Herr Schuster, Sie ernten eine Frucht, die ihre Vorgänger kultiviert haben”

Foto: Imago
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Offener Brief an den Präsidenten des Zentralrates der Juden Dr. Josef Schuster zum Thema „Muslimischer Antisemitismus“

Sehr geehrter Herr Dr. Schuster,

Mit großem Interesse und zugleich Erstaunen, habe ich im Domradio ihre Besorgnis über den Anstieg des Antisemitismus gelesen. Unter der Überschrift „Neue und erschreckende Dimension“ berichtet die katholische Medienplattform, dass Sie eine „neue Generation von Antisemiten in Deutschland heranwachsen sehen“. Weiterhin kommen Sie laut einem Interview mit der „Passauer neuen Presse“ zu dem Schluss, dass die „Zuwanderung von Muslimen“ der Hauptgrund für diese Entwicklung ist. „Leider seien unter diesen, zahlreiche antijüdische Ressentiments vorhanden“.

Was mich erstaunt ist der Zeitpunkt mit der Sie mit dieser an Binsenweisheit grenzenden Erkenntnis an die Öffentlichkeit treten. Auf welchem Planeten oder besser in welchem Paralleluniversum haben Sie und andere jüdische Intellektuelle in den letzten zehn Jahren gelebt? Bereits vor der Masseneinwanderung sogenannter muslimischer Schutzsuchender haben die Angriffe auf Juden in Deutschland ein erschreckendes Ausmaß angenommen. So wurde 2014 der Offenbacher Schulsprecher Max Moses Bonifer von Muslimen mit dem Tod bedroht, so dass er aus Protest vorzeitig sein Amt aufgab. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte er:

„Die antisemitischen Anfeindungen passierten auf offener Straße und in Untertönen. Das ging einher mit einem wachsenden Salafismus bei Schülern und Schülerinnen in Offenbach. Als mir von zwei arabischstämmigen Jugendlichen mit Mord gedroht wurde, war bei mir die Grenze erreicht. Sie beleidigten mich und schmähten. Sie spuckten mich an und sagten: “Pass auf, wir töten dich und dein Volk.”

Ein Jahr zuvor wurde der Rabbiner Mendel Gurewitz gleichfalls in Offenbach im dortigen Einkaufszentrum von einer Gruppe arabischstämmiger Jugendlicher angergriffen. Sogar das dortige Sicherheitspersonal schlug sich auf die Seite der Aggressoren und bedrängte den Rabbiner, um die Handyaufnahmen von den Tätern zu vernichten.  Anschließend ließen sie zu, dass der muslimische Mob den jüdischen Gelehrten bis auf die Straße verfolgte. Vergleichbares passierte in Deutschland das letzte mal 1933.

2014 zogen mehrere Tausend Demonstranten der „neuen Generation von Antisemiten“ mit dem Schlachtruf „Tod Israel“ durch Frankfurt und demonstrierten ihre geballte Macht. Daraufhin hat sogar die jüdische Gemeinde Frankfurt den „Rat der Religionen“ verlassen, unter anderem weil muslimische Organisationen ihre Unterstützung im Kampf gegen den Antisemitismus versagten:

Fazit: es gibt keine „neue und erschreckende Dimensionen“ des Antisemitismus, sondern alte, nicht weniger erschreckende Dimensionen des Wegschauens, Verdrängens und reflexartigem Verleugnen der Ursachen.

Sie fordern die islamischen Verbände auf „endlich in den eigenen Reihen dafür zu sorgen, dass Imame nicht mehr predigen dürfen, wenn sie zu Hass aufrufen“.

Lieber Herr Schuster! Glauben Sie allen Ernstes die muslimischen Verbände, würden einen anderen Islam vertreten als der Querschnitt der zu 90 Prozent antisemitisch eingestellten muslimischen Bevölkerung, von den Salafisten ganz zu schweigen? Glauben Sie wirklich, führende Vertreter der islamischen Gemeinden hätten eine andere Meinung über Israel, den Juden und jüdischen Gemeinden, als eine normale muslimische Durchschnittsfamilie, die schon den Kleinsten den Hass auf Juden und den Staat Israel einbläut?  Glauben Sie, dass alle interreligiösen Gespräche der letzten Jahre etwas zum gegenseitigen Verständnis und friedlichen Miteinander beigetragen haben??

