Deutsche Therapeutische Republik: Merkel leitet weiter die Anstalt

Foto: Imago
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„Merkel greift die Sorgen der Menschen auf“, kommentiert ungewohnt geistreich das deutsche Nachrichtenmagazin Focus Angela Merkels nunmehr vierte Regierungserklärung als Kanzlerin. Ersparen wir uns an dieser Stelle eine weitere Betrachtung des neuen deutschen Gruselkabinetts (GruKa) und das substanzlose Geplapper der Uckermärkerin, die niemals ihr Handeln wirklich erklärt oder gravierende politische Entscheidungen mit Bundestag oder Bürgern auch nur ansatzweise ernsthaft verhandelt. Insofern muß man die offensichtlich abgestumpften Kollegen des Focus letztlich nur noch fragen, ob sie denn inzwischen überhaupt noch in der Lage wären, den Unterschied zwischen Merkels Regierungsrede und etwa der Ansprache eines PKW-Händlers bei der Eröffnung eines Autohauses unterscheiden zu können.

Von Hans S. Mundi

Wahlen bekommen in Merkels Valiumdemokratie zunehmend den Charakter von weitgehend sinnlosen Pflichtritualen – das, was das Volk wirklich in seiner überwiegenden Mehrheit betrifft, sprich: die persönlichen Interessen der deutschen Bevölkerung, wird kaum ausreichend thematisiert, geschweige denn von der „alternativlosen Kanzlerin“ überhaupt nur zur Disposition gestellt. Was für die Bürgerinnen und Bürger gut ist, weiß Merkel mit ihren wechselnden Partnern und Figuren im Kabinett , eben einfach besser. Der stets pointiert gegen die politische Schlafkrankheit und nationale Depression der Deutschen Wortsalven abfeuernde Autor Henryk M. Broder wußte daher vor dem letzten Urnengang nicht, wem er bei der Bundestagswahl noch seine Stimme geben sollte. „Alle Parteien wollen den ‚Menschen da draußen‘ nur ‚abholen‘ oder ‚mitnehmen‘, klagte Broder und seufzte: „Doch wer will das schon?“

In einer strikt nach Links verschobenen Republik hat sich unter Merkel das demokratische Gemeinwesen unaufhörlich hin zum „Nudging“, zur „Bürgerbetreuung“ und zum von oben immer strenger gelenkten Staatswesen entwickelt. Es ist Sozialismus pur, was etwa Maas mit seinem NetzDG, als wohl übelster Justizminister der Nachkriegszeit, dem Land hinterlassen hat. Ein echter Flurschaden für das Gemeinweisen, eine bewußte staatliche Einschüchterung der nichtlinken Anti-Mainstream-Andersdenker durch eine privat organisierte Meinungszensur. Im selben Tempo, wie Merkel Geist und Buchstaben der Verfassung sukzessive ändert bzw. durch willige Vollstrecker wie Heiko Maas ändern läßt, übernimmt die politische Klasse generell eine neue „Haltung“ und rhetorische Figuren, die absolut verräterisch sind: Der Bürger wird zum Patienten gemacht, dem die neue Berliner Bonzokratie nun gegenübertritt, wie einem störrischen Kind, welches sich weigert um acht Uhr ins Bett zu gehen. „Das Richtige ist, was am Ende den Menschen hilft“, hat Kanzlerin Merkel gesagt, fehlt nur noch die Ergänzung: „So, und nun aber das Licht aus!“ Das Licht machen auch die Medien aus, sie flankieren Merkels Drift nur noch.

„Wie einfach könnte doch all das sein, wenn der Staat den weniger vernünftigen Bürgern bei diesen Fragen ein wenig auf die Sprünge helfen würde. Nicht durch Verbote oder Pflichten. Sondern durch sanftes Führen und Anregen, ohne Zwang und doch mit dem nötigen Nachdruck … Beim Nudging wird die Umwelt so gestaltet, dass die Bürger in die richtige Richtung geschubst werden und die vermeintlich schlechte Alternative links liegen lassen.“ n-tv.de zitiert nach:

„Aber nicht alle diese sogenannten ‚Nudges‘, wie solche Stubser oder Anreize neudeutsch genannt werden, um die Menschen zu einem gewünschten Verhalten zu bringen, sind derart offensichtlich und aufdringlich. Vieles geschieht unbewusst und geht weit über das Erziehen zu angeblich gesünderer Ernährung oder dem Beachten von Ampelsignalen hinaus.

