Krieg der Großmächte in Syrien: USA drohen mit Angriff – Russland will Angreifer abschießen

Symbolfoto: Durch Alexyz3d/Shutterstock
Symbolfoto: Durch Alexyz3d/Shutterstock

Die Welt steht an diesem Tag so dicht am Abgrund eines Kriegs der Großmächte, wie seit der Kubakrise von 1962 nicht mehr. Im Syrienkonflikt drohen die USA, nach einem umstrittenen Giftgaseinsatz in der syrischen Stadt Duma, mit einer „harten militärischen Reaktion“ binnen 48 Stunden. Russland kündigt in Eilmeldungen an, jeden Angreifer abzuschießen und seine Abschussbasen anzugreifen. Der amerikanische Präsident twitterte dazu heute um 12:57 Uhr zurück: „Russland schwört alle angreifenden Raketen abzuschießen. Mach dich bereit, Russland, denn sie werden kommen: Hübsch, neu und intelligent.“

Von Walter Ehret

Wenn die Gläubigen dieser Welt sich derzeit angesichts dieser Drohungen überall in Scharen zum Gebet versammeln, wird das in Anbetracht dieser Bedrohungslage wohl niemand mehr für eine übertriebene Reaktion halten. Denn Angesichts der verbalen Eskalationen zwischen den Supermächten, ist an eine schnelle Entspannung der Sicherheitslage kaum noch zu denken. Es erscheint schlichtweg nicht vorstellbar, auf welchem Wege Präsident Trump oder Russland nach allem von ihren Kriegsvorbereitungen zurücktreten könnten, ohne dabei vollständig ihr Gesicht und was noch wichtiger ist, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Professor Meyer: Die USA warteten auf einen Kriegsgrund

Doch wie konnte es soweit kommen, in einer Phase, in der der Syrienkrieg doch gerade am abklingen war und die größte Gefahr gebannt schien? Professor Günther Meyer, vom Zentrum für Orientforschung in Mainz, lieferte dazu im Mittagsmagazin der ARD, vom 10.04.2018, folgende Erklärung: Die USA haben seit längerem auf die Möglichkeit zum militärischen Eingreifen in Syrien gewartet. Ein vorgeblicher Giftgaseinsatz, in der syrischen Stadt Duma, über den die örtlichen „Weißhelme“ berichteten, lieferte ihnen nun den Anlass um einzugreifen.

Der ARD-Experte hält es angesichts der militärischen Lage dabei allerdings für ausgeschlossen, dass Syriens Militär wirklich die Verantwortung für den Gaseinsatz trägt. Der Orientfachmann hält es für wahrscheinlicher, dass die örtliche Zivilschutzorganistaion der Weißhelme den Vorfall zu Gunsten der USA fingierte. Die Weißhelme sollen aus den Vereinigten Staaten mit jährlich etwa Einhundert Millionen Euro unterstützt werden.

Die Regierung Assad hatte keinen Grund Giftgas einzusetzen

Tatsächlich scheint diese Experteninterpretation des Giftgasvorfalls die wahrscheinlichste Variante zu sein. Die Regierungsstreitkräfte Präsident Assads haben inzwischen nahezu ganz Ost-Ghuta unter ihrer militärischen Kontrolle. Nur in Teilen der syrischen Stadt Duma stehen noch Reste der aufständischen Miliz „Dschaisch al-Islam“, die jederzeit militärisch überwältigt werden könnten. Mit ihnen wurde unter der Vermittlung Russlands der freie Abzug vereinbart. Tausende Kämpfer und Zivilisten haben Ost-Ghuta unter diesem Abkommen bereits unbehelligt verlassen können. Die UNO berichtet von etwa 130.000 Menschen, die aus der Region in den sichern Norden aufbrachen. Die russische Seite präzisiert diese Zahlen auf 160.000 Personen und hat extra für die Live-Überwachung des Abzugs eine freie Internetseite eingerichtet. Für Syrien bestand deshalb weder politisch noch militärisch ein Grund Giftgas einzusetzen.

Geheimdienste warnten Wochen zuvor vor einer False-Flag-Operation

Desweiteren warnte sowohl der russische als auch der syrische Geheimdienst bereits 14 Tage vor dem vorgeblichen Giftgasangriff öffentlich in den Medien vor einer geplanten „False-Flag-Operation“, unter Verwendung von Giftgas, aus den Reihen der Oppositionsstreitkräfte. Der gesunde Menschenverstand gebietet es deshalb sich hier zu fragen, „Cui bono“, wem nutzt es?

Doch offenbar ist die Welt längst über den Punkt hinaus, an dem es noch eine Rolle spielt, ob überhaupt ein Giftgasangriff stattfand und wer dafür wirklich verantwortlich zeichnet. Es bleiben wohl ganz real nur noch die Fragen danach, welche Einsatzmöglichkeiten die USA überhaupt haben und ob Russland wirklich Willens und in der Lage ist, Syrien wirksam zu verteidigen.

US-Raketen gegen russische SS-400

Nimmt man den letzten Tweet Präsident Trumps dafür als Grundlage, werden die USA wohl wohl wie gehabt, hauptsächlich mit Raketen angreifen. Diese treffen dann auf hochmoderne russische Luftabwehrsysteme vom Typ SS-300 und SS-400 mit einer Reichweite von 400 km, die bis in 180 km Höhe Flugzeuge, Drohnen, Marschflugkörper, ballistische Raketen und möglicherweise auch Tarnkappenflugzeuge bekämpfen können. Diese von der NATO als „Höllensysteme“ bezeichnete Raketenabwehr kann bis zu 160 Abwehrraketen gleichzeitig auf Dutzende von Zielen abfeuern.

Angesichts dieser furchtbaren Drohung militärischen Eskalation zwischen den Nukelarmächten bleibt der gesamten Menschheit nur zu hoffen, dass zumindest eine der beiden Seiten in letzter Minute noch der Verstand einholt und der Waffeneinsatz unterbleibt. Denn es ist schwerlich anzunehmen, dass bei einer russisch amerikanischen Konfrontation der Konflikt auf Syrien begrenzt bliebe.

Vielleicht helfen Gebete

Legt man dem anzunehmenden US-Schlag bisherige amerikanische Angriffsmuster zu Grunde, ist ein Angriff wohl in den Morgenstunden zwischen 00:00 Uhr und 04:00 Uhr zu erwarten. Hoffen wir also, dass wir bei Tagesanbruch nicht von unerträglich hellen Lichtblitzen geweckt werden, die dann das Letzte sein werden, was wir sehen. Doch vielleicht helfen hier in letzter Minute ja auch die weltweiten eindringlichen Gebete aller Gutmeinenden. Die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt.

 

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