Abt. Reisebericht: Brief aus Deutschland

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Wenn Deutschland verstopft ist ... (Foto: Pixabay)

Ein Amerikaner in Deutschland schreibt nachhause …

von Max Erdinger

Lieber John!

Bei Euch zuhause ist hoffentlich alles in Ordnung und Alle sind gesund und munter.

Drei Monate bin ich jetzt schon bei den Krauts in good old Germany. Das Land ist wundervoll, besonders im Frühling. Bavaria ist ein Traum. Nur die Germans sind so hässlich wie eh und je. Großvater hatte recht. Die Krauts bleiben immer dieselben, nur der Quatsch, an den sie glauben, ändert sich von Zeit zu Zeit. Dann glauben sie wieder neuen Quatsch.

Als ich am Munich Airport ankam, Ende Januar, war ich neugierig auf die heutigen Germans. Mitte Februar hatte ich sie aber bereits durchschaut. Seither wächst mein Ekel vor ihnen mit jedem Tag. Deutsche Schäferhunde sind ok, though.

Grob gesagt gibt es zwei Sorten von Germans. Einmal sind es die Hyperpolitischen und zum anderen sind es die völlig Apolitischen. Die einen sind so gräßlich wie die anderen. Gemeinsam haben sie,  daß sie alle miteinander Meinungen haben, auf die sie awfully stolz sind. God knows, warum.

Die Hyperpolitischen sind alle gottverdammte Kommunisten oder grüne Baumknutscher – und die Apolitischen sind von einer blökenden Schafherde kaum zu unterscheiden. Ich glaube, nirgendwo auf der Welt, außer bei den Krauts, hat man die Überzeugung, daß Wissen überflüssig ist, um eine Meinung zu haben. Meinung rules in Germany, aber nur, wenn es die richtige Meinung ist. Was die richtige Meinung ist, lesen die meisten Germans in einer Zeitung, die BILD heißt. Wer nicht so gut lesen kann und trotzdem eine Meinung braucht, der schaut beim staatlichen Meinungsfernsehen nach. Die Fernseher der Deutschen sind genauso groß wie bei uns zuhause.

Germany ist trotzdem spannend. Seit ungefähr vier Jahren gibt es eine neue Partei, die viel Erfolg hatte bis jetzt. Die Leute in dieser Partei finden auch, daß es die Deutschen mit der Meinung übertreiben und daß sie zur Abwechslung einmal ein paar Fakten zur Kenntnis nehmen sollten. Das sind gute Leute. Aber es ist wie immer bei den Krauts. Die Krauts mögen keine guten Leute, weil sie lieber ihre Meinung behalten wollen. Das Staatsfernsehen erzählt ihnen dauernd, daß die guten Leute die falsche Meinung haben. Die Germans legen aber viel Wert auf die richtige Meinung. Die Meinung der Meisten ist immer die richtige. Es spielt keine Rolle, wie sie hergestellt worden ist.

Ich habe Germans beobachtet, die schon ein paar Stunden lang kein Meinungs-Update mehr erhalten haben. Sie wirken unsicher. Wenn sie nicht an einem Zeitungskiosk oder einem Bildschirm vorbeikommen, haben sie für Notfälle einen hölzernen Kochlöffel bei sich. Sie schauen sich verstohlen um, ob jemand sie beobachtet, dann ziehen sie den Kochlöffel aus der Jacke und klopfen sich damit heftig auf die Stirn. Dann sagen sie „Hitler, aua!“ und im nächsten Moment haben sie wieder ein sicheres Meinungsgesicht auf. „Bekloppt“ ist ein Wort, das ich schnell gelernt habe. Ich glaube, es hat mit dieser Kochlöffelmanie zu tun.

