Post-Merkel-Skandal: „Mächtiger als Facebook“

Während Mark Zuckerberg am kommenden Mittwoch vor dem US-Kongress aussagen muss und auch die ungewählte EU-Kommission die Datenweitergabe durch Facebook untersucht, bemüht sich die „postfaktische“ Merkel-Presse nach Kräften, den Post-Skandal totzuschweigen.

von Collin McMahon

„Facebook-Datenskandal: Bis zu 310.000 deutsche Nutzer betroffen“ titelt der Focus und andere Medien, um kleinlaut hinterherzuschieben, dass gerade mal 65 Nutzer in Deutschland am umstrittenen Persönlichkeitstest von Cambridge Analytica teilgenommen hätten, und vermutlich keiner davon etwas mit dem US-Wahlkampf zu tun hatte.

Inzwischen tauchen immer mehr Fehler und Falschdarstellungen in der Facebook-Recherche der Guardian-Reporterin Carole Cadwalladr auf, die zum Beispiel die kanadischen Datenfirma AggregateIQ als Ableger von Cambridge Analytica bezeichnet hatte. „Wir stellen gerne klar, dass AggregateIQ eine 100% kanadische Firma ist“, musste sich der Observer korrigieren – auf Seite 50.

Das wird natürlich in den deutschen Medien nicht mal auf Seite 50 berichtet werden – sie sind zu sehr damit beschäftigt, den viel größeren Skandal der massenhaften Datensammlung durch die Deutsche Post AG zu ignorieren. Der einzige halbwegs kritische Bericht war im Spiegel am Dienstag: Der Spiegel zitiert den Marketing-Experten Mathias Richel, der für den Onlinewahlkampf der SPD 2013 mitverantwortlich war, heute Geschäftsführer bei Werbeagentur „Jung von Matt/Spree“.

Richel schrieb auf Twitter: „Parteien dürfen zu Wahlen beim Einwohnermeldeamt die Daten aller Wahlberechtigten erfragen. Inklusive Namen, Adressen und das geclustert nach Altersgruppen. Diese Daten werden übermittelt, Parteien müssen diese nach der Wahl wieder löschen. Das sind personalisierte Daten. Legt man als Partei noch die Wahlergebnisse aus seinen Wahlkreisen/Stimmbezirken über diese personalisierten Daten und kombiniert das mit dem soziodemografischen Datenbestand aus dem Angebot der Deutschen Post Direkt, hat man ein ziemlich schlagkräftiges Datentool in der Hand. Das ist in seiner Wirkung und Personalisierbarkeit wirkmächtiger als jedes Targeting-Angebot von Facebook, Twitter, Google und Co.“

Die Datenschutzbeauftragte NRW Helga Block prüft das Verhalten der Deutschen Post Direkt GmbH im Wahlkampf. „Der Handel mit personalisierten Daten könne mit bis zu 300 000 Euro Bußgeld geahndet werden,“ so die Welt. Sollte eine Absicht nachweisbar sein, sich zu bereichern oder andere zu schädigen, ginge der Fall an die Staatsanwaltschaft.

Was wussten Angela Merkel und Peter Altmaier vom Post-Skandal? Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag hat eine Kleine Anfrage zum Post-Merkel-Skandal eingereicht. jouwatch bleibt dran.

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Collin McMahon ist Autor und Übersetzer. Er schreibt ein Buch über Donald Trump und die konservative Revolution, das im Mai im Antaios Verlag erscheint.

 

 

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