Der Kampf um Syrien: Ein Land als Spielball geostrategischer Interessen

Foto: Durch kirill_makarov/Shutterstock
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Voller Sorge schaut die Welt auf Syrien. Wie geht es weiter, nachdem alliierte Streitkräfte in der Nacht zum Samstag drei Ziele in Douma bombardiert haben? Immer unübersichtlicher ist die Lage. Wir alle sind gefangen in einem Dickicht aus Propaganda und Lügen. Niemand, der beurteilen könnte, was wahr ist und was falsch. Groß ist dabei die Zahl derer, die sich in Zeiten maximaler Orientierungslosigkeit an die offizielle Darstellung westlicher Regierungen klammern. Doch es gibt auch viele kritische Stimmen.

Von Ramin Peymani

Und das ist gut so. Denn es gehört zu einer lebendigen Demokratie, Regierungshandeln zu hinterfragen. Deutschland tut sich damit allerdings besonders schwer. Erst recht, seit Angela Merkel durch fatale Weichenstellungen das Land tief gespalten hat. Zivilisierte Diskussionen, in denen man sich gegenseitig zuhört, sind kaum mehr möglich. Es scheint nur noch Freunde und Feinde zu geben – je nachdem, ob jemand den eigenen Standpunkt teilt oder nicht. Und auch im Syrien-Konflikt stehen sich zwei Lager unversöhnlich gegenüber. Wehe dem, der Fragen stellt. Wer den Militärschlag der westlichen Alliierten nicht uneingeschränkt gutheißt, wird als Putin-Troll verunglimpft. Es ist äußerst bemerkenswert, dass ausgerechnet die, denen nach der US-Wahl keine Verbalinjurie gegen den amerikanischen Präsidenten zu billig war und die seinerzeit Amerika, seine Wähler und sein Wahlsystem verspotteten, heute jedem Antiamerikanismus unterstellen, der das aktuelle Bombardement in Syrien kritisch sieht.

Im Irak war schnell klar: Die Massenvernichtungswaffen und etwaige Produktionskapazitäten hatte es nie gegeben

Dabei gibt es gute Gründe, an der Darstellung zu zweifeln, dass Syriens Präsident Bashar Al-Assad nun Giftgas eingesetzt haben soll. Man muss dazu gar nicht die historische Lüge bemühen, mit der 2003 der Angriff auf den Irak gerechtfertigt worden war. Schnell war damals klar: Die Massenvernichtungswaffen und Produktionskapazitäten hatte es nicht gegeben. Erst in vielen Jahren, vielleicht aber auch niemals, dürfen wir hoffen, die Wahrheit über Syrien zu erfahren. Die Inspektoren müssen sich allerdings auf Bodenproben und Zeugenbefragungen beschränken, weil die vermuteten Giftgasanlagen ausgerechnet in der Nacht vor deren Ankunft weggebombt worden waren. So sind wir also weiterhin der Propaganda aller Seiten ausgeliefert. Doch statt sich gerade in dieser undurchsichtigen Lage so breit wie möglich zu informieren und sämtlichen Darstellungen gegenüber gleichermaßen skeptisch zu sein, verengen viele den Blick auf die Statements westlicher Regierungssprecher. Und die kennen in Syrien nur einen Täter. Opfer ist die Zivilbevölkerung, die mal von den Regierungstruppen, mal vom “Islamischen Staat” als Geisel genommen wird. Zweifellos ist Assad nach allen gängigen Maßstäben kein demokratisches Staatsoberhaupt. Das ist aber auch Recep Tayyip Erdoğan nicht, und sicher auch nicht Saudi-Arabiens König Salman. Sie pfeifen ebenso auf die Menschenrechte wie Assad und viele andere Führer in der Region, sitzen aber unangefochten im Sattel, weil sie strategisch gebraucht werden.

Nicht um die Menschen geht es bei alledem, sondern um die kalkulierte Durchsetzung geostrategischer Interessen

Assads Uhr ist nun offenbar abgelaufen. Und wie jeder andere Sturz zuvor, wird auch die Entfernung des syrischen Herrschers die Region weiter destabilisieren. Nicht um die Menschen geht es bei alledem, sondern um die kalkulierte Durchsetzung geostrategischer Interessen. Keine Seite, weder der Westen, noch Russland, handelt aus Altruismus. Doch wer sich als erklärter Trump-Hasser nun plötzlich auf die Seite Washingtons stellt, um Moskau zu verdammen, macht sich unglaubwürdig. Klüger wäre es, alle offenen Fragen auf den Tisch zu legen und sie systematisch abzuarbeiten, ohne Schaum vor dem Mund und ohne ideologische Scheuklappen. Zu diesen Fragen gehört allemal, welche Rolle die sogenannten Weißhelme in Syrien spielen. Die offiziell als “Syrian Civil Defence” auftretende britische Organisation, deren Finanzierung und Leitung erkennen lässt, dass sie die westlichen Interessen im syrischen Konflikt vertritt, wird hierzulande kaum hinterfragt. Doch nicht nur das: Durch die von ihren weißen Helmen abgeleitete Namensgebung wird suggeriert, es handele sich um eine Art UN-Friedenstruppe oder gar einen Ableger der “Ärzte ohne Grenzen”, also eine neutrale Instanz. Dies ist mitnichten so. Vielmehr sieht sich die private Organisation immer wieder Propagandavorwürfen gegenüber, nicht zuletzt durch zweifelhaftes Filmmaterial und offenbar fingierte Fotos. Sie könnte in der Tat ein Interesse daran haben, den Konflikt anzuheizen. Vielleicht sogar durch Giftgas. Doch wen kümmert das, wenn doch alles so klar ist, dass man nicht einmal mehr Beweise benötigt…

 

 

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