Weinheim: Keine Vollverschleierte im Rathaus

Foto: Collage
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In Baden-Württemberg will der Bürgermeister von Weinheim eine Vollverschleierte nicht in seinem Rathaus sehen. Erst verweigert das Amt ihr die Ausstellung von Reisepässen für ihre Kinder, dann die Teilnahme an einer Feierlichkeit im Rathaus – beide Male hatte die Frau sich geweigert, ihre islamische Vollverschleierung abzulegen und Gesicht zu zeigen.

Seit mehr als 15 Jahren regiert Heiner Bernhard das Rathaus von Weinheim an der Bergstraße im Norden des Landes. Mit den Muslimen seiner Stadt pflege er ein gutes Verhältnis. Sein Grußwort zum Fastenbrechen lasse er ins Türkische übersetzen, weiß die WELT. Auch für ihn gehört der Islam zu Deutschland – aber die Vollverschleierung von Frauen will er nicht dulden.

Vollverschleierte Islam-Anhängerinnen dürfen von den Mitarbeitern in den öffentlichen Dienststellen der Stadt abgewiesen werden.  In der letzten Woche besuchte eine Scharia-Anhängerin mit deutscher Staatsbürgerschaft das Bürgerbüro der Stadt. Die Allah-Gläubige, die mit ihrer Familie in einer Notunterkunft lebt, trug eine Nikab und wollte einen Reisepass für ihr Kind beantragen.

Doch die Mitarbeiterin der Behörde wies sie ab, denn die Frau weigerte sich, für die Identifizierung ihren Gesichtsschleier zu lüften. Das rief erwartungsgemäß ihren Ehemann auf den Plan, der sich umgehend beim Bürgermeister beschwerte. Der schrieb dem Paar einen Brief und verteidigt die Entscheidung seiner Mitarbeiterin.

„Zur Identitätsprüfung müssen wir das Gesicht der Frau sehen. Dafür hätte sie auch einen separaten Raum in unserem Rathaus aufsuchen können. Meine Mitarbeiterin hat alles richtig gemacht – und diese Entscheidungen trage ich auch für die Zukunft“, so OB Heiner Bernhard.

Doch von Einsicht war bei dem Korangläubigen Paar keine Spur. Am Samstag stand ein Neubürgerempfang an. Auch der Name der Familie aus der Notunterkunft war auf der Gästeliste notiert.  Bernhard bat seine Referentin darauf zu achten, ob die Frau erneut unter dem Niqab versteckt auftauchen würde.

„Draußen darf jeder gerne tragen, was er möchte“, sagt der 60-Jährige. „Aber wenn ich in das Rathaus einladen und den Menschen offen begegne, erwarte ich das auch von meinem Gegenüber. Ich möchte den Menschen ins Gesicht schauen.“ Einen Bürger mit einem Motorradhelm, einer Sturmhaube oder einer Zorro-Maske würde er genauso wenig akzeptieren, begründet er seine Entscheidung.

Als die Frau in ihrem langen Gewand auf dem Empfang auftauchte, wurde ihr mitgeteilt, dass sie nur unverschleiert teilnehmen dürfte. Sie weigerte sich, der Ehemann empörte sich, die Familie  durfte nicht am Empfang teilnehmen

Für den Bürgermeister ist es der erste Fall dieser Art in seiner Stadt. Ihm seien die Rechte der Frauen wichtig. „Ich empfinde die Vollverschleierung als Symbol der Unterdrückung und öffentliches Verschließen,“ so Bernhard.

Unterstützung bekommt er auch vom islamophilen Bürgerbündnis „Weinheim bleibt bunt“ : „Wir werben dafür, im wahrsten Sinne des Wortes Gesicht zu zeigen. Das gehört zu den Grundregeln in einem demokratischen Staat“, sagte ein Sprecher des Bündnisses in einer Mitteilung.

Beim städtischen Vorgehen handele es sich nicht um eine religiöse oder persönliche Diskriminierung. Und für die Ausstellung von Passpapieren sei eine Vollverschleierung nicht zu akzeptieren, teilte das Bündnis auf Facebook mit.

Wie umständlich es nicht nur ist, an Passfotos zu kommen, sondern auch die tägliche Nahrungsaufnahme zu bewältigen, zeigt diese junge Muslima anschaulich in ihrem Werbevideo für „viel Stoff“. (MS)

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