Martin Schulz: „Das beschissenste Jahr meiner Karriere.“

Foto: Durch Drop of Light/Shutterstock
Endlich Nasebohren: Martin Schulz (Foto: Durch Drop of Light/Shutterstock)

Martin Schulz ist ein gebrochener Mann. Gramgebeugt sitzt er vor einem riesigen Berg von bunten Papierschnipseln und betrachtet angewidert seine Millionen. Sie bedeuten ihm nichts mehr. In gnadenlosem Selbsthaß senkt sich bedrohlich sein Daumen auf die Drucktaste des elektronischen Feuerzeugs ….“ –  so hätte es drinstehen können in der BILD. Stand es aber nicht. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Die BILD gibt einem SPIEGEL-Autoren Raum für die empathieheischende Beweihräucherung des menschlichen Menschen Martin Schulz. Das Jahr 2017 muß für Schulz schlimmer gewesen sein, als für den Baumüllers Gerch ein Abstieg des 1.FC Nürnberg, sinngemäß.

Gelitten habe Schulz wie der sprichwörtliche Hund, schreibt teilnahmsvoll SPIEGEL-Mensch Feldenkirchen, der zuvor schon mit seinen Gedanken zur Umbenennung von Bundeswehrkasernen beträchtliches Fühlvermögen unter Beweis gestellt hatte.

BILD: „Vom Höhenflug bis zum tiefen Fall – die vergangenen zwölf Monate haben dem Ex-SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz schwer zugesetzt.“

Man reiche mir das Taschentuch, bitte. Es ist alles so traurig.

Ende 2017 hatte Schulz noch keinen Frieden mit dem verkorksten Wahlkampf geschlossen, wie nun Journalist Markus Feldenkirchen vom „Spiegel“ erzählte.

Schulz haderte also. Da fällt meinemeinen ein, wie aus dem Wort „Lump“ das Wort „Haderlump“ entstanden sein muß. Sehr inspirierend, Mensch Feldenkirchen!

Schon da habe ihm Schulz gesagt: „Es war das beschissenste Jahr meiner politischen Karriere.“

Er wird doch wohl nicht Verlust gemacht haben als SPD-Vorsitzender und Kanzlerkandidat? Rote Zahlen auch auf dem Girokonto? – Schwer vorstellbar.

Doch es kam ja noch schlimmer: Nach den GroKo-Verhandlungen mit der Union musste er seinen Posten als SPD-Chef räumen und durfte auf innerparteilichen Druck nicht Außenminister werden.

Diese Schmerzen! Schlimmer noch als „am beschissensten“. Dieser innerparteiliche Druck! Wie stark muß ein Mann sein, um solches zu ertragen? – So stark wie Martin Schulz. An ihm wollen wir alle uns ein Beispiel nehmen zur je eigenen Stärkung in der Not.

Dies habe ihn noch mehr getroffen, sagte Feldenkirchen. „Die Häme darüber, dass er sich anmaßt, Minister zu werden, das hat ihn weitaus mehr deprimierter werden lassen als alle Rückschläge im Wahlkampf“, sagte Feldenkirchen in einem Podcast von „Spiegel Online“.

Feldenkirchen hatte Martin Schulz im Wahlkampf begleitet und ein Buch darüber geschrieben („Die Kampagne. Martin Schulz und die Sehnsucht nach einer ehrlichen Politik“).“

Ehrlich gesagt: Wenn es nicht mehr ist, als Häme, die Schulz einstecken muß, weil er nach fortgesetzten, hochbezahlten Wortbrüchen und Wendemanövern vom Hofe gejagt worden ist, dann kann er sich gratulieren, anstatt wehleidig zu lamentieren.

Wie aber wohl jemand gestrickt sein muß, der ein Buch über Schulz so betitelt wie der SPIEGEL-Mensch Feldenkirchen? Der würde ein Buch über Merkel doch glatt unter dem Titel rausbringen: Die Kanzlerin. Angela Merkel und die Sehnsucht nach einer liebreizenden Frau.

 

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