Berlin fürchtet die Italopopulisten

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Don Alphonso ist nach seiner Scheidung von der FAZ erwartungsgemäß wieder aufgetaucht. In Döpfners WELT hat er die Leserschaft heute erst mal mit seinem Fahrrad bekanntgemacht, welches das FAZ-Publikum schon bis zur letzten Speiche kannte. Und mit der Toskana. Der blanke Zufall hats gewollt, daß er mit der Tochter der frischgebackenen italienischen Senatspräsidentin auf Tour war, um beiläufig irgendeinen Edelkäs zu mampfen und leckeren Wein zu schlürfen. Ja, was der Don mit dem Rad an Benzin spart, das verfrißt und vertrinkt er regelmäßig. Ein Lebemann. Seis drum.

Von Wolfgang Prabel

Der Don hat mich also drauf gebracht, mal nachzusehen, was in Camera und Senato los war. Die Wahl der beiden Parlamentspräsidenten ist ja doch ein Hinweis darauf, welche Regierungsbildung sich in Rom abzeichnen könnte. Ich habe diese Formulierung bewußt vorsichtig gewählt, denn ich berichte hier über Italien. Selbst in Germania ist ja inzwischen nichts mehr sicher. Der Don als gestandener Italienkenner hatte die Wahl pointierend zugespitzt so erklärt:

„Die italienische Senatspräsidentin kommt übrigens von der Partei des Wahlverlierers Berlusconi, und verdankt ihren Posten einem Geschacher mit den ansonsten tödlich verfeindeten Politikern des Movimento 5 Stelle. Aber das ist Italien und es ist hier keine Unehre, in Fehden und Intrigen schnell einmal die Seite zu wechseln, wenn man anderen Gegnern mehr schaden kann. Im Gegenteil, das ist gelebte Tradition, schon die Renaissance gedieh prächtig in diesem Klima der Gewissenlosigkeit und gentilen Prachtentfaltung.“

Immerhin 240 von 315 Senatoren hatten Maria Elisabetta Alberti Casellati gewählt, also fast alle Senatoren der 5 Sterne und des rechten Zentrums. Sie wurde am 12. August 1946 in Rovigo geboren und wohnt in Padua. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Universität von Ferrara und Kirchenrecht an der Päpstlichen Lateranuniversität; sie ist in der Kammer der Rechtsanwälte von Padua registriert.

Zum Ausgleich wurde am selben Tage Roberto Fico von den 5 Sternen zum Kammerpräsidenten gewählt. Mit 422 von 630 Stimmen. 476 Sitze haben die 5 Sterne und das rechte Zentrum in der Camera, dem Abgeordnetenhaus. Es hat also ein Paar Abweichler gegeben, was in Bella Italia jedoch der Normalzustand ist.

Fico wurde 1974 in Neapel geboren, studierte Kommunikationswissenschaften an der Universität Triest mit dem Schwerpunkt Massenkommunikation. Vor seinem politischen Aufstieg arbeitete er hauptsächlich im Kommunikationssektor, einschließlich Pressebüros, aber auch als Angestellter in einem Hotel, Manager für einen internationalen Reiseveranstalter, Importeur von Stoffen aus Marokko und ein Jahr lang als Angestellter in einem Call-Center. Im Vergleich zu deutschen Abgeordneten der Grünen und Linken hat er einen bewegten beruflichen Hintergrund. Er müßte die Sorgen und Nöte des Volkes kennen.

Die deutsche Mainstreampresse und das Lügenfernsehen haben von dieser Weichenstellung der italienischen Politik noch nicht berichtet. In den Redaktionsstuben muß angesichts des Techtelmechtels zwischen den 5 Sternen und den Rechten die schiere Verzweiflung herrschen. Alles Populisten, und die werden sich auch noch einig. Zum Schluß könnten die noch eine Regierung bilden. Magari. Vielleicht…

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