Kurz gesagt, sehr viele Deutsche haben einfach poop im Kopf. Du glaubst es nicht, John, was die für Toilettenschüsseln haben. Da ist nicht einfach Wasser drin, wo sie geruchlos reinpoopen, sondern in der Schüssel ist so eine Art Ablage mit einer winzigen Wasserpfütze. Viele Deutsche haben solche Toiletten. Der Haufen verschwindet nicht im Wasser, sondern bleibt geruchvoll auf der Ablage liegen. Es ist absolutely disgusting. Ich habe gehört, daß es in Germany Brauch ist, erst einmal in der Gestankswolke sitzen zu bleiben und dabei eine BILD zu lesen, um den Kopf wieder aufzufüllen. Es kann sein, daß Deutsche ihre Identität über die Geruchsnerven erhalten, meint ein Psychiater, der demnächst nach Australien auswandern will. Möglichst weit weg, jedenfalls. Nach einer halben Stunde, oder wenn ihnen die Krautstampfers eingeschlafen sind, stehen diese Germans auf, falten die Zeitung zusammen und betrachten versonnen ihren poop. Dann drücken sie den Spülknopf und öffnen das Toilettenfenster. Es soll schon vorgekommen sein, daß Leute auf dem Gehsteig vor dem Haus das Bewußtsein verloren haben.

Jedenfalls sind die Germans ziemlich strange. Wenn sie Geld haben, dann kaufen sich dieselben Krauts, die sich täglich in den Gestank setzen, einen Mercedes-Benz, der einen Fahrersitz mit eingebautem Ventilator hat, welcher ihre Winde absaugt und über einen Schlauch nach draußen abtransportiert. Das ist schon strange, oder? Aber ich finde noch heraus, was der genaue Grund für diese Strangeheit ist.

Einen ersten Hinweis habe ich schon. Viele Deutsche glauben tatsächlich, daß der poop aus dem Kopf kommt. Ich habe nämlich ein neues Wort gelernt. Es heißt „Hirnfürze“. „Hirn“ ist bei den Germans ein anderes Wort für poop. Wer die BILD nicht liest, sondern die FAZ oder die Süddeutscher Beobachter, sagt auch „Zerebralflatulenzen“, was aber dasselbe ist, nur mit mehr Einbildung ausgesprochen. Jedenfalls sind alle der Überzeugung, daß Zeitunglesen den Kopf wieder auffüllt. Oder Fernsehen. Ich weiß nicht, ob es Deutsche mit einem Fernseher im restroom gibt. Was mich aber wundert, das ist, daß es in Germany außer den UPS-Autos keine anderen braunen Autos gibt. Ich meine, bei den Köpfen!?

Die Germans sind absolut obsessed mit ihrem poop. Sie nennen ihn Scheiße. Das habe ich gelernt, als ich neulich bei einer Familie zum Abendessen eingeladen war. Es gab ein traditionelles deutsches Gericht, das auch bei uns zuhause allmählich bekannt wird. Es heißt „Döner“. Danach haben wir eine DVD mit nachbearbeiteten Super-8-Filmen angesehen. Die Familie wollte mir zeigen, wie das Leben in Deutschland vor fünfzig Jahren gewesen ist. Sie waren immer noch stolz auf das erste Auto, das sie damals hatten. Es war ein Ford, aber kein Mustang oder ein Bronco, sondern einer mit dem komischen deutschen Namen 12m. Als Motor war der Anlasser eines Mustang verbaut, glaube ich.  An einer Stelle der DVD war eine gehäkelte Rolle vor der Heckscheibe zu sehen. Ich wollte wissen, was das ist. Die Frau erzählte mir, daß es ein Wollmützchen für das toiletpaper ist, damit man das toiletpaper nicht sehen kann. Warum in aller Welt hatten die damals toiletpaper in der Heckscheibe mit einer Häkelmütze darüber? Die Germans wussten es selbst nicht mehr so genau. Aber ich habe es am anderen Tag trotzdem herausgefunden.