Sämtliche großen politischen Strategien, seien es der Genderwahn, die Frauenquote, die Unterwanderung durch Ausländer, die Islamisierung, die Frühsexualisierung, der Aufbau der Russen als Feindbild, die Energiewende usw., werden mit Hilfe subtiler, allgegenwärtiger Motivation und unscheinbaren Anregungen aufgebaut und durchgesetzt.“

Je weiter Links der Mainstream steht, desto mehr häufen sich strenge Bevormundungen, Vorgaben, Anweisungen und Richtlinien – nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern. Politik wird aber besonders in Deutschland von der herrschenden Klasse zunehmend als Therapeutikum betrachtet, wobei man eben den dummen Wählern erklären muss, wie viele Geschlechter es gibt, warum Gewalt nichts mit dem Islam zu tun hat, warum der Gebrauch von Dieselfahrzeugen bitterböse ist, weshalb wir nicht rauchen, weniger trinken und möglichst wenig Fleisch essen sollten.

So als wären Kanzler und GroKo die berühmten deutschen „Halbgötter in weiß“, argumentieren diese kaum noch politisch, sondern eher wie einst Professor Brinckmann in der „Schwarzwaldklinik“. Das wär’s dann, Deutschland, am Ende winkt die Intensivstation. Es sei denn, die Republik erwacht und alle Bürger spielen mit der Regierung schwer erziehbares und renitentes Kind. Ein langes Leben als „Misfit“ ist attraktiver als das eines schlafwandelnden Zombies, der leer glotzt und vorm Fernseher Angela Merkel und ihren Ministern lieb zuwinkt. Übrigens gab es auch beim Nachbarn Österreich Debatten um die unsägliche political Correctness der Linken. Austria hat sich per Wahl aber vom linken Spuk befreit und vor allem die Grünen, als Vordenker und Einpeitscher dieser sektiererischen Volksunterdrückung, per Wählervotum auf den Komposthaufen geworfen – davon ist Deutschland leider noch weit entfernt.

„Es steigt der staatliche Trend, in das Privatleben seiner Bürger einzugreifen, geleitet vom Bestreben diverser Entscheidungsträger, das eigene Weltbild zu dem aller anderen machen zu wollen. Dagegen regt sich Widerstand. ‚Der Staat‘, sagt Meinungsforscher Rudolf Bretschneider, ‚versucht, die Mikronormierung des Lebens zu betreiben, das geht ihn einen feuchten Dreck an.‘ Bretschneider ärgert, ‚dass alles geregelt wird, was der Umwelt, der Sicherheit oder der Gesundheit dient, und dass der Staat die Menschen behandelt, als ob sie nicht selbst in der Lage wären, richtige Entscheidungen
zu treffen‘. Mit seiner Kritik ist der Professor nicht allein. Eine Studie der GfK Austria zeigt, dass Österreich von den Bürgern zunehmend als Verbotsgesellschaft empfunden wird. Demnach erleben drei Viertel der Bevölkerung das Ausmaß an gesetzlichen Bestimmungen als ‚zu hoch‘ oder zumindest als ‚lästig‘ … Zu viele Regeln verhindern, dass die Menschen selbstständig denken – das ist laut Studie die Meinung der Mehrheit. In ihren Augen entwickelt sich Österreich immer mehr zu einem Kindermädchen-Staat – einem ’nanny state‘, wie es im Englischen heißt. Soll heißen: Der Staat schreibt das Verhalten vor. Was unerwünscht ist, wird verboten. Und was erwünscht ist, wird verlangt. Längst reden Kritiker von einer versuchten Infantilisierung der Gesellschaft und von einem ‚Terror der Tugend‘. Die Plattform meinveto.at etwa ruft die Österreicher im Internet auf, gegen die zunehmende Bevormundung durch den Staat aktiv zu werden. ‚Mit seiner übertriebenen Fürsorglichkeit spricht der Staat uns mündigen Menschen jedes Maß an Eigenverantwortung ab‘, sagen die Protagonisten der Plattform, ‚wir wenden uns deshalb gegen staatliche Bevormundung und Überregulierung und setzen uns aktiv für die Freiheit des mündigen Bürgers ein.‘ Bretschneider ist selbstredend einer der Unterstützer dieser Initiative, der Wiener Kulturtheoretiker und Philosoph Robert Pfaller ein anderer. Pfaller wurde jüngst in der ‚Neuen Zürcher Zeitung‚ mit den Worten zitiert: ‚Wir dürfen uns nicht gefallen lassen, dass die Politik uns wie Kinder behandelt.’“

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