Mord an Mutter und Tochter – jetzt spricht die Großmutter/Mutter der Opfer: „Ich möchte nur noch schreien und anklagen!“

Foto: Durch shimonfoto/Shutterstock
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Es gibt ja immer wieder deutsche Frauen, die sich mit muslimischen Männern einlassen, ja sogar eine Beziehung eingehen, heiraten und Kinder kriegen. Immer wieder kann das eine tödliche Entscheidung sein. – wie dieser Fall zeigt. Es ist ein Aufschrei einer Mutter, die ihre Tochter und ihren Enkelsohn verloren hat. Beide wurden im Juli vergangenen Jahres von dem 52-jährigen Ex-Freund und Vater des Kindes, einem Algerier mit deutscher Staatsangehörigkeit, erstochen. Die Mutter der Opfer meldete sich auf Facebook zu Wort.

„Der Fall von Mia in Kandel, erst 15 Jahre alt, bringt alle meine Erinnerungen und Gefühle der Unfassbarkeit nach dem Mord an meiner Tochter und meinem Enkelkind zurück. Was hätte man der Familie raten sollen? Hätten sie aus Kandel wegziehen müssen? – Wie weit war die Polizei in der Lage, die Morde zu verhindern?
Erinnerung: ich möchte als Mutter meiner im Sommer 2017 getöteten Tochter Anne (39) und meines Enkelkinds Noah (4) nur noch schreien, rufen und anklagen.
Der Täter, besser Mörder, ist der ehemalige Lebensgefährte und Vater des Kindes. Er stammt aus Algerien, besitzt bereits seit ca. 16 Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit, erreicht durch eine frühere Ehe mit einer Deutschen vor meiner Tochter.
Die unfassbare Tat passierte 2 1/2 Monate nach Annes Trennung nahe Freiburg im Breisgau. Eddie B. hat für das „Abschlachten“ (eine seiner früheren Formulierungen in einer SMS an mich ) offensichtlich die Tatmesser extra frisch gekauft. Die Messerverpackung wurde in seiner Wohnung gefunden – welch gute Vorbereitung und Planung!
Und nur eine Beziehungstat?
Wir (Familie, Freundeskreis und verschiedene Berater meiner Tochter) wollten und konnten an die Gefahr weder glauben noch sie vorhersehen, verschanzten uns hinter „so etwas wird schon nicht passieren“. Wir kannten uns nicht aus mit dieser Form der Aggression, sie lag fern unseres Denkens und unserer Werte. Jetzt klage ich an: „Was läuft hier schief in Deutschland?! Wo bleibt die öffentliche Stimme der Empörung in den Medien, bei den politisch Verantwortlichen? Sollen es nur Beziehungsmorde sein, die unsere Töchter bestialisch sterben lassen? Wie können wir Mütter, Väter und Brüder unsere Töchter und Schwestern schützen?“

Ich hatte fünf Monate von dem Zeitpunkt des Trennungsbeschlusses meiner Tochter bis zu ihrem Auszug nur Angst, er könnte sie in der noch gemeinsamen Wohnung mit dem Messer töten. Erstochen hat er sie dann Wochen nach ihrem Auszug, vor ihrem Wohnhaus, vor den Augen der Öffentlichkeit, zwei Tage nach einem gerichtlichen Annäherungsverbot, zwei Tage bevor sie zum ersten Mal mit dem 4 jährigem Kind zu uns ihrer Familie nach Norddeutschland gekommen wäre. Vor diesem Hintergrund muss es ihn angetrieben haben, Anne und das gemeinsame Kind zu töten. War es vielleicht der Gedanke „ihr bekommt meinen Sohn nicht, wenn ich ihn nicht haben darf“?

Was müssen Frauen und Männer, Mütter und Väter, Politikerinnen und Politiker, Polizei und Justiz, Berater auf allen Ämtern und Stellen, Medien, Verantwortliche einer sozialen Veränderung in unserer Gesellschaft tun, um zu verhindern, dass junge Frauen nur deshalb vorzeitig sterben, weil sie mit einem muslimischen Mann befreundet sind, evtl. mit ihm zusammengelebt haben oder gar gemeinsame Kinder bekommen haben. Wir nehmen Ermordete in unserer Gesellschaft hin, verursacht von ethnisch-kulturellen Personen, die uns fremd sind und bleiben. Wir Gutgläubigen, mit unserer an Toleranz und Mitmenschlichkeit appellierenden Denkweise, warten ab, bis etwas passiert. Selbst dann wollen wir es nicht wahrhaben, wollen unser Denken nicht ändern, verteidigen unsere Ideale einer Multi-Kulti-Gesellschaft. Anne und wir haben es auch gemacht, bevor es uns getroffen hat. Jetzt allerdings möchte ich alles anders machen.

