Besuch im Tierheim mit dem Butterfly-Messer

(Bild: Screenshot)
Tierheim Dellbrück (Bild: Screenshot)

Dellbrück/Köln –  Mit einem Butterfly-Messer bewaffnet, „befreite“ ein „hochagressiver Jugendlicher“ am Freitagnachmittag seinen Hund aus dem Dellbrücker Tierheim.

„Der heutige Nachmittag steckt uns allen noch sehr in den Knochen“, schreibt das Dellbrücker Tierheim in seinem Facebookbeitrag in dem es weiter heißt: „Um ca. 16 Uhr betrat ein 15 jähriger Jugendlicher, dem man bereits von weitem ansah, dass er hochaggressiv war, unser Gelände. Nachdem er auf dem Hof mehrere Leute angepöbelt hatte betrat er den Empfang und schrie ohne Umschweife los, dass er uns abstechen werde, wenn er seinen Hund nicht zurück bekäme.

Er bezeichnete uns nicht nur als Huren, sondern bespuckte uns, warf mit einer Blumenvase nach einer Kollegin und räumte die halbe Theke ab – und das alles mit einem gezückten Messer in der Hand. Wer jetzt denkt, dass man ihn doch bestimmt leicht hätte überwältigen können, der hätte mal selbst dort stehen sollen. Wir waren schlichtweg starr vor Schreck. Dieser Typ, sei er auch erst 15, hätte zugestochen, da waren wir uns ohne Worte einig. Irgendwann haben die männlichen Kollegen es dann mit Hilfe von Stöcken und Schutzschilden geschafft, ihn zurück auf den Hof und schließlich vom Gelände zu bugsieren.

Draußen auf dem Parkplatz demolierte er noch drei Autos, eins davon massiv, bedrohte einen ehrenamtlichen Gassigänger mit dem Messer und floh in den Wald. Die mit Blaulicht angeflogene Polizei konnte ihn zwar nicht fassen, aber der Name war ihnen wohlbekannt. Man sagte uns aber auch gleich, dass man eigentlich nicht viel machen könne, da er noch nicht strafmündig sei…

Der Grund seines Besuches: seine Mutter hatte eine Woche zuvor einen sechs Monate alten Husky bei uns abgegeben, um den sich wohl keiner kümmern konnte. Wir haben den Hund kostenlos aufgenommen, er ist derzeit in medizinischer Behandlung weil er neurologische Störungen aufweist – vielleicht auch durch physische Gewalt?

Natürlich ist das für uns kein Einzelfall. Hier sind schon Leute über den Zaun eingebrochen, haben Kollegen mit Schraubendrehern bedroht, Reifen zerstochen und auch Tiere gestohlen. Aber der Vorfall heute hatte eine nie dagewesene Intensität. Und zu wissen, dass ihm kaum eine Strafe droht, obwohl wir sogar Fotos von ihm gemacht haben, macht uns so ungemein hilflos.

Was sollen wir daraus lernen? Sollen wir uns demnächst bewaffnen? Sollen wir den Empfang mit Panzerglas verkleiden? Oder gar von den Spenden noch einen Security Mitarbeiter bezahlen?

Wir wissen gerade nicht so wirklich weiter. Was ist mit dieser Welt los? Wir geben jeden Tag alles dafür, den Tieren zu helfen und sind solch höchst gewalttätigen Attacken ausgesetzt. Von Leuten, die anscheinend einen Freifahrtschein dafür haben.“

Deutschland, im Merkeljahr 2018. (SB)

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