Münster: 8 Fragen, die wir stellen sollten

Foto: Screenshot/Youtube
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  1. Was ist das Motiv?

Der Medien-mutmaßliche Alleintäter wird sowohl mit Drogenmissbrauch als auch – sehr schwammig – mit eventuellen rechtsradikalen Kontakten in Verbindung gebracht. Wenn wir hier einmal hintenan stellen, daß beide „Lebensläufe“ sich eher widersprechen, so  sollte eigentlich auf der Hand liegen, daß ein Drogenabhängiger sein Leben nicht mit einem Amoklauf nebst anschließender Pistolensalve beendet – sondern traditionsgemäß mit einem „goldenen Schuss“.

Von Wolfgang Eggert

Unerklärbar auch, welche Erfüllung ein Rechtsradikaler darin finden sollte, seine letzte Lebensfahrt PS-geladen in einem deutschen Cafe zu suchen. Dass diese eher islamistischen Kreisen zuzuordnende Kleinbusangriffe nun seit 48 Stunden unter vermeintlichen Neonazis Konjunktur zu haben scheinen, mag von den Systemparteien gern im Sinne eines „hier hat die AfD still mitgemordet“ angenommen werden – sie bleiben aber nichtsdestoweniger rätselhaft. Wie vorteilhaft, daß die mutmaßlichen Rechten im Nachhinein nicht mehr dazu befragt werden können. In Cottbus ist der Täter nicht greifbar  in Münster soll er sich selbst gerichtet haben.

Nichtsdestoweniger machten Polizei, Presse und Politik in beiden Fällen die „Lage“ im Handumdrehen ebenso „klar“ wie öffentlich. Nationalität, Vorname, Zuname, Wohnort, Persönliche Stories, all das scheint nun kein Problem mehr zu sein. Die nebulöse Bezeichnung von gemeingefährlichen „Gefährdern“ mit „Mann“ gehört offenkundig der Vergangenheit an. Trotzdem bleibt die Motivlage – bei Islamisten einfach „nachzuvollziehen“, da es einschlägige Anweisungen des IS zu Selbstmordfahrten gibt – bei sogenannten „Faschisten“ völlig schleierhaft.

In Münster hätte der Täter, wenn er denn wirklich der Täter war, auch in eine nahe befindliche Kurdendemo rasen können . Das Rätsel, warum also nicht der „passendere“, der „korrekte“ Täter ins Steuer griff, fällt gerade hier auf: Ereignete sich die Amokfahrt doch am ersten Jahrestag der „Blutfahrt von Stockholm“, bei der ein Jihadist einen gekaperten LKW vorsätzlich in Passanten steuerte. Auch die prompte Festlegung des türkischen Staatschefs Erdogan auf einen „Terrorangriff aus diesem Raum“ passt wie maßgeschneidert. Der heißblütige Muslimbruder brachte den jüngsten Vorfall nachgerade Wimpernschläge nach dem Cafe-Crash mit jenen Kräfte in Verbindung, die er aktuell (gegen die Kritik der deutschen Regierung) in Syrien angreift. Erdogan meint PKK-nahe Kurden, die ausgerechnet an ebendiesem Nachmittag der „Amokfahrt“ in Laufweite des Tatorts eine Protestdemonstration abhielten; und die, das hat man im Auge zu halten, inmitten des türkisch-kurdischen Krieges auf dem Radar des als durchaus offensiv bekannten türkischen Geheimdienstes stand, somit also von innen heraus gefährlich und von außen gefährdet war. Diese Bedrohungslage wurde durch eine andere abgewendet: Infolge der Amokfahrt und der anschließenden Sperrung der gesamten Münsteraner Innenstadt hatte der PKK-Umzug schlagartig „fertig“. Der befürchtete Vorbeimarsch an den zentral gelegenen Ditip-Moscheen Erdogans blieb aus.

  1. Wer ist der Täter?

Das Täterbild schien in der frühen Nachrichtenstrecke noch diffus. Erdogan stellte wie gesagt sofort einen Bezug zu seinen syrischen Kriegsgegnern her. Auch der rumänische TV-Sender B1 meldete in seinen Nachrichten, der Verantwortliche sei kurdischer Herkunft, zeigte aber im Bild den US-amerikanischen Terror-Betrüger Sam Hyde als Täter.

