Giftgasanschlag – Soll hier ein neuer Weltkrieg inszeniert werden?

Foto: Durch fedir13/Shutterstock
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RUSSLAND-KENNER WARNT VOR GRÖSSTER KRIEGS-GEFAHR SEIT 1945

FRITZ PLEITGEN BEFÜRCHTET EINEN DRITTEN WELTKRIEG

 Er sei „sehr pessimistisch“, sagte der ehemalige WDR-Intendant in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Ich kann die ganze Strecke seit dem Zweiten Weltkrieg übersehen. So unübersichtlich und gefährlich wie jetzt war es noch nie.“

 Von Thomas Schlawig

Ich habe hier bereits über den Giftanschlag in England geschrieben und wenn ich die weiteren Nachrichten verfolge, wird mir bange. Die Einschätzung von Fritz Pleitgen tut dazu ihr übriges. Ich sehe die von ihm beschriebene Situation (leider) genauso.

„Und nirgends einen Politiker vom Kaliber Churchill, De Gaulle oder auch Brandt und Kohl. Und selten eine Einigung in der UNO“, erklärte er in einem dpa-Interview.

Die Frage bei diesem Giftanschlag ist, „Cui bono“, wem nützt es und wer hat ein Interesse an einer derartigen Konfrontation mit Rußland. Putin kann kurz vor der Wahl und vor der Fußball-WM in Rußland nicht das geringste Interesse daran haben. Wer also steckt hinter diesem Attentat? Interessant ist auch die gesamte Historie mit ähnlichen Vorfällen. Und da stellen sich mit viele Fragen. Alle bisherigen Opfer stammen aus Rußland, waren Agenten, Spione und sind nach Haftstrafen ausgewiesen oder ausgetauscht worden. Wohin? Nach England. Wo sind sie alle ums Leben gekommen? In England. Im letzen Fall mit dem ehemaligen Doppelagenten ist eines der gefährlichsten Nervengifte überhaupt zur Anwendung gekommen. In England. Wie kommt es dorthin?

Das Contra-Magazin schrieb am vergangene Mittwoch: Der Nervengift-Anschlag auf einen früheren russischen Doppelagenten in Großbritannien riecht förmlich nach einer Geheimdienst-Aktion. Wurde Skripal zum Opfer von MI6 und CIA, um den NATO-Bündnisfall auszulösen?

Vor am 4. März wurden der ehemalige russische Doppelagent Sergei Skripal und dessen Tochter Yulia mittels eines Nervengifts schwerst verletzt und in der südenglischen Stadt Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank gefunden. Insgesamt mussten 21 Personen wegen den Vergiftungen behandelt werden. Umgehend war für die britische Regierung der Schuldige schon gefunden: Russland.

Denn das verwendete Nervengift, „Novichok“ (zu deutsch: „Neuling“), welches in den 1970er-Jahren von den Sowjets entwickelt wurde und von dem es insgesamt rund 100 Varianten gibt, soll eben russischer Herkunft sein. Doch da gibt es ein Problem: Der Entwickler, Wil Mirsajanow, lebt in den USA und verriet den Amerikanern bereits im Jahr 1992 alle Formeln dieses Giftgases, welches bis zu acht mal so wirksam sein soll wie das Nervengift VX.

Man muß hoffen, daß die Staatsoberhäupter der betroffenen Länder kühlen Kopf bewahren und miteinander statt übereinander reden. Fritz Pleitgen sagt dazu vollkommen zu recht: Und ein großes Problem sieht er im Umgang mit Russland. Das Verhältnis des Westens zu Putin sei schlimmer, als das zur Sowjetunion um Kalten Krieg: „Nur wer beschränkt ist, sieht die Schuld allein bei den Russen. Dass Polen und Balten den Schutz von Nato und EU suchten, ist auf Grund der geschichtlichen Erfahrungen verständlich. Aber auch Russland hat geschichtliche Erfahrungen gemacht. Im Wortsinn verheerende mit dem Westen! Brandt, Schmidt oder Kohl wären mit dem Verhältnis zu Russland nicht so sorglos vorgegangen wie ihre Nachfahren.“

Frühere deutsche Politiker hätten sich in die Lage der Gegenseite hineinversetzen können, dies fehle den heutigen Machthabern: „Wir wären nicht erfreut, wenn russische Truppen in Jütland oder Mexiko auftauchten wie unsere im Baltikum oder die amerikanischen in Polen. Die Idee der Charta von Paris aus dem Jahr 1990 – gleiche Sicherheit für alle – könnte die Basis für eine ehrliche Partnerschaft sein.“

Es ist meiner Meinung nach genau der Punkt wenn Pleitgen, der sogar von „den heutigen Machthabern“ spricht, denen die Gabe fehlt, sich in die Gegenseite hineinzuversetzen. Man muß immer wieder darauf verweisen, wie Rußland durch die NATO in den vergangen Jahrzehnten eingekreist wurde. Unter allen möglichen fadenscheinigen Vorwänden. Rußland hält still. Noch. Aber irgendwann ist die Geduld eines jeden aufgebraucht und es kommt zur Katastrophe. Ich habe es in meinem vorherigen Beitrag bereits geschrieben, die Situation erinnert fatal an 1914 und 1939. Man rufe sich in Erinnerung, wie sich das Deutsche Reich nach seiner Gründung 1871 entwickelt hat. Innerhalb von ca. 30 Jahren hat die deutsche Wirtschaftskraft das Fünffache gegenüber England erreicht. Das hat England als Bedrohung angesehen.

