Vollmeise? Arzt soll Deutsche Psychoanalytische Vereinigung wegen AfD-Tätigkeit verlassen

(Bild: AfD / Screenshot)
Deutsche Psychoanlaytische Vereinigung versucht Mitglied wegen AfD-Tätigkeit zum Austritt zu drängen - AfD-Schatzmeister Heinrich Schimpf (2 v.r.) nach der Vorstandswahl. Daneben Stadtsprecher Arno Enners und seine Stellvertreterin Sandra Weegels sowie die Beisitzer Thomas Biemer (r.) und Hilmar Jordan (l.). (Foto: AfD Gießen/Screenshot)

Hessen/Gießen – Die renommierte Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DVP) legt dem Arzt und langjährigen Mitglied Heinrich Schimpf den Austritt nahe. Grund: Schimpf nahm den Posten des Vorstands im Gießener Kreisverband an. 

„Zum Schatzmeister des Stadtverbands wurde der Gießener Arzt und Psychoanalytiker Heinrich Schimpf gewählt, der zum ersten Mal ein Vorstandsamt bei der AfD wahrnimmt“. So die Mitteilung des Kreisverbandes der AfD in Gießen Anfang April auf seiner Internetpräsenz.

DPV bedrängt Mitglied 

Das namhafte Horst-Eberhard-Richter-Instituts für Psychotherapie und Psychoanalyse in Gießen sowie die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV) sei seit dieser Veröffentlichung in heller Aufregung, heißt es hierzu in der Gießener Allgemeinen Zeitung (GAZ). Denn dort ist Heinrich Schimpf ebenfalls Mitglied. Das Horst-Eberhard-Richter-Institut ist eine von bundesweit 13 Ausbildungsstätten der DPV und bildet Psychoanalytiker und Psychotherapeuten im Zuge der Facharztweiterbildung aus.

In mehreren Schreiben sei dem praktizierenden Arzt nun von seinen Kollegen ein Austritt aus dem Verein und der DPV nahegelegt worden. Die „rechtspopulistische“ Partei AfD stehe im „diametralen Gegensatz zu den Werten der Psychoanalyse“, heißt es in einem der Schreiben an Schimpf, das der GAZ vorliegt. Die Psychoanalyse stehe für die Freiheit des Individuums und mache keinen Unterschied zwischen Hautfarbe, Religionszugehörigkeit und sexueller Orientierung. Dagegen mache die AfD Stimmung gegen Flüchtlinge und Muslime und wolle Deutschland „gegen alles Fremde abschotten“, heißt es in dem Brief weiter.

Beachtung für ihr antidemokratisches Ansinnen erhielten die Damen und Herren aus den Reihen der DPV durch das selbsternannte Dokumentationsarchiv „FCK AfD“:

(Bild: Screenshot)
FCK AFD und die DPV im antidemokratischen Meinungskonsens (Bild: Screenshot)

Schritt gut überlegt

Der Arzt und AfD-Vorstand bestätigte laut der GAZ das Hintertreiben aus der DPV. Mitte April sei sogar eine außerordentliche Mitgliederversammlung anberaumt worden, bei der über seinen Fall gesprochen werden soll. Mitglied in der AfD sei er bereits seit rund drei Jahren, die Übernahme des Vorstandspostens habe er sich wegen der öffentlichen Wirkung gut überlegt. „Wer täte das nicht“, so der Arzt.

Eingetreten in die AfD sei er seinerzeit, weil er mit der Politik der Euro-Rettung nicht einverstanden gewesen sei. „Ich unterschreibe nicht alles, was in der AfD gesagt und geschrieben wird, aber man soll doch nicht so tun, als sei das die Nachfolgeorganisation der NPD. Das Wesen rechtsextremer Parteien ist mir zutiefst fremd“, betonte Schimpf. (SB)

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