Innere Sicherheit: Seehofers Pollergepuller

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Sicherheit durch Poller (Foto: Screenshot Youtube)

Ginge es nach Horst Seehofer, dem neuen Innenminister, dann wäre eine Zwischenstation auf dem Weg der Bundesrepublik Deutschland zur Bunten Republik die Pollerrepublik Deutschland. „Im Alter wird das Leben toller, gibt es überall mehr Poller.“ So ähnlich muß sich Seehofer, 68, das gedacht haben. Die gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs.

von Max Erdinger

Die Nachrichtenagentur dts meldet:

BerlinBundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat nach der tödlichen Amokfahrt in Münster das Aufstellen von mehr Pollern angeregt. „Poller hätten in dem konkreten Fall helfen können, aber es muss immer nach einzelnen Gesichtspunkten der Örtlichkeiten entschieden werden“, sagte Seehofer der „Bild“ (Montagsausgabe). Der Innenminister fügte an, er wolle nicht der zuständigen Landesregierung und Polizei vorgreifen.
Doch müsse man die Aufstellung von Pollern  „überall prüfen und wenn möglich verbessern“. Die Bundesregierung würde alles versuchen, die Sicherheitslage in Deutschland weiter zu verbessern. Allerdings seien Poller auch kein Allheilmittel, „weil sie dann auch Rettungskräfte behindern“ könnten.

Wichtig sei generell auch deutliche Polizeipräsenz auf den Straßen. In Münster sei ein Streifenwagen sofort in der Nähe gewesen. Das habe vielleicht Schlimmeres verhindert. (dts)

Wie schallt´s von der bajuwarischen Höh´? – Polleradulljöh!  Was hätte sich durch Poller vor der Gaststätte Kiepenkerl in Münster oder sonstwo verhindern lassen? – Eventuell ein Anschlag mit einem Fahrzeug. Sonst nichts. Der Innenhorst scheint Poller allerdings als so eine Art Allheilmittel anzusehen.

Versetzen wir uns einmal in die Lage von Ahmed dem Rucksackbomber. Was wird in ihm vorgehen, wenn er vor dem Wirtshaus, in dessen Biergarten er den Rucksack platzen lassen will, zwei kräftige Poller im Boden verankert sieht? Wird er resignieren und sagen: „Immer ärgert sich der Dschihadist über diesen Pollermist!“, – und unverrichteter Dinge umdrehen? Oder wird er einfach zwischen den Pollern hindurchgehen? – Genau. Hindurchgehen wird er.

Was wird passieren bei Terroristen und Attentätern auf der ganzen Welt? Werden sie Deutschland als ein für den Terror verlorenes Gebiet betrachten, weil es vor Pollern nur noch so strotzt? – Wohl kaum. Und der Innenvollhorst weiß das auch ganz genau. Deswegen denkt er ja auch daran, daß diese vermaledeiten Poller nicht nur Fahrzeugattentäter an ihrem Tun hindern, sondern auch Rettungskräfte. Wenn er aber an behinderte Rettungskräfte gedacht hat, kann er nicht zuvor an einen Fahrzeuganschlag gedacht haben, weil: Wie hätte das Terrorauto über die Poller kommen sollen? Er hatte also ganz klar andere Anschläge als Fahrzeuganschläge im Kopf, als ihm das mit den Rettungskräften einfiel. Warum hat er den Pollervorschlag dann dennoch in die öffentliche Diskussion rausgepullert? – Weil er der Innenminister ist und weil man von einem Innenminister erwartet, daß er etwas sagt, wenn Anschläge mit Autos passiert sind. Was er gesagt hat, ist egal. Gesagt hat er was und auf diese Weise gedankliche Präsenz vorgezeigt. Das ist das wichtigste. Da denkt sich der Michel: „Der Innenminister ist ein gütiger Mann. Tag und Nacht ist er in Gedanken bei uns und grämt sich um unser Leben.“

Völlig abgedreht ist aber Seehofers Aussage, die Bundesregierung wolle alles tun, um die „Sicherheitslage weiter zu verbessern.“ Der gütige Mann muß der Ansicht sein, daß die Sicherheitslage irgendwann einmal so katastrophal gewesen ist, daß man damit anfangen mußte, sie zu verbessern. Wahrscheinlich dachte er an die 80er und die 90er Jahre, als man nicht wissen konnte, ob man vom Zigarettenholen lebendig zurückkommt. Und weil sich seit jener Zeit schon sehr viel verbessert hat dank des segensreichen Wirkens der letzten drei Regierungen, will er das Ganze jetzt „weiter verbessern“.

Komplett gaga wird es aber, wenn der Innenminister behauptet, in Münster sei vielleicht Schlimmeres verhindert worden, weil die Polizei nach dem Anschlag recht zügig vor Ort gewesen ist. Weiß der Geier, wo er den Spruch herhat. Bei den Anschlägen von 9/11 wurde wahrscheinlich auch Schlimmeres verhindert, weil die Feuerwehr recht schnell am World Trade Center gewesen ist.

Horst Seehofer ist führendes Mitglied einer Partei, die Merkels desaströse Politik seit bald dreizehn Jahren mitträgt. Sein Pollergerede ist nichts weiter als eine verkleidete Bankrotterklärung. Er weiß genau, was getan werden müsste, um die innere Sicherheit „weiter“ zu verbessern. Und er weiß, daß er das mit Merkel nicht hinbekommt. Ginge es dem Innenminister um die innere Sicherheit, müsste er als allererstes die Union mit der CDU auflösen, mit der CSU bundesweit antreten und Allianzen mit der AfD bilden, wo es nur geht. Genau das wird er aber nicht tun. Also soll er gefälligst auch seinen Mund halten, anstatt dem Volk Poller ins Hirn zu pullern.

Es gibt für den Tierfreund – und nur für den – einen offensichtlichen Vorteil durch mehr Poller: Der Hund hat mehr Gelegenheiten, sein Bein zu heben.

 

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