ZEIT-Campus: „Die Vagina hat noch einen langen Weg vor sich“

Die Medienkritik: ZEIT (Foto: Collage)

Bei ZEIT-Campus hat Frau Wiebke Harms die Frauen Nina Brochmann und Ellen Stokken Dahl zum Thema „weibliche Sexualität“ interviewt. Die beiden jungen Ärztinnen kennen sich mit der weiblichen Sexualität nämlich besser aus als Frau Wiebke Harms. Weil das so ist, haben sie ein recht erfolgreiches Buch geschrieben, das es jetzt auch auf Deutsch gibt. Der Titel heißt: „Viva la Vagina“, was fast schon so deutsch klingt wie: „Es lebe die Pumpel.“ Die Mädchenkritik.

von Max Erdinger

ZEIT Campus ONLINE: Es gibt schon viele Aufklärungsbücher, trotzdem habt ihr noch eins geschrieben. Was wissen wir noch nicht über Frauenkörper?

Nina: Beispielsweise, dass auch Frauen Erektionen bekommen. Mehrmals in einer Nacht und auch tagsüber. In der Schule lernen alle, dass ein Penis Schwellkörper besitzt, durch die er steif wird. Aber über die Klitoris lernen wir nichts. Beispielsweise, dass sie ein großes Organ mit Schenkel und eben auch mit Schwellkörpern ist. Es ist doch toll zu erfahren, dass die Anatomie von Frauen und Männer so ähnlich ist. Immer wird nur die Scheide als weibliches Sexualorgan gesehen, weil man da einen Penis reinstecken kann, damit eine Frau schwanger wird. Dabei sorgt die extrem empfindsame Klitoris für den ganzen Spaß.

So, jetzt aber mal aufgepaßt, ihr Mädels. Es heißt: „Seid fruchtbar und mehret euch“ – und nicht: „Seid furchtbar und mehret euren Spaß“. Deswegen nennt man auch dasjenige Teil Sexualorgan, welches der Fortpflanzung dient. Daß die Fortpflanzung wegen der extrem empfindsamen Klitoris auch Spaß macht, ist eine ganz andere Geschichte.

Wir wollen, daß Frauen und Männer die gleichen Chancen auf einen Orgasmus haben.“ – Ellen Stokken Dahl

Schön, daß wir jetzt wissen, was ihr wollt.

„Darum die CAT-Position: statt dem klassischen Rein und Raus reibt der Penis an der Klitoris. CAT steht für coital alignment technique: Der Mann liegt eng auf der Frau, sie hält die Beine zusammen. Es gibt gute Videos, die die Stellung bei YouTube erklären. Er erlebt die Freude, seinen Penis in die Scheide zu schieben und sie wird klitoral wie vaginal stimuliert. So können viele Frauen zum Orgasmus kommen.“

Sagenhaft. ADAC steht für „Allgemeiner Deutscher Automobil Club“. Wusstet ihr das? Durch ihn können viele Frauen zu Pannenhilfe kommen. Es gibt übrigens Männer, die von ganz alleine wissen, wie viele Frauen zum Orgasmus kommen. Zum Beispiel, wenn sie sich für 19 Uhr zu einem Dreier verabredet haben. Dann sind es zwei, die zu seinem Orgasmus kommen. Und dann wieder gibt es Männer, die so schwer sind, daß sie sich keinesfalls eng auf eine Frau legen sollten, die ihre Beine zusammenhält. Weil: Ein Rippenbruch beeinträchtigt jede Orgasmusfähigkeit erheblich.

Ellen: „Wir haben beide neben dem Studium Sexualkunde an Schulen gelehrt und regelmäßig lautete die Hausaufgabe, insbesondere für die Mädchen: zu Hause masturbieren. Dabei finden sie heraus, welche Stimulation sie zum Orgasmus bringt, und Teenager, die masturbieren, haben oft ein positiveres Körperempfinden. Das schafft Selbstbewusstsein!