In Gesprächen spüre, höre ich „Einzelfall“, „Pech gehabt“, „Hätte sich ja nicht auf den Mann einlassen müssen“ oder eben nur „eine Beziehungstat“. Wie wunderbar distanziert das doch ist. Weghören und Wegschauen zum eigenen Schutz? Muss man erst jedem ein ähnliches Schicksal wünschen, damit jeder weiß, was so etwas bedeutet?

Warnungen hinsichtlich einer möglichen Gefahr sind bei uns schon lange vor dem Mord angekommen. Es waren „nur“ verbal-psychische Drohungen, dachten wir. Ungläubigkeit auf so vielen Seiten, wir wollten es nicht wahr haben, wir wollten es nicht glauben. „Etwas Überspanntheit und Übertreibungen“ und „Das wird schon alles nicht so schlimm sein“ waren begleitende Sätze vor dem Mord von Anne und Noah. Ja, aber auch Stimmen wie „Sie muss da weg!“ wenn ich Annes Geschichte erzählte. Leider war die abwartende Einstellung entscheidend für den weiteren Verlauf ihres und unseres Schicksals. Nach der Tat dann nur noch Sprach- und Fassungslosigkeit.

Und jetzt?

Ich gehe durch den Alltag, getrieben von dem Gedanken an den unfassbar grausamen Doppelmord an meiner Tochter und meinem Enkelkind. Ich spüre jeden Tag selber das Messer in meiner Brust, das Messer der Verantwortung.

Der Entschluss meiner Tochter, ein Zusammenleben mit einem Mann zu beenden, mit dem sie nicht reden konnte, obwohl er Deutsch sprach. Alles im Alltag mit ihm schien psychopathisch zu werden. Selbst im Kindergarten wurde er durch sein Auftreten auffällig, so dass man ihm Hausverbot erteilte. Als Frau und Mutter bestärkte ich Anne darin, nicht mit Eddie zusammenleben zu müssen, wenn es nicht passt. Als Familie boten wir Unterstützung und Hilfe bei einer Trennung an. Zu uns hätte sie nicht kommen können, er drohte schon lange damit, uns (und speziell mir) etwas anzutun.

Leider hat Anne immer wenig erzählt, man musste sich sehr in ihre Situation hineindenken, um eine Vorstellung von ihrem Leben zu bekommen. Nur einmal, ihr Sohn Noah war gerade 9 Monate alt, äußerte sie „mein Leben läuft so beschissen“.

Noch immer, auch 5 Monate nach ihrem Tod, wache ich morgens auf, sehe das Messer in meiner Brust. Sehe meine Tochter mit ihren panisch-angstbesetzten Augen vor mir und hilfesuchendem Schrei. Dieses nicht ausweichen können, als ihr Mörder auf sie zukam, um mit einem Stein die Scheibe des verriegelten Autos einzuschlagen. Ich höre die Rufe von Noah (wie Nachbarn es beschrieben „Papa nicht, Papa nicht“), als er zuerst auf seine Mutter einstach.

Auf meiner Zunge liegen den ganzen Tag immer wieder die Worte „Anne und Noah sind tot, ermordet!“. Dieser Mann hat sie gerichtet und über ihr Leben entschieden, weil sie ihn verlassen hat.

Ermordet hat Eddie B. auch Noah, den gemeinsamen 4 jährigen Sohn. Mühsam hatte Anne das 7 Monatskind mit nur 1600 g Geburtsgewicht in vielen schlaflosen, Nächten und aufopferungsvollen Stunden zum Leben verholfen. Er, der Vater zog nach der Geburt aus dem gemeinsamen Schlafzimmer aus, weil er nicht schlafen konnte. Anne muss einsam gewesen sein in ihrer neuen Rolle als Mutter. Die helfende Hebamme wurde abbestellt („es wird ja nur gequatscht“) – er bestimmte. Wir durften ihr als Familie nicht beistehen, die Wohnung nicht betreten („die machen nur Stress“). Zu alten Freundinnen war der Kontakt eingestellt, neue Freundinnen waren noch nicht gefunden.

Sie konnte den Mann nicht ohne Noah verlassen, er brauchte seine Mutter so sehr. Beide waren tief miteinander verbunden. In dem letzten Jahr des Zusammenlebens schützten sie einander. Der erst 3 jährige verteidigte seine Mutter, wenn der Vater laut und ausfallend wurde. Dessen Drohung „es wird Blut fließen“ – ein Tag vor dem unter Polizeischutz statt gefundenen Auszug – wird leider nicht genügend ernst genommen. Als meine Tochter die Polizei zu ihrem Schutz rief, sagte er bei der Vernehmung „Nein, das habe ich nicht gesagt“ – so stand Aussage gegen Aussage. Ein Tag nach dem Auszug kam eine SMS „Noah ist mein Sohn. Kein Mensch auf der Welt kann mir Noah nehmen“.

Eine Warnung!?

