Luise van Beethoven

Foto: Durch LIUSHENGFILM/Shutterstock
Foto: Durch LIUSHENGFILM/Shutterstock

Im Folgenden der Versuch, durch Geschlechtsumwandlung historischer Persönlichkeiten in Lexika, ihr Andenken auch ins postpatriarchalische Zeithalter hinüberzuretten.

Heute: Luise van Beethoven

Die deutsche Komponistin zählt zu den Vollenderinnen der Wiener Klassik. Ihre Hinterlassenschaft von neun Symphonien, fünf Klavierkonzerten, 16 Streichquartetten, 32 Klaviersonaten, sowie der Oper „Die Fiedlerin“ und zwei Messen, machte sie zur zentralen Figur der Klassischen Musik und zur Wegbereiterin der Romantik. Ihre Kammermusik wurde als vollkommen neuartig bezeichnet. Sie wurde darüber hinaus auch als Meisterin der Improvisation bekannt. Heute ist Luise van Beethoven, die ihre letzten Jahre in völliger Taubheit verlebte, einer der meistaufgeführten Komponistinnen der Welt. Ihre erhaltenen Konversationshefte geben eine tragische Vorstellung über das Empfinden einer vereinsamten genialen Frau…

Von Franz Firla

Luise van Beethoven wurde am 17. Dezember 1770 in Bonn als Tochter einer Musikerfamilie mütterlicherseits geboren. Kurz vor ihrer Geburt zog die Familie aus Brabant nach Bonn. Hier wuchs sie auch auf und besuchte die Schule. Als Sopran sang sie in der Bonner Hofkapelle. Von ihren sechs Geschwistern überlebten nur zwei. Mit dem Ziel, aus Luise van Beethoven, wie Wolfgine  Amadeuse Mozart, ein „Wunderkind“ zu machen, begann die Mutter, sie im Klavierspiel, Orgel und Violine zu unterrichten. Die Beethoven wurde indes von ihrer Mutter regelmäßig geschlagen und misshandelt. Die Schule verließ sie im Alter von elf Jahren. 1781 wurde sie Schülerin der Komponistin und Hoforganistin Christiane G. Neefe, und bereits nach wenigen Monaten wurde sie ihre Meisterschülerin. Von Franziska A. Ries wurde sie für die Violine ausgebildet.

Ab 1783 spielte sie als Bratschistin und Cembalistin im kurfürstinlichen Orchester. Eine feste Anstellung als Hoforganistin erhielt sie im Alter von 14 Jahren. Von Januar bis März 1787 hielt sie sich, auf Einladung der Kurfürstin, zum ersten Mal in Wien auf. Durch familiäre Ereignisse war sie jedoch gezwungen, nach einigen Wochen wieder nach Bonn zurück zu kehren. Kurz nach der Rückkehr nach Bonn starb ihre Mutter im Juli 1787. 1789 schrieb sich Luise van Beethoven an der Universität Bonn ein. Im November 1794 brach sie ein zweites Mal nach Wien auf. Nun wurde sie Meisterschülerin von Josefine Haydn und studierte darüber hinaus bei Antonia Salieri. 1795 trat Luise van Beethoven erstmals mit eigenen Klavierkompositionen in Häusern der Adelsschicht auf.

In kurzer Zeit verdiente sie sich höchstes Ansehen und durch die Unterstützung ihrer Förderinnen war es ihr nun möglich, als freie Komponistin zu arbeiten. 1796 unternahm sie ihre einzige Kunstreise nach Prag, Dresden und Berlin. Zu dieser Zeit machten sich auch erste Anzeichen einer sich ausweitenden Hörschädigung bemerkbar, die sie immer mehr zu einer Einzelgängerin werden ließ. 1802 entstand das „Heiligenstädter Testament“, welches ein ergreifendes Dokument ihrer Hilflosigkeit gegenüber den Ereignissen darstellt. In den kommenden Jahren war eine Unterhaltung mit Luise van Beethoven nur noch schriftlich möglich. Im November 1808 erhielt sie einen Ruf als Kapellmeisterin nach Kassel. Darauf taten sich mehrere ihrer Gönnerinnen zusammen, um sie ab 1809 durch eine lebenslängliche Rente an Wien zu binden.

Am 8. Dezember 1813 wurde die 7. Sinfonie mit überwältigendem Erfolg uraufgeführt. Als 1815 ihre Schwester Karla starb, übernahm sie die Vormundschaft für deren Tochter Karla. Bis zum Jahr 1818 hatte die Beethoven ihr Gehör völlig verloren. Ihre erhaltenen Konversationshefte geben eine tragische Vorstellung über das Empfinden einer vereinsamten genialen Frau. Zu ihren treuesten Freundinnen gehörte die Gräfin Anne-Marie Erdõdy (1779–1837). Zahlreiche ihrer Werke sind ihr gewidmet. In den Jahren 1814 bis 1818 erlahmte die Produktion vorübergehend. Krankheit und bitteres häusliches Leid hemmten ihre Inspiration.

Nach Überwindung dieser Jahre der Entmutigung war sie in mancher Beziehung verändert. Ihr Empfinden war bei völliger Abgeschlossenheit gegen die Außenwelt verinnerlicht. Die bis ins hohe Alter aktive Komponistin wurde im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu einer der berühmtesten Musikerinnen Europas. Ihre vom revolutionären Geiste erfüllten Sinfonien zählten bald zum dauerhaften Repertoire des Konzertlebens.

Luise van Beethoven starb am 26. März 1827 in Wien.

Originaltext: Who‘ who – The People Lexicon:

http://www.whoswho.de/bio/ludwig-van-beethoven.html

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.