Was mich jedoch am meisten wundert, ist der seltsame Spagat zwischen der Erkenntnis, dass muslimische Einwanderer Antisemitismus und Homosexellen-Feindlichkeit nach Deutschland importieren und deshalb Obergrenzen erforderlich sind (Wikipedia – Brief an Merkel), und ihrem unreflektierten Zorn auf die einzige Partei, die konsequente Obergrenzen einfordert. Erst vor wenigen Tagen griffen Sie in einem ZEIT-Interview (keine Vereinnahmung der Juden durch die AfD) die Oppositionspartei scharf an und bezichtigten sie einer Nähe zur NSDAP, obwohl es – bis auf wenige Ausnahmen – viele Mitglieder in dieser Partei gibt, die im Gegensatz zur SPD und den Grünen, den wachsenden Antisemitismus mit gleicher Sorge wie Sie beobachten und immer vorbehaltlos hinter dem Staat Israel gestanden haben.

Sie setzten damit die Tradition früherer Zentralratsvorsitzender fort, genau auf die Leute einzudreschen, die lange vor Gründung der AfD in Sachen Islamisierung und Antisemitismus den Finger in die Wunde gelegt haben. So hat ihr Vorgänger Graumann den größten Kritiker einer muslimischen Parallelgesellschaft Thilo Sarrazin in Bausch und Bogen verdammt und als „NS-Rassenlehre-Anhänger“ verunglimpft, nur weil er rhetorisch etwas ungeschickt die Unterschiede verschiedener Volksgruppen andeutete. Er stellte sich damit hinter jene, die genau aus ihrer angeborenen Mentalität heraus ihren Gemeindemitgliedern ins Gesicht spucken. Ein solch krankes Verhalten nennt man Stockholmsyndrom. Sympathie mit dem Aggressor.  Man verteidigt die, die einen verfolgen und tritt jenen in den Hintern, die einem eigentlich helfen wollen. Nicht anders verfuhr Exkollege Michael Friedmann in der sogenannten „Leitkulturdebatte“ als er zu Jahrtausendwende der CDU in den Rücken fiel. Dabei soll die „Leitkultur“ nichts anderes sein als ein Leitfaden für menschliches, demokratisches Miteinander auf der Basis von Toleranz, als Gegenmaßnahme gegen bereits damals vorhandene islamistische Parallelgesellschaften. Jene sind heute so stark, dass sie Juden, Christen und Andersdenkenden das Fürchten lehren.

Satt der Leitkultur, die Friedmann mit der Nazikeule zynisch kurz und klein schlug, haben wir heute eine „Leidkultur“, die ganze Stadtteile in No-Go-Areas verwandelt, die Frauen zu sexuellem Freiwild macht, zu Schlachtvieh von Ehrenmördern und Messerstechern. Nicht nur einer alten Jüdin in Paris wurde der Hals durchgeschnitten. Das gleiche passiert fast flächendeckend jeden Tag in irgendeiner Stadt. Von Flensburg, Kandel, Freiburg bis in die bayrische Provinz reicht die Blutspur.

Ihre Vorgänger und große Teile der jüdischen Intelligenz haben diese Schlange, die Sie heute beißt – die uns alle beißt, ja auffrisst, am eigenen Busen genährt. Sie ernten eine Frucht, die Ihre Vorgänger kultiviert haben.

Wer wie Friedmann meint, dass der „Islam zu Deutschland gehört“ und Seehofer kritisiert, der das in Frage stellt, oder die einzige Partei diskreditiert, die dem Islamismus Einhalt gebieten will, der muss auch akzeptieren, dass eine Sure zu Deutschland gehört, die das Schlagen von Frauen empfiehlt und das Verfolgen von Ungläubigen oder Andersgläubigen. Die Zwangsehen zum Standard erhebt und Homos für Vogelfrei erklärt.  Als praktizierender Arzt haben Sie sicherlich nach einer genauen Diagnose stets eine gute Behandlung eingeleitet. Im Fall des Antisemitismus fürchte ich, haben Sie die wahren Ursachen dieser Krankheit immer noch nicht erkannt, sonst würden Sie andere Behandlungsvorschläge machen und sich nicht als Bittsteller an jene wenden, die maßgeblich zu jener Entwicklung beigetragen haben. Als Arzt trägt man die Verantwortung für seine Patienten. Ob der “Patient Deutschland” in zehn Jahren noch frei atmen kann, oder wie die übel zugerichtete Frau aus Hannover und andere Opfer im Koma liegt, oder wie Mia oder Maria auf dem Friedhof, darüber können auch Sie entscheiden. Noch!

Ein gesegnetes Passahfest wünscht Ihnen

Klaus Lelek  

Quellen:

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-03/zentralrat-der-juden-josef-schuster-afd-vereinnahmung?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.mail.ref.zeitde.share.link.x

http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/a-102368.html

http://www.juedische-allgemeine.de/article/email/id/8563

http://sz.de/1.2203766

https://www.op-online.de/offenbach/taeter-rabbi-fall-gefasst-2949786.html

http://www.juedische-allgemeine.de/article/email/id/19879

„Neue und erschreckende Dimension“

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