hat, ohne groß nachzudenken. Womit auch?

Recht nett formuliert hat er trotzdem:

Der Deutsche ist ja ein Gefühlsmensch. Im Frühling sowieso. Und je deutscher, desto gefühliger. Das war immer so. Tatsachen stören da nur. (…) So ist das auch mit dem Sicherheitsgefühl. Dieses Gefühl beginnt mit den Worten „Jeder wei߅“. Also, jeder weiß, dass das Leben in Deutschland immer gefährlicher wird. Ist ja kein Wunder bei all den Ausländern. Die ganzen Merkel-Geschenke und Integrationsverweigerer. Man kann an keinem Bahnsteig mehr stehen, ohne von irgendeinem Bereicherer ins Gleisbett gestoßen zu werden. Überall steht der Musel mit dem Messer. Und Exhibitionisten gibt es auch immer mehr.

Weil nun der Jakob immer gleich aus dem Häuschen ist, wenn er als Deutscher ein polizeilich gemachtes Gefühl bekommt, das ihm gefällt, wird er schnell frech und stellt sarkastisch seinen Bürzel. Da haue ich ihm jetzt gleich eine drauf. Aber erst lasse ich ihn noch ein bißchen frecher werden. Der Bürzeljakob:

So weit die Gefühlslage. Nun zu den Fakten. Die Kriminalität in Deutschland ist stark rückläufig. 2017 zählte die Polizei annähernd zehn Prozent weniger Straftaten als im Jahr davor.

Ist es die Möglichkeit? Wir schreiben das Jahr 2018 und der Jakob schreibt „ist“ statt „war“, obwohl es um letztes und vorletztes Jahr geht. Wahr ist: 2018 ist die Kriminalität in Deutschland keineswegs stark rückläufig, wenn man das erste Quartal dieses Jahres mit dem ersten des letzten Jahres vergleicht. Der jakobinische Schmähredner vom Stamm der Augensteine hat seine dümmliche Kolumne aber dieses Jahr geschrieben – und zwar am 23. April. Geschenkt.

Daß die Polizei 2017 um zehn Prozent weniger Straftaten zählte als 2016, wirft natürlich eine Frage auf, die viel zu schwierig für eine Antwort vom gepuderzuckerten Jakob ist: Sind „die Straftaten“ auch alle so gleich wie „die Menschen“? Oder gäbe es unterschiedliche Straftaten? Anders gefragt: Welche Straftaten waren denn dermaßen rückläufig von 2016 auf 2017, damit „die Kriminalität“ in Deutschland so rückläufig geworden ist, daß eine Zunahme bei bestimmten anderen Straftaten an der insgesamten Rückläufigkeit nichts geändert hat?

Ramin Peymani , viel klüger und weit weniger polizeigefühlsanfällig als der Jakob, kennt alle Antworten auf sämtliche schwierigen Fragen. Er schreibt: „Denn der erfreuliche Befund, dass es 2017 nur noch rund 5,76 Millionen Straftaten gegeben hat, ist bei näherer Betrachtung alles andere als beruhigend. Der Rückgang von etwas mehr als 600.000 Fällen geht nämlich fast vollständig auf das Konto der Diebstahlsdelikte sowie der Verstöße gegen Aufenthaltsbestimmungen. Letztere sind für mehr als die Hälfte des Rückgangs verantwortlich, wie Oliver Malchow, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, erläutert. Währenddessen ist die Zahl der Gewalttaten im Jahresvergleich nur leicht rückläufig und die Zahl der Morde angestiegen. Eines darf zudem nicht übersehen werden: Es handelt sich um das Jahr 2017, das erst den Beginn einer Welle von Gewaltverbrechen markiert, bei der nicht nur Messerattacken inzwischen zum Alltag gehören.

Das stört natürlich Jakobs kriminalstatistisches Polizeigefühl. Wacker hält er mit aller Emotionalität dagegen und bemüht den BKA-Chef zur Wahrung des Augenscheins vom voll informierten Augenstein:

Der Chef des Bundeskriminalamtes sagt zwar: „Es gibt in Deutschland keine No-go-Areas.“ Aber der hat eben keine Ahnung, der Mann.

So sieht´s aus, Jakob. Der Mann hat keine Ahnung. Wer hat Ahnung? Die Frau, vor der er sich fürchtet. Ein deutsches Angstgefühl mitten im Frühling, übrigens.

Angela Merkel am 08.03.2018: „Es gibt No-Go-Areas in Deutschland.“ Und die wird es wissen. Schließlich hat sie die selber eingerichtet. Was berichtete „der Westen“ noch? Das hier: „Angela Merkel will gegen No-Go-Areas vorgehen.

Vielleicht ist sie gefühlskalt. Oder sie hat eben keine Ahnung, die Frau. Stimmt doch, Jakob, oder? – Schön. Dann sind wir ja endlich mal einer Meinung.

Was hat er jetzt also bei Jouwatch wieder gelernt, der Jakob mit dem Polizeigefühl? – Genau: Jouwatch-Leser wissen mehr“.

 

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