Leyla Bilge: „Die Linken machen sich lächerlich!“

Titelbild: YouTube-Screenshot von Leyla Bilge
Titelbild: YouTube-Screenshot von Leyla Bilge
Die Kurdin Leyla Bilge flüchtete vor über 30 Jahren mit ihren Eltern vor der Verfolgung in der Türkei nach Deutschland. Mit 16 wurde sie zwangsverheiratet, half dann später vor allem jesidischen und christlichen Flüchtlingen im Nahen Osten und in den Flüchtlings­lagern im syrisch-türkischen Grenzgebiet. Das machte sie in Deutschland zu einem gefeierten Medienstar, änderte sich jedoch schlagartig, als sie in die AfD eintrat. 2018 initiierte sie den  Berliner Frauenmarsch und plant bereits den nächsten. 
Ein Interview von David Berger

 

David Berger: Liebe Leyla, für den 2. Juni planst Du eine Fortsetzung des Frauenmarsches. Ganz böse könnte ich jetzt fragen: Hast Du nach den Schikanen des letzten Frauenmarsches Anfang des Jahres noch nicht genug?

Leyla Bilge: Nein, jetzt erst recht. Nach unserem ersten Frauenmarsch in Berlin konnten wir Erfolge verbuchen. Es gab eine spezielle Debatte über unseren Frauenmarsch im Bundestag und im Abgeordnetenhaus. Das Thema Frauenrechte wurde, nachdem wir selbst anlässlich der Demo in unseren Rechten (Demonstrationsrecht, Meinungsfreiheit) beschnitten wurden, in den Medien und von vielen Bürgen diskutiert.

DB: Aber irgendwelche Konsequenzen hatte das nicht …

LB: Doch, das Schönste war nämlich, dass der Polizeipräsident wegen uns gehen musste. Auch wenn unser Frauenmarsch nur das I-Tüpfelchen war, das den letzten Ausschlag für seine „Entlassung“ gab. Aber wir waren eben das I-Tüpfelchen. Hätte es den Frauenmarsch und das unglückliche Agieren der Polizei nicht gegeben, bin ich mir sicher, hätte der Polizeipräsidenten zu diesem Zeitpunkt nicht die Kündigung bekommen.

DB: War es nicht unklug, die Demo ausgerechnet in Kreuzberg zu starten, sozusagen in jener Gegend, die viele als das traditionelle „Rattennest der Antifa“ bezeichnen?

LB: Ich hatte bewusst diesen Ort für die Demo ausgesucht, da ich den Linken und der Antifa den Spiegel vorhalten wollte. Und das habe ich geschafft. Wir werden so lange demonstrieren, bis wir unser Recht auf Demonstrationsfreiheit in dem selben Umfang nutzen dürfen, wie jeder andere Bürger dieses Landes auch.

leyla-bilge

Am Abend vor dem ersten Frauenmarsch hatten sich einige Redner bei Leyla Bilge getroffen. Der einzig Indigene unter den „Nazis“ mit Migrationshintergrund war meine Wenigkeit …

DB: Was mich besonders erstaunt hatte, war der Ruf der Gegendemonstranten: „Kein Recht auf Nazipropaganda!“ Ich war ja bei der Demo ganz vorne mit dabei: Menschen, die einen kurdischen, libanesischen, iranischen oder jüdischen Hintergrund haben – und auch Homosexuelle. Menschen, die für Demokratie, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung der Frau und v.a. gegen ideologisch motivierte Gewalt demonstrieren. Und sicher sein können: Hitler hätte sie in ein Konzentrationslager gesteckt – Wie kommt man sich da vor, wenn man dann als „Nazi“ bezeichnet wird?

LB: Es hilft da nur eines: Nicht einschüchtern lassen, immer weiter machen und diesen Menschen den Spiegel vorhalten. Dann wird auch der normale Bürger wach, wenn er sieht das Migranten, Homosexuelle und Juden dermaßen beschimpft werden. Diese linken Demonstranten machen sich lächerlich.

DB: Kannst Du schon Näheres zur nächsten Demo verraten?

LB: Wir werden mehr prominente Unterstützer als letztes mal haben. Sollte zu diesem Zeitpunkt der neue Polizeipräsident fest stehen, so laden wir ihn herzlich ein vorne weg mit unseren Frauen für die Freiheit der Frau zu demonstrieren. Auch dieser Marsch wird wieder überparteiisch sein. Es geht uns um die Sache. Und die ist extrem wichtig, für die Menschen aller parteipolitischen Richtungen.

Leyla Bilge spricht auf der Demo in Hachenberg

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Philosophia perennis.

 

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