Die deutschen Nachrichtenmedien legten sich derweil ebenso schnell auf „ihren“ deutschen Täter „Jens“ fest, einen überaus widersprüchlichen Selbstmörder: Grafikdesigner mit guter Bonität, der etliche Wohnungen und Autos in seinem Besitz zählte – und zugleich ein ellenlanges Strafregister vorzustellen hat: Bedrohung mit einer Axt, Sachbeschädigung, Verkehrsunfallflucht, Betrug, Diebstahl von Autoradios, Diebstahl oder Raub von Handys, Drogenbesitz. Nichts fehlt. Alle Verfahren (3 in Münster, 1 in Arnsberg) wurden übrigens eingestellt. So wie man es beim Berliner-Weihnachtsmarkt-Amokfahrer Anis Amri kennt, der ebenfalls erschossen wurde, wie die beiden NSU-Uwes wobei die Enge der Betreuungslage hier wie dort bis heute nicht abschließend geklärt ist.

  1. Warum gibt es so wenig Bildmaterial?

Keine Fotos von Verletzten, Toten, kein Blut, keine Notversorgung vor Ort, keine Krankenwagen – nur leere umgekippte Stühle. Insgesamt belegen lediglich zwei auffallend unspektakuläre Fotos das Geschehen vor Ort. In einer Selfie/Handygesellschaft wie der unseren, in der jedes noch so nebensächliche Ereignis binnen Sekunden für die Ewigkeit und Außenwelt festgehalten wird, muss das stark verwundern. Im unmittelbaren Einzugsbereich des Vorfalls stehen rundherum mehrstöckige Wohngebäude, von denen man „beste“ Sicht auf das Geschehen hatte, dazu waren Straße und Platz am Samstag Nachmittag bei frühsommerlichen Bedingungen voller Menschen. Warum griff niemand zu seinem sonst ständig präsenten Handy, wenn der Vorfall die Brisanz hatte, welche die Presse ihm nachher zuschrieb? Warum zeigt man uns keine Aufnahmen aus den Überwachungskameras, mit denen heute jedes Geschäft ausgerüstet ist? Warum konnte keiner der Augenzeugen, die mit den Medien sprachen, die Tragweite des Ereignisses einfangen, warum sprach niemand über Tote, Verletzte und den Schuss, der im Tatauto gefallen sein soll? War der Ablauf am Ende viel unverdächtiger, als es uns weisgemacht werden soll?

4.Warum fuhr der „Attentäter“ so langsam?

Airbagsysteme sollen konstruktionsbedingt die Schutzwirkung eines Dreipunkt-Sicherheitsgurtes nur unterstützen, aber nicht ersetzen. Die Auslöseschwelle liegt deshalb oberhalb eines 25 – 30km/h Wandanpralls. Das Foto, welches das „Tatautos“ angeknautscht vor einem Baum zeigt, legt nun nahe, daß beide Airbags nicht ausgelöst wurden. Womit die Aufprallgeschwindigkeit – der begrenzte Schaden am Kühler/Frontbereich unterstreicht das noch zusätzlich – sehr niedrig gewesen sein muss. Selbst die offiziell „vermuteten“ 50km/h dürften zu hoch gegriffen sein. Und auch wenn sie stimmen sollten, die Anfahrt hätte nach Googlemaps gereicht um eine wesentlich höhere Geschwindigkeit zu erreichen. Dass das nicht versucht wurde weist darauf hin, daß der oder die Fahrer heil davonkommen wollten.

  1. Wie viele Personen saßen im Auto?

Als seriös geltende angloamerikanische und israelische Medien meldeten mit Verweis auf Augenzeugen, daß zwei Personen aus dem Unfallfahrzeug ausstiegen und sofort die Flucht ergriffen. Andreas Bode, der Sprecher der Münsteraner Polizei, bestätigte seine Kenntnis dieser Tatablauf-Schilderung, die zunächst auch von der Nachrichtenagentur dpa transportiert wurde. Später wollten die Medien und die Polizei in Deutschland von diesem Hergang nichts mehr wissen. Die Polizei dementierte ihn sogar, was ihr gar nicht zustand, weil nur die Zeugen selbst das tun konnten.