Seit Annes Tod möchte ich in den Fernseher, ins Radio springen und schreien, wenn gerade wieder die Flüchtlingsverständnis-Diskussion mit Begründungen erfolgt, möchte eine Antwort, eine Erklärung hören auf die Fragen „Warum musste es passieren?“, „Warum konnte man es nicht verhindern?“ und „Warum konnte keiner die beiden schützen???“.
Bin ich das Schaf, welches sein Denken und Reden mit den leicht daher gesagten Einwänden „Auch bei uns passieren Beziehungsmorde/-taten“ und „Auch Frauen tun den Männern etwas an“ wieder zum Schweigen bringt? Es ist zu mühsam, den schweren Verlust dieser beiden Leben (wird im juristischen Sinn Kapitalverbrechen genannt) mit dem „Messer-in-der-Brust-Gefühl“ und einer angstvollen Ahnung lange vor der Tat, immer wieder zu reflektieren, zu erklären.

Das Gedankenkarussell lässt sich nicht abstellen.

Auch wenn wir die Entscheidung unserer Kinder nicht immer nachvollziehen können, unser Verantwortungsgefühl als Eltern bleibt.

Als Familie befürchteten wir die Entführung des Kindes nach Algerien, Eddie B. hatte 2 Pässe, den deutschen und den algerischen. Noah Kinderausweis behielt er und rückte ihn bis zum Schluss, auch nach Aufforderung der Anwälte, nicht heraus.

Wir waren zunächst so froh – Anne hatte es trotz aller Drohungen und Ängste geschafft zu gehen, war am Leben, das Kind bei ihr. Sie zog ca. 20 km weiter weg, die Adresse sollte geheim bleiben. Er hatte sie jedoch früh ausfindig machen können.

Unbedarft und naiv liefen wir nach ihrem Auszug durch die Tage und haben etwas passieren lassen, was nie hätte passieren dürfen. Nicht ahnend und reflektierend, was hinter seinen vielen Drohungen stand. Jetzt weiß ich, dass die Gefahr nach dem Auszug erst richtig vorhanden war. Sein ganzes Denken muss sich um Rachegelüste und -gefühle gedreht haben. Sie zu bestrafen, mit dem Messer.

Messer sind überall zu haben, auch ohne Waffenschein. Er hatte es gut vorbereitet, extra neue gekauft. Schon Tage vorher wurde er von Nachbarn auf dem Gelände gesehen. Ihre neue Wohnung lag im 1. Stock, für ihn zunächst nicht zu erreichen. Also passte er den Moment ab, als sie morgens mit Noah im Auto aus der Tiefgarage kam, auf dem Weg zur Kindertagesmutter und zur Arbeit. Er schnitt ihr den Weg ab, kam mit einem Leihwagen angeschossen. Durch den Aufprall hatte es laut geknallt. Dann müssen die Horrorminuten für Anne und ihr Kind begonnen haben. Mit den Messerverletzungen, schon am Tatort waren beide ohne Pupillenreaktion, wurden sie unrettbar in die Uniklinik gebracht.
Der Mörder versuchte nicht groß zu fliehen, er fuhr nach Hause. Wurde jedoch schon vorher von der ihn verfolgenden Polizei festgenommen.

Dieser Fall ist kein Einzelfall, sondern stets ein Fall zu viel für Verlust von Leben und Vertrauen. Meine Angst bleibt, ich möchte sie nicht, weiß jetzt jedoch, nur sie kann unser Leben vor Gefahren schützen. Wir brauchen diese Angst, sonst liefern wir uns aus und verändern zu wenig. Meine Tochter mit Sohn waren ausgeliefert, durch was, wen und wie auch immer.

In unserem Fall hätte man sagen können, meine Tochter hätte weit wegziehen, anonym lebend mit einer neuen Identität sich verstecken müssen. Aber gerade zu dem Zeitpunkt brauchte sie Freunde und Vertraute.

Und dann noch, wenn sie mit ihrem Kind ins Ausland gegangen wäre, wäre das rechtlich eine Entführung gewesen!

Und wieder eine Tote, eine Minderjährige – erstochen am 28.12.2017 in Kandel/ Rheinland-Pfalz. Der Fall von Mia in Kandel, sie erst 15 Jahre alt, bringt alle meine Erinnerungen und Gefühle der Unfassbarkeit frisch zurück. Was hätte man der Familie raten sollen? Hätte auch sie wegziehen, gar die ganze Familie wegziehen müssen?

Und jetzt, als eine mögliche Reaktion unserer Politiker, die Flüchtlinge bzw. Asylanten auf ihr Alter hin gründlicher zu prüfen, kommt einem wie glatter Hohn entgegen. Was kann das ändern, wenn ein Mensch töten möchte. Ein daraus resultierendes Strafmaß wird nicht abschreckend wirken.

Was kann man machen, tatenlos abwarten, dass schon nichts passieren wird? Oder Mädchen und Frauen immer und immer wieder warnen oder Verbote aussprechen wie „Lasst euch nicht auf die Fremden ein, wir verstehen sie nicht, sie verstehen dich nicht. Ihr zieht den kürzeren – bis hin zum Tod.“

Quelle: Netzfund

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