Männerstreik: Akademisierung als Liebestöter

Foto: Durch PHOTOCREO Michal Bednarek/Shutterstock
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Bei Freunden. Der Sohn, 22, kommt ins Zimmer, abgekämpft, glücklich. Gerade haben er und seine Mannschaft in letzter Sekunde ein Hockeyspiel gewonnen. Man spürt noch die Ekstase, den Jubel, die Lust an Wettkampf und Sieg. Freundliches Hallo, kurzer Bericht über Spiel und Triumph, dann entschuldigt er sich: Er müsse sich auf die morgige Vorlesung vorbereiten. Die Frage seiner Mutter, was aus dem hübschen Mädchen geworden sei, mit dem sie ihn kürzlich in der Stadt getroffen habe, beantwortet er schon im Gehen: „Sie wollte mit mir Germany’s Next Top-Modell sehen. Das war’s dann!“ Ein kluger Mann.

Von Nicolaus Fest

Tatsächlich gab es schon zu meiner Studienzeit einen Katalog frauenspezifischer Warnschilder, die jeden, der bei Sinnen war, sofort das Weite suchen ließen: Stofftiere. Exzentrisch gefärbte Haare. Psycholektüre. Ob auch Katzen dazuzurechnen seien, war beliebtes Thema beim sonntäglichen Kick. Die meisten hielten Katzen für den Ausdruck der soziopathischen Einstellung ihrer Besitzerinnen: Alles vom Versorger erwarten, nämlich Ansprache, Futter, Streicheleinheiten und Beseitigung des Drecks; aber nichts zurückgeben und immer auf Unabhängigkeit pochen. Heute gibt es, wie eben GNTM, noch weitere Gefahrgut-Zeichen. Dass viele Frauen keinen Partner finden, ist wenig überraschend.

Eben darüber hat die Amerikanerin Helen Smith ein Buch geschrieben. „Männerstreik“ (Edition Sonderwege) geht der Frage nach, warum 70% der amerikanischen, 60% der deutschen Männer im heiratsfähigen Alter nicht mehr bereit sind, den Katzenvater zu geben. Schon in der Ausbildung, so die Entwicklung in den USA, verabschiedeten sich viele Männer von höheren Ambitionen. Und das nicht aus intellektuellen Gründen, wie oft behauptet. Vielmehr würden sich auch Hochbegabte von College und Universität abwenden, weil sie die dortige Mischung aus Diskriminierungshysterie, Gender-Gefasel und feministisch manipulierten Leistungsprüfungen abstoße. Für Männer, die sich messen und besser sein wollten als ihre Konkurrenten, sei die heutige Universität längst ein lebensfeindliches Biotop; und der dort vorherrschende Frauentypus unter Aspekten der Familiengründung keine Verlockung. Anders als viele Akademikerinnen meinen, wirken intellektuelle Selbstüberschätzung, Veganismus plus Hypermoral nicht gerade anziehend. Warum also einen hochkompetitiven Job als Anwalt, Manager oder Broker anstreben, warum 70 Stunden und mehr pro Woche arbeiten, wenn der Lohn im Permanenz-Gejammer der Ehefrau liegt, die sich selbst als zu qualifiziert betrachtet, um ‚nur’ Kinder aufzuziehen? Nicht wenige Amerikaner würden daher der College-Ausbildung Lebwohl sagen und sich Handwerksberufen zuwenden – einem der letzten Refugien des reinen Leistungsgedankens.

Zudem hätte sich, so Smith, in den letzten Jahrzehnten auch rechtlich die Situation deutlich zulasten der Männer verschoben. Gegenüber behaupteten Sexualdelikten sei die Unschuldsvermutung so gut wie abgeschafft, einvernehmlicher Sex könne auch im nachhinein von der Frau als ungewollt deklariert werden, und bei der Jobsuche hätten weiße Männer aus Gründen der ‚positiven Diskriminierung’ bei allen öffentlichen oder ihnen nahen Arbeitgebern keine Chance. Hinzu komme die systematische Benachteiligung von Männern beim Unterhalts- wie Sorgerecht sowie die Gefahr, im Falle der Scheidung mit Vorwürfen des Kindesmißbrauchs überzogen zu werden – ein im übrigen auch in Deutschland nicht seltenes, für Frauen allerdings gefahrloses Phänomen. Nach einer Studie des bayrischen Landeskriminalamts werde in solchen Fällen so gut wie nie ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung eröffnet.

