Antifeminismus: Neulich im Zoo

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Der Chef der Affenhorde (Foto: Pixabay)

Wer, wie meinereiner, bei einem täglichen Spaziergang Ruhe zu finden trachtet vor dem gräßlichen Weibsgezeter à la #Metoo, mag gleichwohl einmal dem Vorschlag nähertreten, gelegentlich den Spaziergang durch einen Zoobesuch zu ersetzen. Ein solcher ist oft lehrreich und erheiternd. Ganz natürliche Beobachtungen.

von Max Erdinger

Eines der ersten Außengehege im Nürnberger Zoo befindet sich linkerhand kurz hinter dem Eingang. Es beherbergt beeindruckende Geschöpfe des Herrn: Berberaffen. Erst kürzlich habe ich sie wieder bestaunt.

Während ich noch meine Eintrittskarte verstaute und auf die Berberaffen zuschlenderte, konnte ich aus dem Gehege hysterisches Affengezeter hören. Dort schien gerade die Hölle los zu sein. Ich beschleunigte meinen Schritt, um das Spektakel nicht zu versäumen. Tatsächlich: „Die Affen rasen durch den Wald, der eine macht den anderen kalt. Wer hat die Kokosnuss, wer hat die Koskosnuss, wer hat die Kokosnuss geklaut?“ Zu ging es wie bei den Hottentotten … Entschuldigung. In der guten alten Zeit sagte man das so. Was kann ich dafür, daß die gute alte Zeit vorbei ist? Ho-pottenhopp-pop-hottentot …

Jedenfalls: Die Berberaffen schenkten sich nichts. Der Hordenchef saß derweilen ruhig auf  einem Baumstumpf in etwa zwei Metern Höhe über allem und beobachtete das Geschehen interessiert. Ich habe nicht richtig mitbekommen, was der Anlaß gewesen ist – ein diskretes Handzeichen des Oberaffen auf dem Baumstumpf vielleicht – aber das Gezeter und das Gejage hörten plötzlich und schlagartig auf. Nur ein Berberaffe bleckte weiterhin die Zähne, hüpfte hektisch auf der Stelle und zeterte unaufhörlich weiter. Ob es wohl ein Weibchen sei, fragte sich meinereiner. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

Während dieses eine Weibchen unablässig weiterkeifte, kraxelte nämlich der Oberaffe gemächlich von seinem Baumstumpf herab und ging gemessenen Schrittes hinüber zu dem Schreihals. Er trat hinter das zeternde Nervenbündel und verlegte ihm in aller Seelenruhe ein Rohr.

Danach war Ruhe und die hysterische Äffin konnte wieder ganz still und normal ihrer Wege gehen. Meinereiner zeigte sich tief beeindruckt und applaudierte dem souveränen Chefaffen begeistert. Die anderen Zoobesucher, vom gerade Gesehenen zutiefst schockiert, drehten sich nach mir um und blickten mich an, als sähe ich aus wie Donald Trump.

Meinereiner jedoch gab nichts darauf, versank augenblicklich tief in Gedanken und setzte seinen Zoobesuch gemessenen Schrittes grübelnd fort. Rechterhand die Giraffen …

 

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