FAZ: Steckt dahinter immer ein kluger Kopf?

Berichtet unkritisch: FAZ (Foto: Collage)

Wer erinnert sich nicht an die legendäre Anzeigenkampagne der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“? Zu sehen war jemand, der nicht zu sehen gewesen ist, weil sein Kopf von der aufgeschlagenen Zeitung verdeckt wurde. Erst im kurzen Begleittext unter dem Bild wurde offenbart, um wen es sich jeweils handelte. Daß kluge Köpfe heutzutage die FAZ meiden, weswegen auch für kluge Köpfe nicht mehr geschrieben wird, oder ob es genau anders herum ist, – wer weiß das schon so genau? Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Die FAZ heute mit einer selten dämlichen Schlagzeile: „Folgen des Klimawandels: Golfstromsystem wird langsamer.

Der Golfstrom ist bekanntlich klimabestimmend für (West)-Europa. Diese Warmwasserströmung aus dem Golf von Mexiko nimmt ihren Weg über den Atlantik Richtung Europa und sorgt dafür, daß z.B. in Südwestnorwegen Kirschbäume gedeihen, was ca. 7.000 Kilometer weiter westlich auf demselben Breitengrad, in Alaska, undenkbar wäre. Die Vegetation an der Kanalküste, etwa in der Bretagne oder in der Normandie, wäre ohne Golfstrom eine völlig andere. Überhaupt wäre es ohne den Golfstrom im sehr weit nördlich liegenden Europa eiskalt.

Nun ist es aber so, daß sich das Klima nicht nur in Europa zu allen Zeiten gewandelt hat, ganz unabhängig von dem heute behaupteten Zusammenhang zwischen Industrialisierung und Klimawandel. In Bohrkernen aus dem Eis der Antarktis etwa entdeckte das Alfred-Wegener-Institut Spuren von Plankton in mehreren Kilometern Tiefe und zog daraus den Schluß, daß das Eis vor etwa fünf Millionen Jahren mit Luft in Berührung gekommen sein muß, mithin also der Eispanzer damals sehr viel dünner gewesen ist, als heute. Vor fünf Millionen Jahren gab es keine Menschen.

Zeitgenössische Schilderungen der Expansion des Römischen Reiches nach Norden erzählen von einer gänzlich anderen Vegetation im Etschtal, als wir sie in Südtirol heute vorfinden. Gefürchtet bei den Römern waren damals die krankheitserregenden Stechmücken im Tal, das mehr einem Sumpf geglichen zu haben scheint, geformt von Bergstürzen und den damit verbundenen, immer wieder neuen Stauungen des Flusses und seinen Durchbrüchen. Spuren der alten Römerstraße lassen sich heute noch an der Ostseite des von Norden nach Süden hin sich öffnenden Tales entdecken. Sie führen z.T. beschwerlich über die Rücken von seitlich ins Tal hereinragenden Bergnasen. „Lieber ungestochen über den Berg, als todkrank unten im Tal“, scheinen die Römer sich gedacht zu haben.

Ob es wohl eine Folge des Klimawandels gewesen war, daß es damals sehr viel wärmer als heute gewesen ist?

Im gegenständlichen FAZ-Artikel muß man lange suchen für einen Beleg dafür, daß es sich beim Zusammenhang zwischen der Verlangsamung des Golfstroms um 15 Prozent und dem Klimawandel um eine Kausalität in einer bestimmten Richtung handelt. Das ist wie mit den klugen Köpfen, von denen man nicht weiß, ob ihr heutiges Fehlen hinter der FAZ der Grund dafür ist, daß die FAZ nicht mehr für kluge Köpfe schreibt, oder ob sie fehlen, weil man bei der FAZ nicht mehr für sie schreibt. Anders gefragt: Wie kommt die FAZ zu der Behauptung, der Klimawandel sei verantwortlich für die Verlangsamung des Golfstroms, anstatt zu behaupten, die Verlangsamung des Golfstroms sei ursächlich für den Klimawandel?

Die sog. kleine Eiszeit gilt als Periode relativ kühlen Klimas in Europa. Sie wird datiert vom Anfang des 15. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert und wird interpretiert als Paradebeispiel für kurzfristige Schwankungen innerhalb der stets stattfindenen, natürlichen Klimavariation. Ist Schnee zur Winterszeit in Nordbayern üblich oder eher nicht, wenn man Jahrtausende als Beurteilungsmaßstab heranzieht?  Was war mit dem Golfstrom im 18. Jahrhundert? Wer hätte ihn damals beeinflußt? Man weiß es vermutlich nicht.

Die Schlagzeile: „Folgen des Klimawandels: Golfstromsystem wird langsamer„, ist daher eine einzige, volksverdummende Dreistigkeit, vor allem wegen ihrer Insinuation, daß deswegen etwas gegen den Klimawandel unternommen werden müsse – und besser noch: Daß irgendetwas, das der Mensch gegen den Klimawandel unternimmt, den Klimawandel tatsächlich aufhalten würde. Diese Schlagzeile ist Gackern über ungelegte Eier. Und wieso überhaupt „Golfstromsystem“? Wie kommt es, daß der frühere Golfstrom medial inzwischen zum „Golfstromsystem“ avanciert ist?

Das muß wohl daran liegen, daß der Mensch im inzwischen herrschenden, zivilreligiösen  Glauben an seine eigene Allmacht gerne ein System erkennt, weil erkannte System etwas sind, auf das er Einfluß nehmen zu können glaubt. Damit würde diese Schlagzeile einer Absicht folgen, die erst einmal auf der Grundlage von Nullkommanichts generiert werden muß.

Die FAZ hätte also auch titeln können: „Wir machen Ihnen eine Absicht wegen gar nichts„.  Nebenbei wäre damit auch erklärt, wo die klugen Köpfe hinter der FAZ hingekommen sind. Sie sind weg, einfach weg.

 

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