  1. Wie starb der angebliche Fahrer „Jens“?

Angeblich soll er sich selbst erschossen haben. Aber kein Augenzeuge will den Schuss gehört haben. Bilder, die den nun Hauptverdächtigten tot im Auto zeigen gibt es nichts. Auch keine, bei seinem Abstransport. Angesichts der Augenzeugenberichte über mehr als einen Autoinsassen stellt sich die Frage: Wie konnten Presse und Polizei binnen so kurzer Zeit als sicher vermelden, daß sich der nun offiziell einzige Verdächtige selbst erschossen hatte?

  1. Wie das? Die Polizei war sofort „vor Ort“ und wusste von der Vorsätzlichkeit der Amokfahrt

Die Medien meldeten, daß die Polizei blitzschnell vor Ort war, der britische Daily Mirror spricht von „binnen einer Minute“. Tatsächlich zeigt eines der beiden einzigen Tatortfotos, welches in unmittelbarem Nachlauf des Crashs entstand, ein Polizeiauto am Platz vor dem Cafe, jedoch keine Beamten in Uniform. Möglich, wenn auch nicht gerade gewöhnlich, daß die Polizisten hier in zivil präsent waren.

Sicherer Fakt ist, daß sie -trotz der geringen Geschwindigkeit des Fahrzeugs- den Umstehenden das Szenario eines Terroranschlags vermittelten. Eine Augenzeugin berichtete der Los Angeles Times: „Die Polizei forderte uns auf, umgehend das Geläde zu verlassen, weil es einen Terrorangriff gegeben habe und dass die Gefahr eines weiteren Anschlags bestehe.“ Anders als die Beamten scheinen die Zeugen die Situation als weit weniger gefährlich angesehen zu haben, denn dieselbe Zeugin wunderte sich in ihrem Pressestatement, daß „uns nicht einmal mehr erlaubt wurde, unsere Rechnungen zu bezahlen.“

Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster, äusserte sich gegenüber den Medien, daß „einige an Übung gedacht haben“.

  1. Die zwei Flüchtigen: Warum widerspricht sich der Polizeisprecher?

Polizeisprecher Bode wurde nach der Tat von angloamerikanischen und israelischen Medien mit der Aussage zitiert, die Behörden wären auf der Suche nach den beiden flüchtigen Auto-Insassen. Um 17.38 Uhr dementierte er dies jedoch wieder gegenüber den deutschen Medien. Und das, obwohl zur gleichen Zeit seitens eines weiteren Augenzeugen ein Polizeizugriff gegen einen südländischen Jugendlichen mitgefilmt wurde. Das Video, welches die britische „Sun“ in einen Artikel einstellte, zeigt einen fast hollywoodesk-amerikanisch anmutenden Einsatz, bei welchem der Jugendliche auf englisch und mit vorgehaltenen Waffen aufgefordert wird zu Boden zu gehen. Dort wird er dann von mehreren Beamten arretiert und durchsucht. Die deutschen Medien schenkten diesem Film keine Beachtung.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Polizei bereits mit Hubschraubern vor Ort und sucht nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ (Focus, 16.51) nach Sprengstoff. Um 17.38 Uhr meldet der Focus auf seinem „News-Ticker“, „die Polizei suche nach weiterem Sprengstoff“. Wohlgemerkt: Sie sucht nicht „weiter“ nach Sprengstoff, sondern nach „weiteren“ Sprengstoff“ – das heisst sie hat bereits welchen gefunden. Was aber gleichzeitig dementiert wird. Eine Haussuchung beim Hauptverdächtigen „Jens“ schliesst sich an, auch hier geht es laut Presse um das Auffinden von Sprengstoff.

Am frühen Abend wird allgemein Entwarnung gegeben. Die Polizei verlautbart, man habe es mit einem Einzeltäter zu tun, der bereits verschieden sei. Trotzdem werden in mehreren Städten am Abend und in der Nacht Ausfahrstraßen abgesperrt und kontrolliert. An der Grenze zu Holland sind die Kontrollen besonders verstärkt, am Himmel kreisen dort Hubschrauber. Die  britische Zeitung „Daily Star“ bestätigte diesen Einsatz unter Berufung auf eine Erklärung der niederländischen Polizei. Die Maßnahmen seien aufgrund von Befürchtungen ergriffen worden, dass andere Verdächtigte nach dem Autoanschlag entkommen könnten.

 

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