Krieg auf Zypern?

Foto: Durch Kisov Boris/Shutterstock

Warum die Türkei die griechischen Inseln erobern will

 Obwohl die Türkei weiß, dass die Inseln rechtlich und historisch griechisch sind, wollen die türkischen Behörden sie besetzen und türkisieren, vermutlich um die Kampagne der Vernichtung der Griechen voranzutreiben, wie sie es in Anatolien von 1914 bis 1923 und danach getan haben.

 Von Thomas Schlawig

 Was sich derzeit zwischen Griechenland und der Türkei zusammenbraut ist nicht weniger brandgefährlich als das, was in Syrien passiert.  Bezeichnenderweise spielt die Türkei in beiden Fällen die Rolle des Aggressors mit dem Ziel Erdogans Kalifat zu vergrößern und in den Grenzen des osmanischen Reiches wiederherzustellen.

In diesem Punkt sind sich die regierende Justiz- und Entwicklungspartei (AKP) und ihre wichtigste Opposition, die Republikanische Volkspartei (CHP), völlig einig: Die Überzeugung, dass die griechischen Inseln besetztes türkisches Territorium sind und zurückerobert werden müssen. Diese Entschlossenheit ist so stark, dass die Führer beider Parteien offen damit gedroht haben, eine Invasion in die Ägäis durchzuführen.

Der einzige Konflikt zwischen den beiden Parteien in dieser Frage besteht im Wettbewerb, welche mächtiger und patriotischer ist, und welche von beiden tatsächlich den Mut hat, die Drohung gegen Griechenland auszuführen. Während die CHP die AKP-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdoğan beschuldigt, Griechenland in die Lage versetzt zu haben, türkisches Land zu besetzen, greift die AKP die CHP, die Gründungspartei der Türkei, an, weil sie es Griechenland erlaubt hat, die Inseln durch den Vertrag von Lausanne von 1924, die türkisch-italienischen Abkommen von 1932 und den Pariser Vertrag von 1947, der die Inseln der Ägäis als griechisches Territorium anerkannte, zu übernehmen.

2016 sagte Erdoğan, dass die Türkei die Inseln „verschenkt“ habe, die „uns gehörten“ und „in Rufweite sind“. „Dort sind immer noch unsere Moscheen, unsere Heiligtümer“, sagte er und bezog sich dabei auf die osmanische Besetzung der Inseln.

[…]  Angesichts der Tatsache, dass die Türkei 1974 brutal in Zypern einmarschiert ist, sollten die gegenwärtigen Drohungen gegen Griechenland – von beiden Seiten des politischen Spektrums der Türkei – nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Griechenland ist der Geburtsort der westlichen Zivilisation. Es grenzt an die Europäische Union. Jeder Angriff auf Griechenland sollte als Angriff auf den Westen behandelt werden. Es ist an der Zeit, dass sich der Westen, der angesichts der türkischen Gräueltaten schweigt, gegen Ankara wendet.

Das die Drohungen gegen Griechenland ein bedrohliches Maß erreicht haben, schrieb ZEIT Online am 27.05.2017:

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt haben Griechenland und die Türkei alte Kontroversen neu aufgelegt. Dogfights nennt sich das, was sich die türkische und griechische Luftwaffe täglich liefern: ein Kräftemessen zwischen gegnerischen Kampfflugzeugen; wie Hunde umkreisen sich die Jets, bis der Stärkere die Oberhand gewinnt. Diese Kurvenkämpfe, wie sie beim Militär heißen, finden immer dann statt, wenn das türkische Militär in den griechischen Luftraum eindringt. Seit diesem Jahr bis zu mehrere Hundert Mal täglich. In den vergangenen Jahrzehnten hatten sich diese Grenzverletzungen als eine Art professionelles Flugtraining etabliert.

Das es dabei zu wirklich ernsten Konflikten kommt, zeigt ein Vorfall, welcher schon länger zurückliegt, sich aber täglich neu zutragen kann.

Als es im Mai 2006 zu einem Absturz von Kampfjets nahe der Insel Karpathos kam, bei dem der griechische Pilot tödlich verunglückte, der türkische gerettet werden konnte, hielten die Regierungen beider Länder noch an der Verbesserung ihrer bilateralen Beziehungen fest. Ein Jahrzehnt später haben sich die Konstellationen grundlegend verändert. 

Anm.  Die Insel Karpathos rund 90 km von der türkischen Küste entfernt.

