Flughafen BER: Abrissbirne oder nicht?

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Wie die Zeit vergeht! (Foto: Pixabay)

Berlin In Berlin kursieren Gerüchte über einen bevorstehenden Abriss der Gebäude auf dem Gelände des Steuermilliardengrabs BER.

Öffentlich geworden war eine Äußerung des Lufthansa-Vorstands Thorsten Dirks. „Das Ding wird abgerissen und neu gebaut.“ Seine Äußerung sei in vertrauter Runde gefallen, zitiert der „Spiegel“ die FAS.

Derzeit müssen bereits 750 Monitore ausgetauscht werden, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, bevor je ein Fluggast einen Blick auf sie geworfen hätte. Dafür werden 500.000 Euro fällig. Das sind aber Kleinigkeiten. Richtige Probleme gibt es mit dem Passagierbereich, dem Herzstück des peinlichen Großprojekts.

Reinhold Johrendt, Architekt und Professor für Bauökonomie an der Hafencity Universität Hamburg (HCU), wirft in der Abrissdebatte ein, daß nach der reinen Lehre ein Abriss dann in Betracht kommt, wenn der Zweck des Bauvorhabens vermittels Bautätigkeit nicht verwirklicht werden kann. Das Großprojekt BER hätte ursprünglich einmal innerhalb einer gewissen Frist zum Flughafen werden sollen. Als neuer Eröffnungstermin wird nun der Oktober des Jahres 2020 genannt. Bis dahin ist BER auf jeden Fall kein Flughafen, sondern eine Baustelle. Baustellen erfüllen den Zweck eines Flughafens nicht.

Es gebe einen Zeitpunkt, so Johrendt, an dem man sich überlegen müsse, ob man nicht günstiger fährt, wenn man alles zurück auf Null setzt und neu anfängt. Im Falle des geplanten Flughafens BER verliere sich dieser Zeitpunkt aber bereits in den Nebeln der Vergangenheit. Millionen über Millionen seien im Milliardengrab versenkt worden, seitdem dieser Zeitpunkt überschritten worden ist. Von ursprünglich 2 Mrd. veranschlagter Kosten sei man inzwischen bei  6,6 Mrd. angelangt.

Aus einem ganz anderen Grund sei man aber inzwischen darauf angewiesen, den Flughafen pünktlich bis zum St. Nimmerleinstag fertigzustellen: Hochtechnologiegebäude wie einen Flughafen kann man nicht einfach abreißen, sondern man muß sie zurückbauen. Das geht nicht wesentlich schneller als der Aufbau. Je weiter fortgeschritten das gescheiterte Projekt, desto langwieriger auch der Rückbau. Zeit jedoch ist das Letzte, was man in Berlin nach der x-ten Eröffnungsverschiebung noch hat.

Kaum eines der veralteten Bauelemente würde außerdem bei einem Neuaufbau wiederverwendet werden. Daß man sich nicht schon am „Point Of No Return“ für einen Abriß entschieden habe, verteure die ganze mißliche Angelegenheit erheblich, so Prof. Johrendt. Weiter: Die gegenwärtige, schier aussichtslose Lage sei dem Umstand geschuldet, daß ein Abriß einer ungeheuren Blamage der Verantwortlichen gleichkäme.

Tatsächlich hat allein schon aus diesem Grund zu keinem Zeitpunkt die Aussicht auf einen schadensminimierenden Abriss bestanden. (ME)

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