Die Ausführungen von Helen Smith sind lesenswert. Doch den Höhepunkt des Buches bildet der brillante, knapp 70-seitige Essay von Thomas Hoof. Seiner Ansicht nach ist der Feminismus eine Blüte des petrolischen Zeitalters, der fast unbegrenzten Verfügbarkeit von Energie – und mit ihm werde sie auch verblühen. Erst die energetische Exploitation der Welt, erdacht und umgesetzt allein von Männern, schuf für Frauen die Möglichkeit, sich von Versorger und Beschützer zu lösen. Wo es keinen Überfluß an Energie gibt, wo noch Holz gesammelt oder Kohle geschürft werden muss, gibt es auch heute keinen Feminismus. Insofern ist die Emanzipation der Frau vom Weibe, später dann irrigerweise auch vom Mann, eine Frage billigen Erdöls. Wenn Grüne so CO2-bewusst leben wollen, wie sie oft propagieren, werden sie sich mit dem Patriarchat abfinden müssen.

Um der so lohnenden wie amüsanten Lektüre nicht vorzugreifen, hier lediglich drei längere Zitate, die Duktus und Richtung zeigen. Dass Hoof zudem den schönen, leider aus der Mode gekommenen Begriff des Bekakelnsreanimiert, sei ihm hier gedankt.

Die schlichteste Feststellung, dass die männliche Überlegenheit selbstverständlich auch bei intellektuellen Leistungen gegeben sei, provoziert regelmäßig die entsetzte Antwort: „Aber hallo, wir sind im 21. Jahrhundert!“ – so als entscheide das Datum, an dem eine empirisch gewonnene Erkenntnis betrachtet wird, über ihre Richtigkeit. Es handelt sich hier um ein Urteil aus den denkbar umfangreichsten Erfahrungsdaten: Der gesamten Menschheitsgeschichte. Alle erwähnenswerte technischen, wissenschaftlichen, philosophischen, literarischen und musikalischen Leistungen kamen von Männern. Der australische Philosoph David Stove hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass es bei so umfangreichen Material völlig legitim sei, von den Leistungen auf die Leistungsfähigkeit zu schließen. Das aber heißt: Hochbegabung ist männlich. Hochleistung ist männlich.

Eine der seltsamsten Schrullen der genderistischen Propaganda ist die stehende Rede von der höheren „Teamfähigkeit“ der Frauen, die, wohlgemerkt, behauptet wird gegenüber dem Geschlecht, das der „Mannschaft“ den Namen gab und seit Ewigkeiten darin geübt ist, sich in Kampf- und Jagdgruppen, Scharen, Schwärmen und Horden temporär zusammenzuschließen.

Bei den Einkünften aus selbständiger Arbeit unterschreiten die durchschnittlichen Brutto-Monatseinkommen von Frauen diejenigen von Männern um 42%. Niedergelassene Ärztinnen haben seit 20 Jahren stabil nur etwa sechzig Prozent des Einkommens ihrer männlichen Kollegen. (…) Deutlich wird: Wo Frauen beruflich nicht unter der Patronage eines Tarifvertrages oder firmeninterner „Grundsätze zur geschlechtergerechten Gehaltsgestaltung“ stehen, sondern ihr Einkommen in eigener Verantwortung und gegen Leistungsmessung erzielen müssen, fallen sie in eine Lücke, die weit tiefer ist als der vielbeklagte „Gender Pay Gap“ bei den Lohneinkommen…

Wandere aus, solange es noch geht!
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