Abrechnung mit CICERO: Die Schreibtischtäter

Beim Handelsblatt gilt die Meinungsfreiheit des Verlegers

Nein, die Macher des CICERO-Magazins treten nicht der „Gemeinsamen Erklärung 2018“ der Intellektuellen gegen die Asylpolitik der Bundesregierung bei – sie nicht. Schließlich sollen die Chefredakteure weiterhin zu abendlichen Talkshows eingeladen werden. Und das hat seinen Preis: Ab und an politisch korrekt gegen Dissidenten austeilen – aber so richtig!

Von Alexander Heumann

Mal gegen die AfD, mal gegen besorgte Bürger, mal gegen Aktivisten.

Manchmal greift man sich auch einen einzelnen besorgten Rechtsanwalt wie mich heraus und stellt ihn gesondert an den Pranger. Argumente braucht es dazu nicht. Das Medien-Fallbeil kann sich mit Worten wie diesen begnügen:

„Heumann war in der AfD, hat die Partei aber verlassen, nicht, weil sie ihm suspekt geworden wäre, sondern weil ihm die damalige Führung in NRW, die um Frauke Petrys Mann Marcus Pretzell, zu lasch erschien. Auch er hat bei Dügida, dem Pegida-Ableger in Düsseldorf, Reden gehalten, der NDR zeigte es in einem kleinen Beitrag. Und das ist nun das allgemeine Dilemma: Jenes Rendsburger Aufbegehren ist verbunden mit einem in der Öffentlichkeit desavouierten Mann und hat dadurch selber einen Ruch, denn wenn es so einer ist, der die Sache vorantreibt, kann es sich nur um eine verwerfliche Sache handeln, oder nicht?“

Ganz abgesehen davon, dass ich die AfD aus anderen Gründen verließ, als der Cicero zu wissen meint: Welche Sache ist „verwerflich“? Die anwaltliche Vertretung eines Vaters im ´Rendsburger Schulschwänzer-Fall´, der einen Bußgeldbescheid erhielt, weil sein Sohn den Moschee-Besuch seiner Klasse schwänzte? „Reden bei Dügida“? Oder ganz allgemein Protest gegen die Islamisierung Deutschlands?

Fast hat es den Anschein, als würde ausgerechnet ich für eben diese Islamisierung verantwortlich gemacht, jedenfalls für das „allgemeine Dilemma“, das der CICERO in diesem Zusammenhang sichtet: „denn wenn es so einer [sic] ist, der die Sache vorantreibt, kann es sich nur um eine verwerfliche Sache handeln, oder nicht?“

Was konkret mich zu „so einem“ macht, bleibt im Dunklen. Ebenso der Grund für die offenbar abgrundtiefe Verachtung, die Cicero-Autor Birk Meinhard zum Ausdruck bringt. Das ist auch taktisch klug: Irgendetwas bleibt schon hängen, wenn die Nazikeule hinterrücks niedersaust. Würde Meinhard Gründe nennen, müsste er sich einer Diskussion stellen, dieser feige Spezialdemokrat, womöglich einer öffentlichen.
Er mag Schriftsteller-Preise eingeheimst haben, aber auf dem Gebiet, auf das er sich mit seinem pseudo-islamkritischen Artikel „Stille Duld“ wagte, kann er mir nicht das Wasser reichen. Er tat also gut daran, einer Diskussion aus dem Weg zu gehen, als er die Möglichkeit dazu hatte. Als er eine Stunde bei mir zu Gast war, zum Interview bei Kaffee und Wasser. Da hat er keine Einwände oder Kritik geäußert. Er zog es vor, mir hintenherum das Messer in den Rücken zu jagen. Als er wieder heimtückisch grinsend vor seinem Laptop saß. Was für eine charakterliche Mißgeburt!

Cicero-Hetze gegen Vera Lengsfeld

Jetzt also wieder Cicero-Hetze ad personam. Diesmal gegen die Initiatorin der „Gemeinsamen Erklärung“, Vera Lengsfeld: Sie sei „im Getümmel wutschnaubender Mitbürger gelandet.“
Na und? Was, wenn die „wutschnaubenden Mitbürger“ im Recht sind? Oder spielt das keine Rolle mehr? Die Antwort des Cicero: Doch – aber nicht, wenn gegen höhere Gebote des guten Stils verstoßen wird!

Lengsfeld hätte dadurch, dass jetzt sogar ganz normale Wutbürger unterschreiben dürfen, „der Petition jedes Gewicht genommen“.  Wegen der Wut. Wer Widerstand gegen die Herrschaft des Unrechts leistet, setzt sich allein wegen seiner Emotionen ins Unrecht? Ist das nicht eine einfältige Argumentation für ein auf Seriosität bedachtes Debattenmagazin? Mir jedenfalls ist zorniger Klartext allemal lieber als rhetorisch eloquenter Unsinn. Zumal intellektuelle Unterbelichtung nicht dadurch besser wird, dass sie „in ganzen Sätzen“ daherkommt, wie H. Broder die „gute Rednerin“ Kathrin Göring-Eckhardt trefflich rügte (für ihr Statement: „Wir bekommen Menschen geschenkt. Durch die Zuwanderung wird Deutschland jünger, bunter, auch religiöser.“)

Halt! Da kommt ja noch ein Sachargument des Cicero:
Die gemeinsame Erklärung ließe „außer Acht, dass es inzwischen wirklich keine Massen mehr sind, die über die deutsche Grenze tröpfeln.“ (Das wurde vermutlich in der Tagesschau behauptet, ganz klar!)
Wie bitte? Allein an der Bayrisch-Österreichischen Grenze „tröpfeln“ monatlich ca. 15.000 Asylbewerber herein. Das macht 180.000 Neuankömmlinge, eine mittelgroße Stadt – jedes Jahr. Nicht zu vergessen die ´grünen´ Grenzen, die gar nicht oder nur halbherzig kontrolliert werden – schon wegen Personalmangels. Hinzukommt der Familiennachzug zu „anerkannten Flüchtlingen“ und „Härtefällen“ (die zusätzlichen 12.000 Nachzügler zu den „Subsidiären“ pro Jahr, um die wochenlang Poltit-Theater inszeniert wurde, lasse ich jetzt mal unter den Tisch fallen – geschenkt!). Aber obendrein noch die „Umsiedlungs“-Beschlüsse von EU und/oder UNO zur Schaffung „legaler Fluchtrouten“ aus „humanitären Gründen“.

Dennoch erklärt der Cicero im Subtext: Keine Flüchtlingsflut – nirgendwo. Niemand hat die Absicht zur Umvolkung. Das sind Verschwörungstheorien. Gehen Sie bitte weiter, wenn Sie so etwas hören. Und was den Islam angeht, hält das Magazin das höchste Gebot der politischen Korrecktness ebenso tapfer hoch, wie ARD und ZDF: Betrachtet man ihn feinsäuberlich getrennt vom „still geduldeten“ Islamismus, wird alles gut! Wir schaffen das!

https://www.cicero.de/erklaerung-2018-unterzeichner-unterschreiben-vera-lengsfeld-uwe-tellkamp-identitaere-bewegung

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