Für Jungen: „So, das war´s wieder für heute mit der Schule. Ihr dürft jetzt nachhause gehen, ihr kleinen Wichser, und euch einen von der Palme schütteln, anstatt eure Hausaufgaben zu machen. Damit ihr das richtige  Selbstbewußtsein bekommt.“

ZEIT Campus ONLINE: „( … ) Glaubt ihr, die Vagina ist schwieriger anzupreisen als Kacke?

Ellen: „Irgendwie schon. Mit Kacke kann jeder etwas anfangen, weil jeder das Gefühl kennt, kacken zu müssen.“

Die wird bestimmt irgendwann mal Bundeskanzlerin oder sowas.

ZEIT Campus ONLINE: „In Italien gab es vergangenes Jahr Diskussionen um bezahlten Urlaub für Frauen mit heftigen Menstruationsbeschwerden. Braucht es so was wirklich?

Ellen: „Ja. Für Frauen mit Dysmenorrhö, so nennt sich die Diagnose, wäre es toll, wenn sie während der schlimmsten Tage nicht arbeiten müssen. Der Schmerz bei Menstruationsschmerzen entsteht durch Druck im Uterus. Dieser Druck kann stärker sein als bei Wehen.

Nina: „Wäre das ein Männerproblem – die Leute nähmen es viel ernster. Die alltäglichen Bürden von Frauen werden weder von der Gesellschaft noch von der Medizin wahrgenommen.

So, ihr zwei „Feuchtgebiete“ (Charlotte Roche), jetzt ist aber Schluß mit lustig. Wenn wir das mit diesen arbeitsfreien Tagen wegen Dysmenohollarähdulljöh einführen, jodeln bald alle vor Schmerzen, wenn sie keine Lust auf Arbeit haben. Bei Schmerzen geht zum Arzt, wer welche hat. Der schreibt dann krank. Soviel dazu.

Speziell für die Orgasmus-Expertin Nina: Jetzt mal die verpeilten Lügenglupscher herausgedreht und Tatsachen gelesen: Es gibt den Frauenarzt, aber den Männerarzt nicht. Und ihr Weibsvolk mit eurem unverschämten, egozentrischen und subjektivistischen Gegacker werdet sehr wohl von der Gesellschaft und von der Medizin wahrgenommen. Und wie! Wegen nichts lebt ihr keine sechs Jahre länger als die Männer. Vor einem Jahrhundert war es nur ein Jahr. Im Grunde nimmt die Gesellschaft bald gar nichts anderes mehr wahr, als die „alltäglichen Bürden von Frauen“. Dieses dämliche und überflüssige Interview hier ist der schlagende Beweis.

ZEIT Campus ONLINE: „Wie gut müssen denn Männer über die weibliche Anatomie Bescheid wissen?“ 

Nina: „Um gute Partner, Väter und Freunde zu sein, sollten sie wissen, was Frauen durchmachen. Sie sollten wissen, dass viele Frauen unter Schmerzen leiden, wenn sie ihre Tage haben, dass sie müde sind oder Durchfall bekommen – jeden Monat.

Ellen: „Das hat auch mit Empathie zu tun: Um sich in die Menschen, die man liebt, hineinzuversetzen, muss man verstehen, was in ihnen so los ist.

Meinereiner ist lieber unbeliebt, als daß er sich in ein derartig egozentrisches Weibsvolk auch nur eine Sekunde hineinversetzen würde.

Ansonsten geht mir dieses ubiquitäre Östrogenalgegacker nur noch auf die Nerven. Eng auf der Frau liegen, CAT machen, Orgasmen nachzählen, Statistik führen wegen der Chancengleichheit, mitfühlend das Gejodel von der Dysmenohollarädulljöh anhören – und dann diese Heimsuchungen auch noch lieben? – Pfui Deifl. Man fragt sich, wie ehrenwerte Frauen in früheren Zeiten überhaupt ein Leben haben konnten und worüber sie gelacht haben. Ob die wohl wussten, daß sie eine Klitoris haben und CAT machen müssen, damit das Leben schön ist? Es ist nur noch zum Davonlaufen …

 

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