SPIEGEL interviewt österreichischen Strukturnazi

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Der "Spiegel" sucht Auswege (Foto: Collage)

Im SPIEGEL gibt es ein Interview mit einem östereichischen Strukturnazi. Es handelt sich um den 1982 geborenen „Rechtsextremismus-Experten“ Bernhard Weidinger. Sie fragen sich, was ein Strukturnazi sein soll? Die Nazikeule einmal richtig herum gehalten …

von Max Erdinger

„Strukturell“ ist eine Lieblingsvokabel der Linken. Sie wird gern im Zusammenhang mit Benachteiligungen und Diskriminierungen aller Art verwendet, und zwar immer dann, wenn die individuelle Benachteiligung oder Diskriminierung einer Person nicht offensichtlich ist. Diese Person und ihresgleichen sind dann durch „gesellschaftliche Strukturen“ benachteiligt, weswegen die Strukturen geändert werden müssen.

Ein Strukturnazi ist also einer, der zwar inhaltlich nichts von der nationalsozialistischen Ideologie hält, in seinen Denkfiguren abseits jedweden Inhalts aber „tickt“ wie ein Nazi. Grüne sind zum Beispiel häufig Stukturnazis. Auch für das etablierte Gutmenschentum trifft die Bezeichnung meistens zu. Was dem einen die bessere Zukunft durch die Eroberung von Lebensraum im Osten ist, das ist dem anderen zum Beispiel die bessere Zukunft via Eroberung des eigenen Lebensraums durch Andere. Wem täglich gleich nach dem Aufstehen irgendwelche Verbote einfallen, mit denen er die Anderen gerne belegen möchte, ist ein Strukturnazi, weil er sich wie ein Fisch im Wasser jener gesellschaftlichen Struktur bewegt, in welcher das Verbieten als segensreich gilt. Und diese gesellschaftliche Struktur hat sich seit Adolf Nazi kaum geändert.

Aber nun zum österreichischen Strukturnazi Weidinger und seinem Interview im SPIEGEL.

– Neonazi-Forscher über FPÖ und AfD: „Ich bin gegen einen Dialog mit Rechtsextremisten“, – heißt es da. Unsereiner fragt sich natürlich, wie der Strukturnazi auf Rechtsextremisten kommt, wenn er sich doch über die FPÖ und die AfD äußern will. Es ist zu vermuten, daß der junge Herr Weidinger Opelfahrer auch als rasende Rennsäue bezeichnen würde.

Der Wiener Rechtsextremismus-Experte Bernhard Weidinger erklärt, was Deutschland im Umgang mit der AfD besser machen kann.

Das ist ja fast schon Originalnazi – !? „Deutschland“ kann etwas besser machen? Wenn das mal kein reinrassiger Nationalismus ist? Wie klingt denn das? Wir, die SPIEGEL-affinen sind Deutschland . und die AfD ist der Feind unseres heiligen Vaterlandes? Jetzt aber hoppla …

Wer ist dieser seltsame Strukturnazi Weidinger? Der SPIEGEL gibt Auskunft:

Dr. Bernhard Weidinger, geboren 1982 in Tamsweg im österreichischen Bundesland Salzburg, ist Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) in Wien, einer Stiftung, die von der Republik Österreich, der Stadt Wien und einem Verein getragen wird. Das DÖW betreibt Informationsarbeit und wertet Quellen unter anderem zu Widerstand, Verfolgung und Exil in der Zeit des Nationalsozialismus aus, beschäftigt sich aber auch mit Rechtsextremismus in Österreich und Deutschland nach 1945. Weidinger forscht vor allem zum Thema Rechtsextremismus und Neonazismus im internationalen Vergleich und ist ein gefragter Experte zum Thema Studentenverbindungen.

Auf gut Deutsch: Der Mann ist mitten in die anschwellende Nazihysterie hineingeboren worden, der Sozialismus ist ihm „in die Knochen eingraviert“ (Mussolini über sich selbst) worden; er erwies sich als gelehrig und folgsam und wurde deshalb schon früh zum Experten für alles gegen braunlinks. Was hat er der besorgten Öffentlichkeit also mitzuteilen?

Wenn die AfD sich nicht selbst im Weg steht, kann sie sich langfristig etablieren. Jeder weitere Wahlerfolg befördert ihre Normalisierung. Wenn ihre Politiker dann auch noch in jeder zweiten Talkshow sitzen, klingt es irgendwann hohl zu sagen, mit diesen Leuten dürfe man nicht reden oder zusammenarbeiten. Ihre mediale Präsenz ist zwar einerseits logisch, weil die Partei in Parlamenten vertreten ist. Die Art und Häufigkeit dieser Präsenz hat aber wohl auch mit Eigeninteressen der Medienbranche zu tun.

Hier können wir also einen krassen Fall von Realitätsverlust bei einem Strukturnazi studieren. Wo der Mann das her hat, daß AfD-Politiker in jeder zweiten Talkshow sitzen, – weiß der Geier. Bisher saßen sie nicht einmal in jeder zwanzigsten. Und genau das ist es auch, was die „Eigeninteressen der Medienbranche“ trefflich illustriert.