[…]Was diesen Streit jetzt gefährlich macht, sind die sich heiß laufenden Dispute um Inseln und Meeresgebiete. Das Problem dahinter ist, dass der Grenzverlauf zwischen Griechenland und der Türkei selbst Auslegungssache ist.

Nach internationaler Gesetzgebung korrespondiert die Größe des Luftraums mit dem eigenen Wasserterritorium. Doch auf See hat die Türkei das die Territorien regelnde Internationale UN-Seerechtsabkommen von 1994 (UNCLOS) niemals akzeptiert. Mit dem Vertrag ist Griechenland berechtigt, sein Hoheitsgebiet auszuweiten. Die vielen kleinen Inseln im Ägäischen Meer in Richtung türkischer Küste gehören zu Griechenland. Wegen der Nähe zur Türkei liegt deswegen eine eindeutige Grenzüberschreitung nur dann vor, wenn eine griechische Insel von den Türken unangekündigt überflogen wird.

 Ich habe derartige „Begegnungen“ türkischer und griechischer Jets zwischen den Inseln Samothraki und Thassos schon mehrfach selbst erlebt. Es ist haarsträubend zu sehen, wie sie sich in vielleicht 500 m über dem Meeresspiegel „Duelle“ liefern. Die Insel Thassos liegt etwa 125 km (Pfeil) von der türkischen Grenze entfernt und die „Begegnungen“ fanden in ca. 5 km Entfernung auf dem Meer statt. Somit ist die türkische Luftwaffe über 100 km in den griechischen Luftraum eingedrungen. Der griechische Generalstab meldete am 17.05.2016, daß die türkische Luftwaffe an einem!!! Tag 42 mal den griechischen Luftraum über der Ägäis verletzt hat. Wie lange werden derartige Vorfälle noch ohne ernsthafte Konsequenzen bleiben?

 

Quelle: Google Earth

Nun trägt sich ebenfalls von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt folgendes zu. Seit einiger Zeit schreibt Defence-Point.gr von Mobilmachung und ähnlichem.

Quelle: Screenshot http://www.defence-point.gr/news/tin-afxisi-tis-stratiotikis-thitias-exetazi-sovara-to-ypourgio-ethnikis-amynas#.WrKZgj9vM-c.facebook

Die Übersetzung des Artikels lautet:

Verteidigung und Sicherheit – Griechenland – Zypern

Die Verlängerung des Militärdienstes wird vom Ministerium für Nationale Verteidigung geprüft

Die Verlängerung des Militärdienstes um drei Monate sieht Berichten zufolge vor, dass dieser zwölf Monate dauern wird, statt der neun Monate wie es heute der Fall ist.

Laut der Zeitung „Phileleftheros“ sieht der in jüngster Vergangenheit eingereichte Plan eine Erhöhung der Dienstzeit des Heeres von heute 9 Monaten auf 12 Monate und für Luftwaffe und Marine auf 15 Monate vor – von 12 heute.

Dem Bericht zufolge soll der Vorschlag vom Verteidigungsminister Panos Kammenos genehmigt worden sein, nicht aber von SYRIZA.

[…] Höchstwahrscheinlich wird die Möglichkeit in Betracht gezogen, 4.000 Berufssoldaten einzustellen.

Einem anderen Bericht zufolge soll das Einzugsalter von Reservisten heraufgesetzt werden.  Inwieweit das alles schon Realität ist, läßt sich schwer sagen. Dazu kommt, daß die Griechen auch ein recht martialisches Gehabe an den Tag legen was ihr Militär betrifft. Allerdings sind die Drohgebärden der Türkei nicht aus der Luft gegriffen. Wohin das führt zeigen die Besetzung Zyperns im Jahr 1974 und der Einmarsch in Syrien zu Beginn dieses Jahres. Ernst zu nehmen sind die Vorfälle auf jeden Fall. Es ist allerdings erstaunlich, daß man in Deutschland so gar nichts davon mitbekommt. Wenn Syrien und Afrika Nachbarn (O-Ton Merkel) für uns sind, sollten es Griechenland und die Türkei erst recht sein. Zumal beide Länder auch noch NATO-Partner sind.

Bezüglich Griechenland ist auch dieser Bericht aus Griechenland interessant. Er betrifft zwar nicht die Querelen mit der Türkei, ist allerdings doch interessant.

http://www.griechenland-blog.gr/2018/03/warum-schikaniert-deutschland-flugpassagiere-aus-griechenland/2142064/

„Nichts wird so leicht für Übertreibung gehalten wie die Schilderung der reinen Wahrheit“       Joseph Conrad (1857-1924)

 

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