Vorzeitiger Todesfall – Die westlichen Länder befinden sich längst im Kriegszustand

Foto: Screenshot/Youtube
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Wieder ein islamischer Terroranschlag in Europa. Wieder arglose Opfer eines fanatisierten Moslems. Ein Polizist, der sich unbewaffnet gegen eine weibliche Geisel austauschen lässt und das mit seinem Leben bezahlt. Wieder ein weiterer vorzeitiger Todesfall. Wann endlich werden die westlichen Politiker begreifen, dass wir uns längst im Kriegszustand befinden, fragt Archi W. Bechlenberg.

Ein Gastbeitrag von Archi W. Bechlenberg, übernommen von juergenfritz.com

Zum Glück war der islamische Terrorist alleine unterwegs

Ich kenne sie gut, diese kleinen Supermärkte, die sich meist am Rand aller etwas größeren Ortschaften in Frankreich angesiedelt haben. Sie heißen Carrefour und Intermarché und Casino und SuperU und Ecomarché und anders. Man bekommt dort alles zum täglichen Bedarf und manches darüber hinaus. Größere Orte mit größerem Einzugsgebiet haben entsprechend größere Märkte, in denen man sich durchaus einen halben Tag aufhalten kann. Im Eingangsbereich ist meist ein Bistro mit preiswertem Mittagsmenu, daneben der Zeitungsladen und daneben noch ein Friseur. Draußen gibt es reichlich Parkplätze und nahezu jeder der Märkte, auch die kleinen, haben eine Tankstelle, an der sich wegen der günstigeren Preise oft lange Schlangen bilden. In den Kleinstädten sind diese Supermärkte beliebte Treffpunkte, nicht nur für die Bewohner des Ortes selber, sondern auch aus dem Umland.

Seit zwei oder drei Jahren klebt an einem auch von mir ab und zu besuchten Markt in einer Nordfranzösischen Kleinstadt ein großes gelbes Plakat neben der Eingangstüre. Und gewiss nicht nur an diesem Markt. Es enthält Hinweise in Wort und Bild, wie man sich im Falle eines Terrorüberfalls verhalten sollte. Ich kann mich nicht im Detail an die Anweisungen erinnern, im Ernstfall würden sie auch wenig nützen. Viele dieser Läden sind nicht besonders groß, Versteckmöglichkeiten gibt es so gut wie keine, und spätestens, wenn es mehrere Täter sind, ist die Chance, ihnen zu entkommen, gleich Null.

Der SuperU in Trèbes ist einer dieser Märkte. Viel Parkfläche ringsum, gut erreichbar an einer schnurgeraden Durchgangsstraße gelegen und somit eine sichere Investition für das Mutterunternehmen. An seiner Tankstation kann man Flaschengas kaufen, und in einem kleinen Gebäude daneben kann man 24 Stunden am Tag seine Wäsche waschen und trocknen lassen. Ich schätze die umbaute Fläche dieses SuperU auf etwa 600 bis 800 qm, inklusive Lager und sonstigen Nebenräumen. Damit ist er einer von mittlerer Größe, was wohl dazu beigetragen hat, dass eine Reihe von Kunden sich verstecken oder nach draußen entkommen konnten. Aber auch das dank der Tatsache, dass der islamische Terrorist alleine unterwegs war.

Lieutenant-Colonel Arnaud Beltrame hatte gewusst, dass der Terrorist bereits Menschen getötet hatte an diesem Morgen

Als Lieutenant-Colonel Arnaud Beltrame sich am Morgen des 23. März von seiner Frau verabschiedete, war es das letzte Mal. Bertrame, 45 Jahre alt, war ein erfahrener, tapferer Mann, der bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. 2005 diente er als Soldat im Irak, und im Dezember 2017 nahm er als Kommandant an einer Übung teil, bei der ein Terrorangriff auf einen Supermarkt in Carcassonne und dessen Bekämpfung simuliert wurde.

Als Arnaud Beltrame am Freitagvormittag am SuperU in Trèbes ankam, hatte der islamische Terrorist bereits drei Menschen getötet, einen Autofahrer sowie einen Kunden und einen Angestellten. Unschuldige, arglose Opfer eines fanatisierten Moslems; für den Angestellten war es ein Arbeitstag wie jeder andere mit Aussicht aufs nahe Wochenende, für den Kunden war es vielleicht nur ein kurzer Halt. Der Terrorist hatte darüber hinaus im Laden Geiseln genommen, und Bertrame ließ sich unbewaffnet  gegen eine weibliche Geisel austauschen. So viel man in der kurzen Zeit bis heute über ihn erfahren konnte: er wird keine Sekunde überlegt haben, welche Konsequenzen das für ihn haben könnte; er sah es einfach als seine Pflicht an, Menschenleben zu retten, und koste es das seine. Dass diese Möglichkeit real bestand, dürfte ihm bewusst gewesen sein, es gab ja bereits Tote an diesem Morgen.