Der SPIEGEL aber spreizt nuttig die Beine, kauft ihm seine Halluzination willig ab und will von Weidinger wissen, wozu diese herbeihalluzinierte Medienpräsenz der AfD in den Talkshows führen wird. „Experte“ Weidinger kennt die Antwort.

Es steht zu befürchten, dass es in Deutschland, ähnlich wie in Österreich, zu einer Gewöhnung an die ständigen Tabubrüche, Grenzüberschreitungen, Provokationen kommt. Von Mal zu Mal wird die Aufregung kleiner, wird die Grenze des Sag- und Machbaren verschoben und damit die nächste Verschiebung vorbereitet.

Die Strukturnazis und ihr hinkender Grenzfetisch also. Der „Grenzwert“ ist ja schon heilig, aber die „Grenzen des Sag- und Machbaren“ erst!? Nur mit den Landesgrenzen haben sie es nicht so. Die sind ihnen alles andere als heilig. Es ist eben bei Weidinger so, wie bei allen anderen linken Grenzfetischisten: Die Grenze, also der Begriff  als solcher, bekommt seine eminente Wichtigkeit erst dann, wenn sie dem Ideologen nützt. Eine Landesgrenze nützt ihm nichts. Die „Grenze des Sag- und Machbaren“ hinwiederum setzt er am liebsten selber und erfindet dazu Euphemismen, die seine Selbstermächtigung verschleiern sollen. Unter Stukturnazi-Gesichtspunkten macht es rein sprachlich kaum einen Unterschied, ob man die grundgesetzwidrige Zensur sozialer Netzwerke „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ nennt, das den armen Hascherln angeblich „Schutz vor Haßsprache“ bieten soll, oder ob man die rechtswidrige Inhaftierung von Dissidenten zur „Schutzhaft“ verklärt.

Der SPIEGEL will vom „Experten“ trotzdem wissen:

Also sollte man Rechtspopulisten weniger Aufmerksamkeit schenken oder gar ignorieren?

Und schon ist der Rechtsextremist aus der Schlagzeile zum Rechtspopulisten geschrumpft. Wie´s wohl kommt?

Weidinger: Unterhalb einer gewissen Relevanzschwelle wirkt Berichterstattung oft eher als Werbung denn als Aufklärung. Wo die extreme Rechte politische Relevanz erlangt, was im Fall der AfD ja nicht zu leugnen ist, muss man sich natürlich mit ihr auseinandersetzen. Aber die Idee, dass sich in Diskussionen ‚auf Augenhöhe‘ das bessere Argument durchsetzt, geht nicht auf, weil der populistische Stil gar nicht auf Überzeugung abzielt. Ihm geht es um Emotionalisierung, Verschleierung, Schmeichelei gegenüber den ‚Eigenen‘ und Feindbildpflege in Bezug auf die ‚Anderen‘. All das funktioniert in Talkshows als inszenierte Schaukämpfe wunderbar. Ich bin für Berichterstattung über Rechtsextremismus, aber ich bin gegen einen Dialog mit Rechtsextremisten. Dialog bedeutet immer auch Legitimierung.

Die Herrschaften reden also aneinander vorbei. Der SPIEGEL will etwas über Rechtspopulisten wissen, der „Experte“ antwortet mit „Rechtsextremisten“. Wenn er dann noch sagt, daß „Reden auf Augenhöhe“ keinen Sinn hat, weil der „populistische Stil gar nicht auf Überzeugung abzielt“, dann hat er seinen eigenen Maßstäben nach einen an der Waffel, weil: Umso leichter sollte es seinereiner haben, das emotionale Geschwafel der Rechtsextremisten, ihre Emotionalisierungen, Verschleierungen und Schmeicheleien mit den besten aller Argumente glasklar und brillant zu demaskieren als das, was die „Argumente der Rechtsextremisten“ angeblich sind.

In einem Punkt hat aber selbst der österreichische „Experte“ recht: Dialog bedeutet immer auch Legitimierung. Weil das so ist – und weil meinereiner noch nie etwas mit Nazis und Strukturnazis zu tun haben wollte, denkt er nach vergeblichen zwei Jahrzehnten des Argumentierens mit diesen intellektuellen Talgfunzeln gar nicht mehr daran, sie weiterhin per Dialog zu legitimieren. Etwas anderes, als daß einem Etiketten auf die Stirn geklebt werden, mit denen der Strukturnazi seine eigene Argumentationsschwäche entschuldigt, hat er ohnehin nicht zu erwarten von strukturellen Nazis à la Weidinger. Deswegen denkt er auch gar nicht daran, diese eitrigen Furunkel am Arsche jedweder intellektuellen Aufrichtigkeit noch länger per Dialog zu legitimieren und bedient sich lieber bei A. Nahles (SPD): „Ab morgen kriegen sie in die Fresse!“

 

 

 

 

 

 

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