Von England wurde eigens dazu der Begriff „Made in Germany“ geschaffen. Damit wollte man deutschen Waren in aller Welt den Stempel „Minderwertig“ aufdrücken. Man hat allerdings genau das Gegenteil damit erreicht. Die deutsche Wirtschaft wuchs und wuchs und England geriet immer mehr in die Bredouille. Das verleitete einen gewissen Winston Churchill zu der Aussage: „Deutschland wird zu stark. Wir müssen es zerstören“. Bereits im Jahr 1904 begann England nachweislich mit seiner Kriegsplanung gegenüber Deutschland. Wohin das führte, ist hinlänglich bekannt. Jetzt gibt es eine ähnliche Situation mit Rußland. Nachdem der Westen unter Jelzin den Fuß in die Tür bekam und großes Interesse u.a. an russischer Öl-und Gasförderung bekam, ging es mit dem Land immer weiter bergab. Das kehrte sich um, nachdem Putin Präsident wurde.

In vielen Bereichen hat das Land derart aufgeholt, daß es gewisse Staaten als Bedrohung empfinden. Man kreist das Land militärische ein, verhängt Sanktionen uvm. Der Erfolg – gleich Null. Putin läßt sich nicht provozieren, das Land nicht in die Knie zwingen. Sehr zum Ärger der sich für überlegen haltenden westlichen „Demokratien“, die schon lange keine mehr sind. Man unterstellt Putin Aggression und Kriegslüsternheit. Warum eigentlich? Rußland muß, im Gegensatz z.B. zu England und Frankreich keinen Krieg führen um an Rohstoffe zu kommen. Der wichtigste Kriegsgrund überhaupt. Rußland besitzt die Hälfte aller Bodenschätze auf der Welt. Und ich bin der Meinung, Rußland ist trotz aller Sanktionen wirtschaftlich gesund, was man von vielen Ländern im Westen nicht behaupten kann. Ein kluger Kopf sagte einmal: „Ein wirtschaftlich gesundes Land braucht keine Kriege“ und ich denke, damit ist alles gesagt.

Es ist mit gesundem Menschenverstand nicht zu begreifen, daß sich Deutschland an diesem Spiel mit dem Feuer beteiligt, nicht nur gegenüber Rußland. Es beteiligt sich militärisch an völkerrechtswidrigen Einsätzen und liefert Waffen in Spannungsgebiete, obwohl behauptet wird, diese Exporte sind eingestellt worden. Die Arroganz mit welcher die „Bundesregierung“ reagiert, wenn sie ertappt wird, spricht Bände und ist unerträglich.

Ein weiterer Rußland-Kenner und langjähriger ARD-Korrespondent in der ehem. Sowjetunion ist Gabriele Krone-Schmalz. Auch sie bringt zum Ausdruck, daß Rußland und Putin überhaupt kein Interesse haben können, die Atmosphäre weiter  zu vergiften. Ganz im Gegenteil.

„Experten sind der Meinung, es sieht so aus, als würde jemand absichtlich einen genetischen Fingerabdruck am Tatort hinterlassen und Verdachtsberichterstattung macht alles nur noch viel schlimmer“.

„Die spielen mit dem Frieden“. Mit diesem Satz schließt das Interwiev und ich finde, auch dem ist nicht hinzuzufügen.

Sollte es tatsächlich eine Geheimdienstaktion sein, wird die Wahrheit vermutlich nicht das Tageslicht erblicken, die Konfrontation mit Rußland wird allerding noch zunehmen und genau dort liegt die große Gefahr. Es ist ebenso Spekulation westliche Geheimdienste dafür verantwortlich zu machen, wie voreilig, auf Vermutungen basierend  Rußland dafür verantwortlich zu machen. Wenn man sich allerdings den derzeitigen Zustand der Welt, alle Kriege und Konflikte betrachtet und sieht, wer dafür verantwortlich ist, bleiben nicht viele Möglichkeiten um zu erkennen, wem dieser Giftanschlag nützen könnte und was damit bezweckt ist.

Der Widersinn an der ganzen Geschichte ist, sollte es, wie Fritz Pleitgen befürchtet zum Dritten Weltkrieg kommen, wird es keine Sieger geben und Deutschland dürfte von der Landkarte verschwunden sein. Damit wird zwar der Herzenswunsch von Churchill in Erfüllung gehen, aber auch ein England und ein Frankreich wird es dann nicht mehr geben. Und auch Amerika, was in beiden Weltkriegen immer verschont blieb, wird es nicht mehr geben. Ebenso wenig wie Rußland. Die Atomwaffen, die in der Zeit des Kalten Krieges als Abschreckung dienten, werden plötzlich zur unkalkulierbaren Gefahr. Wofür?

„Wir werden Deutschland zu einer Wüste machen. Ja, zu einer Wüste“  Winston Churchill

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