Alle Menschen werden Brüder

Foto: Durch thomas koch/Shutterstock
Alle auf dem Weg nach Deutschland (Foto: Durch thomas koch/Shutterstock)

Mein Freund Sven Fröhlich (42)  ist Lehrer an der Kebap-Gesamtschule. Also eigentlich heißt sie Claudia-Roth-Schule, sie hat den Spitznamen wegen des schon jahrzehntelang anhaltenden Zuspruchs türkischer Kinder. Gestern traf ich Sven zufällig im Getränkemarkt. Sofort und ungefragt erzählte er mir von seinen Erfolgen.

Von Franz Firla

Die muslimischen Mädchen seiner 10. Klasse seien in nichts von ihren wenigen biodeutschen Klassenkameradinnen zu unterscheiden. Außer dass manche wie Samira gerne auch drinnen ein Kopftuch trügen.

Und die Jungs aus den arabischen Ländern hätten hie und da noch kleine Vorlieben wie sie biodeutschen Jungen fremd sind, Shisha, Messer usw. Aber sie alle interessieren sich sehr für die deutsche Geschichte: Karl der Große, die Ottonen, Bismarck, aber auch Rudi Dutschke.

Volkslieder wie „Hab mein Wagen vollgeladen“, „Kuckuck ruft aus dem Wald“ usw. singe man bei Familienfeiern. Aber auch klassische Musik von Bach bis Mendelssohn sei sehr beliebt. Vor allem aber Beethovens Neunte: „Alle Menschen werden Brüder!“

Sie läsen in ihrer Freizeit eifrig Walther von der Vogelweide bis Goethe. Die Bürgschaft von Schiller könnten sie auswendig. Hoffmann von Fallersleben, Berthold Brecht, Erich Kästner und der „Schimmelreiter“ von Theodor Storm, das alles faszinierte sie einfach. Darum seien ihre Eltern ja auch hauptsächlich hierher umgezogen.

Nein, Religion sei Privatsache, und viele  von ihnen meinten, es müsste auch nicht unbedingt türkische Läden geben. Wozu denn auch? Wenn man deutsch werden will. Außerdem gebe es viele Gewürze auch in deutschen Läden.

„Franz, du glaubst es nicht, die haben sogar Verständnis für uns Bio-Deutsche.“ Abd-Allah aus Aleppo hätte gesagt, das ginge ihnen in Syrien auch so, wenn da plötzlich Millionen Christen wohnen würden und riesige Kirchen gebaut würden.

Und Cem hätte ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit gesagt, sein Vater ginge auch gerne mal zu einem Feierabendbier zum Nachbarn rüber. „Mensch ärgere dich nicht“ spiele er da am liebsten. In vorgerückter Stunde sogar Mundharmonika.

„Und Integrieren“, sagten fast alle, „das ist selbstverständlich eine Bringschuld!“ Sie müssten auf die Deutschen zugehen, nicht nur ihre Sprache lernen, sondern auch ihre Sitten und Gebräuche übernehmen, z.B. Karneval, Merkelwählen sowie St. Martin und Weihnachten.

Als er mir im Rausgehen noch zurief:  Achmeds Lieblingsgericht sei „ Eisbein mit Sauerkraut“, kamen mir leise Zweifel.

 

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