Kanzlerwahl: „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich.“

Foto: Imago
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Nach ihrer Wahl zur Kanzlerin am vergangenen Mittwoch erreichten Angela Merkel zahlreiche Glückwunschtelegramme und Telefonanrufe von Honoratioren aus der ganzen Welt. Lediglich Donald Trump und Wladimir Putin haben noch nicht angerufen, wie der SPIEGEL berichtet. Die Erklärung.

von Max Erdinger

Donald Trump und Wladimir Putin mögen Angela Merkel nicht. Vermutlich geht sie ihnen einfach auf die Nerven, was kein Wunder wäre. Wohlwissend, daß Angela Merkel Angst vor Hunden hat, sorgte Waldimir Putin bei vergangenen Treffen mit der Bundeskanzlerin in Russland beispielsweise dafür, daß seine schwarze Labradorhündin „Koni“ die deutsche Regierungschefin beschnupperte. Der Name des wohlerzogenen Tieres soll übrigens eine Hommage an die frühere amerikanischen Außenministerin Condoleeza Rice sein, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Jahre 2010 kolportierte. Die FAZ damals: „Tatsächlich erinnern sich Journalisten, die Bundeskanzlerin habe in Gegenwart von Koni wie versteinert gewirkt. Viele von Merkels Begleitern gaben sich regelrecht empört über Putins sadistische Ader.

Unvergessen ist auch der urkomische, erste Anlauf, den Angela Merkel nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten vor etwa einem Jahr unternahm, um in Washington vorstellig zu werden. Jouwatch kommentierte das damals höchst amüsiert im Rahmen einer Medienkritik. Der deutsche Flieger mit der Kanzlerin und dem gesamten Journalistentroß an Bord war bereits startklar, als ein Anruf von Donald Trump kam. Also kein Anruf der deutschen Flugsicherung, keine Durchsage des Piloten, sondern ein Anruf von Trump höchstpersönlich. Er riet Angela Merkel wegen eines Sturms an der amerikanischen Ostküste dazu, ihren Flug zu stornieren. Eine kurze Recherche über die Abflüge am Frankfurter Flughafen ergab damals, daß am selben Abend sechs Linienflüge an die amerikanische Ostküste planmäßig stattfanden. Jedenfalls erschien Angela Merkel bei den Journalisten im hinteren Teil des Flugzeuges und begann ihre Rede sinngemäß mit den Worten: „Es ist kein gutes Zeichen, daß ich in diesem Moment bei Ihnen auftauche …“

Tatsächlich war es natürlich kein gutes Zeichen, daß Trump Merkels Flug storniert hatte und nicht etwa die dafür zuständigen Stellen bei der Flugsicherung.

Ein gutes Jahr später bestätigt der ausbleibende Gratulationsanruf von Donald Trump in Berlin also das, was meinereiner anläßlich des stornierten Fluges letztes Jahr schon mutmaßte: Der amerikanische Präsident kann die deutsche Kanzlerin so wenig leiden wie Wladimir Putin. Die beiden Herren haben mein vollstes Verständnis.

Es gibt also sehr subtile Möglichkeiten, abseits des international üblichen Protokolls für den Umgang von Staatschefs miteinander deutlich zu machen, was wirklich Sache ist. Das können sowohl ein stornierter Flug, ein schwarzer Hund – oder eben ein ausbleibender Anruf sein. Soviel ist auf jeden Fall klar: Der kleine Außenminister wird es als gehorsamer Wadenbeißer seiner ungeliebten Chefin schwer haben im Ausland. Meinereiner harrt erwartungsfroh der amüsanten Nickeligkeiten, von welchselbigen unzweifelhaft zu berichten sein wird. Gerade in diesen Zeiten ist die Vorfreude die schönste Freude.

 

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