Weil die Germans glauben, daß sie den poop im Kopf haben, haben sie es vor fünfzig Jahren für klug gehalten, dem Fahrer hinter ihnen zu signalisieren, daß sie „Köpfchen“ haben. Wenn die Germans denken, daß jemand clever ist, sagen sie, daß er „Köpfchen“ hat. Tatsächlich hat von den Germans kaum jemand Köpfchen, außer den netten Leuten von der neuen Partei. Seit die Germans damals das Kaiserreich hatten, sind sie außer mit dem poop auch noch obsessed mit dem Staat. Deswegen waren die restrooms an der German Autobahn vor fünfzig Jahren noch staatlich und genauso verschissen wie die Soviet Union.

Niemand wollte aber auf die vollgepoopten Soviet-Autobahntoilets gehen. Deswegen hatten sie Toiletpaper im Ford 12m. Sie gingen zum poopen lieber in den oh du schöner Westerwald. Aber warum das toiletpaper in der Heckscheibe, neben dem Aufkleber von der Großglockner-Hochalpenstraße – und nicht im Handschuhfach? Die Germans sind ein wenig complicated und denken um die Ecke. Du glaubst es nicht, John, was das Kalkül hinter dem unsichtbaren toiletpaper unter der Häkelmütze in der Heckscheibe gewesen ist.

Das ging damals nämlich so: Die Arbeiterklasse nahm das Auto nur, um zur Arbeit zu fahren. Dafür brauchten sie kein Toiletpaper im Auto, weil die Fahrt nur kurz gewesen ist. Sie konnten also entweder zuhause noch die Ablage in ihrer Toilettenschüssel vollpoopen oder die in der Wurstfabrik, für den Fall, daß sie dort gearbeitet haben. Wer aber immer nur dieselbe kurze Strecke zur Arbeit fährt, ist kein Driving-Professional. Das Toiletpaper in der Heckscheibe ist also ein Ausweis für Langstreckenerfahrung gewesen. Wer Toiletpaper in der Heckscheibe hatte, war ein Driving-Experte. Und daß er ein Driving-Experte gewesen ist, das zeigte Herman the German damals mit toiletpaper an. Deutsche mit poop im Kopf sind schon immer Experten mit einer beschissenen Meinung gewesen.

Jetzt weißt du auch, warum Merkel deutsche Bundeskanzlerin ist, John. Das Rätsel, das alle Welt beschäftigt, ist gelöst. Es ist wegen dem poop in den deutschen Krachschädels. Und ich schwöre dir, John, allmählich bin ich mir sicher, daß die Krauts tatsächlich poop in ihren Schädels haben. Die glauben ernsthaft, daß die Gefahr besteht, ein Austrian mit einem Bärtchen, der Hitler heißt, könnte wieder über die Grenze kommen. Das ist ungefähr das einzige, was sie sich unter einem fascist vorstellen können. Sie wissen, daß es nach einem fascist viele Jahre dauert, bis sie sich wieder einen Mercedes-Benz kaufen können, der ihre Poopsluft absaugt.

Die Germans haben so wenig Vorstellungskraft, daß sie nicht eine Sekunde darüber nachdenken, ob es nicht ihre gottverdammte Staatsgläubigkeit ist, die erst den Hitler, dann den Honecker und heute die Merkel ermöglicht hat. Als sie beschlossen haben, daß sie keine verpoopten Soviet-Autobahntoilets mehr benutzen wollen, haben sie einfach nicht weitergedacht. Warum nicht? Auch da bin ich dahintergekommen, John. Weiterdenken braucht Zeit. Weil die Germans aber jeden Tag auf die Ablage in ihren Toilettenschüsseln poopen und den Kopf entleeren, um sich mit der Nase Gedanken darüber zu machen,wer sie sind, können sie nicht lange einem Gedanken nachhängen, sondern spülen angefangene Gedanken immer in die Kanalisation. Die Germans werden vom „scheißen“ unausstehlich! Das könnten nette Menschen sein, wenn sie nicht so analfixiert wären. Das ist das ganze Geheimnis von the Germans.

Nächste Woche fliege ich wieder nachhause, John, weil ich die Krauts nicht mehr länger aushalte. Ich kann dir nicht sagen, wie sehr ich mich auf euch liebe motherfucker freue.

 

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