Sie oder ich können die nächsten Opfer sein

Arnaud Beltrame sieht freundlich aus auf seinen Bildern. Man hat keinen Zweifel: er war Polizist, weil er Menschen vor Unheil und Kriminalität schützen wollte. Die drei anderen, bisher namenlosen Opfer des islamischen Anschlags waren sicher auch freundliche Menschen. Sie lebten in einer wunderschönen, provinziellen Gegend, in der außerhalb der Feriensaison kaum etwas los ist. Im großen Stil wird hier Wein angebaut, es ist nicht weit bis zum Mittelmeer, und die Bilderbuchstadt Carcassonne ist nur ein paar Kilometer entfernt.

Dass sich der Anschlag hier, im ganz und gar ländlichen Frankreich ereignete, zeigt wieder einmal, dass es keinen Ort gibt, an man vor den Mördern im Namen Allahs sicher wäre. Man kann sich ohne viel Fantasie vorstellen, mit welchen Gefühlen überall im Land die Angestellten von Intermarché oder Carrefour  am Samstag zur Arbeit erschienen. Mit welchen Ängsten viele Kunden zwischen St. Omer im Norden und Tarascon-sur-Ariège im Süden ihre Wochenendeinkäufe erledigten. Heute, morgen, Mittwoch … Und machen wir uns nichts vor: Sie oder Sie oder ich können die nächsten Opfer sein. Vielleicht in der Warteschlange beim Bäcker oder an der Käsetheke. Dann sind wir, wie es in „Studien“ gerne ausgedrückt wird, „vorzeitige Todesfälle“. Nun gut; das sind Studien im Bereich „Quantifizierung von umweltbedingten Krankheitslasten aufgrund der Stickstoffdioxid-Exposition in Deutschland“ und nicht zum Thema „Islamischer Terror“. Wären die nicht langsam einmal angebracht? Mit realen und nicht bloß hypothetischen Opfern!

Ein einziger Terrorist genügt, um ein ganzes Land zu treffen

Es ist  nicht alleine der jeweilige Terroranschlag mit seinen unmittelbaren Opfern, es sind  die psychologischen Folgen solcher Taten und deren Auswirkungen. Von daher genügt ein einziger Terrorist, um ein ganzes Land zu treffen. Auf diese Weise werden Menschen immer verunsicherter und ängstlicher in ihrem täglichen Leben, und das schränkt nicht nur unsere Lebensqualität ein, sondern auch die derer, denen man eine fremde Herkunft ansieht, die aber im Leben nicht daran denken, den Ländern und Menschen, die sie als berechtigte Asylsuchende aufgenommen haben, zu schaden. Zudem nicht alle, die in den letzten Jahren hierher gekommen sind, Muslime sind. Auch sie spüren das Misstrauen bis hin zur offenen Ablehnung, und das darf nicht sein.

Seit zwei Jahren wurde der Täter von Trèbes laut Innenminister Gerard Collomb als potenzieller Gefährder „beobachtet“. Das kennt man doch irgendwo her. Man habe allerdings nicht damit gerechnet, dass er zu einer Terrortat fähig sei. Auch das klingt mehr als vertraut. Das traurige Ergebnis dieser – wieder einmal – Fehleinschätzung sind vier Tote, trauernde Hinterbliebene und ein erneut verwundetes Land. Das geführt wird von Politikern, die noch immer nicht begreifen wollen, dass sich die westlichen Länder im Kriegszustand befinden.

Nachtrag

Die Terrortoten von Carcassonne und Trèbes:

Jean Mazière († 61): Weinbauer aus Villedubert, der Nachbarstadt von Carcassonne. Er war der Insasse des Opel Corsa, den der IS-Mann Lakdim kaperte und wurde von diesem erschossen. Der Fahrer des Wagens war der portugiesische Staatsbürger Renato Silva, der den Kopfschuss des Dschihadisten überlebte, aber im Koma liegt. Silva ist erst 27 jahre alt.

Christian Medves († 49): Der Leiter der Filiale des Super U. in Trèbes, in der die Geiselnahme stattfand. Er wurde laut Zeugenaussagen vor den Augen seiner Mitarbeiter förmlich exekutiert. Medves war Vater zweier Töchter und obwohl er noch keine 50 war, bereits einmal Großvater. Als Filialleiter kannte ihn ganz Trèbes; er wird als lebensfroh, engagiert und sprühend vor Energie beschrieben.

Hervé Sosna († 65): Ein Bürger von Trèbes, der regelmäßig, zweimal pro Woche, den Super U. zum Einkaufen aufsuchte und dort gestern durch die Kugeln des Dschihadisten starb. Sein Halbbruder beschreibt ihn als einen sehr belesenen Mann mit einer großen Leidenschaft für Poesie.

Arnaud Beltrame († 45): Vielen bereits bekannt – der französische Polizist der Gendarmerie l’Aude im Rang eines Lieutenant-Colonel, der sich gegen eine weibliche Geisel austauschen ließ. Ladkim gab mehrere Schüsse auf ihn ab und verletzte ihn schwer. Beltrame erholte sich von den Verletzungen nicht mehr und erlag ihnen heute.

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Dieser Artikel erschien außerdem auf dem Blog des Autors Maaskaron.

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