Erzieher: Mit einem Bein im Knast

Die Medienkritik: ZEIT (Foto: Collage)

In der „Zeit“ schreibt Frau Amna Franzke über männliche Kindergärtner. Es gibt nur sehr wenige. Titel ihres Werks: „Den würde ich nicht allein mit den Kindern lassen.“ Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Es ist noch nie vorgekommen, daß eine junge Frau von ihrem Schwiegervater in spe gefragt worden ist, ob sie denn auch in der Lage sei, seinen Sohn und die künftigen Enkel zu ernähren. Umgekehrt war das ganz anders. „Sagen Sie mal, junger Mann, werden Sie denn genug verdienen, um eine Familie angemessen zu finanzieren?“ Die jungen Leute scheren sich heute zwar nicht mehr viel um die Sorgen der Altvorderen, heiraten oder heiraten nicht, haben Kinder oder keine und machen alles so, wie sie selbst es im Sturm der Hormone für richtig halten. Die Scheidungsrate liegt allerdings bei etwa 50 Prozent und drei Viertel aller Scheidungsanträge werden von Ehefrauen gestellt. Irgendwann hat es sich eben ausharmoniert und nach dem ersten Kind hat es sich oft auch bald aushormoniert.

Auch, wenn die Ernährerfrage kaum noch gestellt wird von besorgten Schwiegervätern; die Verhältnisse sind auch ohne Fragestellung ziemlich unverändert geblieben. Nach wie vor gilt: Der Chefarzt heiratet die Krankenschweser, niemals aber die Chefärztin den Krankenpfleger.

Weil das so ist, sehen Männer, die sich Frau und Kinder wünschen, keine Veranlassung, sich mit schlechtbezahlten Jobs aufzuhalten. Als Kindergärtner jedoch wird man extrem schlecht bezahlt. Das ist ein Grund dafür, daß es so wenige gibt. Meinereiner hat einen intuitiv guten Draht zu Kindern, aber der Beruf des Kindergärtners wäre auch aus einem anderen als dem finanziellen Grund niemals in frage gekommen: Als männlicher Kindergärtner steht man in den hysterischen, männerfeindlichen F*tz*kratien des Westens ständig mit einem Bein im Knast. Die Falschbeschuldigung schwebt permanent über einem wie ein Damoklesschwert.

Das freilich hindert dieselben Xanthippen, die einen unter Umständen wegen nichts in größte Schwierigkeiten bringen würden, keineswegs daran, sich darüber zu beschweren, daß so wenige Männer den schlecht bezahlten und latent bedrohlichen Beruf des Kindergärtners ergreifen. Die extrem schlechte Bilanz von „Quotzen“ in den Führungspositionen von Politik und Wirtschaft ist zugleich aber kein Thema für sie.

Bundesdeutscher Feminismus ist Rosinenpickerei vom feinsten.

Frau Amna Franzke von der „Zeit“ behauptet nun, Männer als Kindergärtner seien heute nicht mehr so oft wie noch vor zehn Jahren dem Generalverdacht ausgesetzt, pädophile Kindsmißbraucher zu sein, weswegen sie sich heute auch keine so großen Sorgen mehr machen müssten. Das ist schlicht falsch. Die sogenannte Verdachtskultur ist so lebendig wie eh und je. „Ein möglicher sexueller Missbrauch der Kinder durch pädagogische Fachkräfte wird deutlich häufiger bei männlichen Erziehern als bei Erzieherinnen vermutet„, sagt der Sozialwissenschaftler Michael Cremers.

Interessant ist auch, daß Frau Amna Franzke den angehenden Beispielskindergärtner in ihrem Artikel nicht etwa als „Herrn Mustermann“ bezeichnet. In ihrem Artikel ist der Mann einfach „Jonas“. Da bleiben keine Fragen mehr offen. Gefragt ist auch nicht die Vermittlung „männlicher Werte und Sichtweisen“, sondern daß die Kinder ein „vielfältiges Männerbild“ bekommen. Mit anderen Worten: „Jonas“ soll für die Kindergartenkinder so etwas sein wie der „große Bruder Jonas“, keinesfalls aber ein kompetenter, humorvoller und autoritärer Patriarch. Genau das wäre es aber, was gerade Jungen dringender bräuchten denn je. Sie leiden sehr darunter, ständig die Mädchen als die „besseren Jungs“ angedient zu bekommen.

Daß männliche Kindergärtner die Freiheit hätten, vor den Kindern den Entwurf einer männlichen Welt zu entfalten, darf man getrost vergessen. Sollte es dennoch einer wagen, wird er sich auch heute schneller mit dem Machtmittel der Falschbeschuldigung konfrontiert sehen, als er sich träumen läßt. Teufels Küche wartet nur auf ihn. Nein, es sind keine Männer gefragt in den Kindergärten. Was den Befürworterinnen des männlichen Kindergärtners vor ihrem inneren Auge herumtanzt, ist der windelweiche, durchfeminisierte Schwanzträger. Und das ist das Letzte, was Kinder heutzutage brauchen. Und jeder Mann, der sich darauf einliesse, hätte allein dadurch schon bewiesen, daß es ihm am Verstand für diesen Beruf fehlt.

Die Kindergärtnerin könnte außerdem jederzeit problemlos „nach oben“ heiraten und sich aus ihrem schlecht bezahlten Beruf verabschieden, so sie einigermaßen attraktiv ist. Ein „Jonas“ als Kindergärtner könnte so „handsome“ sein, wie er will: Er würde im Kindergarten versauern, weil er mit dem Gehalt, das er dort bekommt, keinesfalls eine Familie ernähren könnte. Und irgendwann hieße es dann: Unser Kindergärtner ist der Opa Jonas. Er hatte nie eine Frau und eigene Kinder. Darüber ist er arg schrullig geworden.

Der „Zeit“-Artikel blendet wieder einmal die Realität aus und speist sich aus halbgarem Wunschdenken.

 

 

 

 

 

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