Syrien: Russland meldet Fund deutscher Chlorbehälter in Duma

Symbolfoto: Orlok/ Shutterstock
(Symbolfoto: Orlok/ Shutterstock)

In Duma, dem Ort des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien wurden nach russischen Angaben Chemikalien aus deutscher und britischer Produktion gefunden. Syrische Regierungstruppen hätten in der früheren Rebellenregion Ost-Ghuta Chlorbehälter aus Deutschland und Rauchgranaten aus Großbritannien entdeckt, wie das russische Außenministerium am Donnerstag in Moskau mitteilte. Russland kündigte außerdem an, ein Video mit einem bestochenen Opferdarsteller im UN-Sicherheitsrat zu präsentieren.

Welche Rückschlüsse Russland aus den angeblichen Chemiefunden zieht, erklärte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa nicht. Eine „Inszenierung“ des mutmaßlichen Chlorgasangriff in Duma am 7. April wird allerdings seit Tagen von russischen Stellen behauptet. Die Rebellen hätten auf diese Weise die syrische Armee international in Misskredit bringen wollen, hieß es.

Laut Sprecherin Sacharowa umfassten die Funde in Ost-Ghouta „Behälter aus Deutschland mit Chlor, der schlimmsten Art chemischer Waffen, sowie Rauchgranaten, die hergestellt wurden in – aufgepasst! – Salisbury„. In Salisbury hatte im vergangenen Monat der Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter stattgefunden.

Das chemische Element Chlor ist nicht verboten. Es wird von Chemieunternehmen unter anderem auch in Deutschland synthetisch hergestellt. Chlorverbindungen sind Bestandteil von Reinigungsmitteln und dienen der Desinfizierung von Schwimmbad-Wasser. Als Gas ist Chlor tödlich, seine Verwendung als Kampfstoff ist international verboten.

Die NATO bezichtigte die syrische Armee des mutmaßlichen Chlorgasangriffs auf Duma. Die USA, Frankreich und Großbritannien antworteten daher mit Raketenangriffen auf militärische Ziele. Damaskus und Moskau weisen jede Verantwortung von sich.

Um die angebliche Inszenierung des Giftgasangriffes zu beweisen, will Russland Aufnahmen eines Interviews mit einem elfjährigen Syrer an den UN-Sicherheitsrat versenden, kündigte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensia am Donnerstag im Sender Rossiya 1 an. Die Äußerungen sollen ein Beleg dafür sein, dass es sich bei dem mutmaßlichen Gasangriff um  eine Inszenierung handle. Russland werde das Video beim nächsten Treffen des Sicherheitsrats vorführen.

Das russische Staatsfernsehen hate das Gespräch mit dem syrischen Kind am Mittwoch gesendet. In dem Video sagt der Vater des Jungen, sein Sohn hätte „Datteln, Kuchen und Reis“ für seine schauspielerische Beteiligung an dem inszenierten Angriff erhalten. AFP konnte die Richtigkeit der Behauptungen nicht verifizieren.

Ein internationales Expertenteam in Syrien wartet seit Tagen auf die Erlaubnis, den mutmaßlichen Angriffsort in Syrien zu untersuchen. Ihre Untersuchung könnte Klarheit bringen. Der Westen indes wirft Russland und Syrien vor, die Mission zu behindern, um Beweise zu fälschen. (ME)

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.