Algerien: Regierung geht zunehmend gegen christliche Aktivitäten vor

(Symbolbild: shutterstock.com/Durch David Dennis)
Kirchenruine (Symbolbild: shutterstock.com/Durch David Dennis)

Schließung von Kirchen, Anweisungen zur Einstellung jeglicher Aktivitäten, Gerichtsverfahren wegen missionarischer Tätigkeit („Proselytismus“): Die Protestantische Kirche Algeriens (EPA) hat am 8. März eine Deklaration veröffentlicht, in der sie sich gegen derartige Maßnahmen der Regierung zur Wehr setzt. Beobachter äußerten bereits Anfang des Jahres Befürchtungen hinsichtlich einer möglichen Kampagne gegen die christliche Gemeinschaft Algeriens, so der Bericht von Open Doors. 

„Wir, die Evangelische Kirche von Algerien (EPA), bringen unsere große Besorgnis über die Schließung vieler ihrer Gotteshäuser durch die Behörden zum Ausdruck und verurteilen Einschüchterungen jeglicher Art, denen ihre Mitglieder und die ihr angeschlossenen Gemeinschaften derzeit ausgesetzt sind“, beginnt die Erklärung der EPA.

Kirchensprecher: Die Kirche soll zum Schweigen gebracht werden

Der algerische Minister für religiöse Angelegenheiten, Mohamed Aissa, erklärte in einem TV-Interview, Anlass für die Schließungen seien lediglich Sicherheitsmängel an den Gebäuden gewesen. Als Beispiel nannte er unter anderem nicht vorhandene Notausgänge, aber auch das Fehlen einer deutlichen Beschilderung, um die Kirchen als Anbetungsstätten zu kennzeichnen. Dies sei erforderlich, „damit die staatlichen Behörden den Ort schützen können“.

Ein Sprecher der Evangelischen Kirche von Algerien merkt an: „Die Regierung setzt einfach das Gesetz von 2006 um, das nichtmuslimische Gottesdienste regelt. Dieses schwebt wie ein Damoklesschwert über den Kirchen. Mit diesem Rechtsinstrument bringt die Regierung die Kirche zum Schweigen. Der Zweck dieses Gesetzes ist es, die Aktivitäten der Kirchen einzudämmen und zu kontrollieren.“

Das Gesetz schreibt vor, dass vor der Nutzung eines Gebäudes für nichtmuslimische Gottesdienste eine behördliche Genehmigung eingeholt werden muss und dass solche Gottesdienste nur in Gebäuden durchgeführt werden dürfen, die speziell für diesen Zweck vorgesehen sind. In der Praxis haben die Behörden jedoch auf nahezu keinen entsprechenden Antrag reagiert.

Open Doors bewertet das Vorgehen anders

Maxime*, leitender Mitarbeiter von Open Doors für die Region Nordafrika, bewertet das Vorgehen anders: „Wenn die Regierung sagt, dass sie sich um die Sicherheit der Kirchengebäude sorgt, sagt sie, dass sie sich um die Kirche sorgt. Aber wenn sie sich wirklich um die Kirche sorgen würde, würde sie Lösungen vorschlagen.“

Von den 41 Millionen Einwohnern Algeriens sind ca. 68.500 Christen. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert das Land aktuell auf Platz 42 (Vorjahr: 36) unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden. (Quellen: World Watch Monitor, Open Doors) (SB)

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