Auf der Jagd nach dem „richtigen“ Täter

Der Terroranschlag von Münster zeigt uns eins sehr deutlich: Vielen Politikern und Journalisten geht es nicht mehr um die Tat an sich und schon gar nicht um die armen Opfer – viel wichtiger scheint es zu sein, so schnell wie möglich den „richtigen“ Täter präsentieren zu können, um der eigenen Sache Auftrieb zu verleiten.

Von Thomas Böhm

Auf der einen Seite haben wir die Verharmloser und Relativierer, die nun – nachdem ein Deutscher namens Jens R. als mutmaßlicher Täter genannt wurde – wieder Oberwasser haben und von klammheimlicher Freude beseelt die Schrecken der vielen islamischen Terroranschläge somit ein wenig herunterschrauben können. Ganz nach dem Motto: „Auch die Anderen sind böse“.

Liest man die heutigen Zeitungen, so spürt man förmlich das Aufatmen der Journalisten und Politiker, weil es sich in diesem Fall wie auch im Fall Cottbus, endlich, endlich einmal (anscheinend) um einen „Deutschen“ mit deutschen Namen handelt.

Merkwürdig, dass die deutschen Medien in Münster von einem Jens R. sprechen, die britischen Medien dagegen von einem Jens Handeln. Aber das wird sich mit Sicherheit – wenn es denn gewollt ist – noch aufklären.

Merkwürdig auch wie immer, die Schnelligkeit mit der festgestellt wird, dass es sich wieder einmal um einen „psychisch gestörten Einzeltäter“ handelt.

Aber man muss sich doch fragen: Wie kann es sein, dass in nur wenigen Minuten den Polizisten und dann den Medien die Patientenakten vorliegen können. Welche Psychologen waren vor Ort und konnten mit dem Toten sprechen?

Auf der anderen Seite haben wir hier die Systemkritiker die reflexartig, aber verständlicherweise auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre, Monate und Wochen, auf einen islamischen Täter schließen und dann voreilig Sachen posten, die nun genüsslich von der „gegnerischen Seite“ ausgeschlachtet werden.

Warum wartet man nicht einfach mal ab, bis wirklich Fakten auf dem Tisch liegen – allerdings Fakten, die nicht von staatlicher Seite mutmaßlich manipuliert wurden. Dieses vorschnelle „Siehste, das habe ich immer gewusst“ ist der politischen Sache nicht wirklich dienlich, denn hier wird nur das Vorurteil bestätigt, dass man Vorurteile hat.

Und noch mal: Warum interessiert sich eigentlich keiner für die Opfer und deren Angehörigen?

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