Merkel will AfD „möglichst aus dem Bundestag herausbekommen“

Foto: Collage
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Sein Wille ist des Menschen Himmelreich. Bei Angela Merkel ist es nicht anders. Sie will „die AfD aus dem Bundestag herausbekommen“, wie die „Welt“ berichtet. Mit anderen Worten: Sie will zukünftig nicht nur ärgerlich sein, sondern sich auch noch lächerlich machen. Und sie weiß auch schon, wie.

von Max Erdinger

Die „Welt“: „Die Kanzlerin will in ihrer vierten Amtszeit Protestwähler zurückgewinnen.

… die erste lächerliche Überheblichkeit. Protestwähler haben die DU gewählt. Sie protestierten mit ihrer Stimme dagegen, daß immer größere Teile der Wählerschaft zu Sinn und Verstand zurückkehren wollen und deshalb die AfD wählen. Protestwähler, die man selbst schon hat, kann man nicht zurückgewinnen. Es ist aber zugegebenermaßen ein schlauer Trick, den politischen Gegner als „Protestpartei“ zu porträtieren, weil man dadurch implizit ausdrückt, daß man selbst die Norm sei – und die anderen außer „Protest“ kein eigenes Programm haben. Direkt gesagt hätte man es halt nicht, was auch besser ist, weil es einem dadurch auch niemand als abgehobene Arroganz auslegen kann. Das ist einfach nur bauernschlau, Frau Merkel.

Sie hätte das auch anders sagen können: Wir werden nolens volens ein bißchen mehr wie die AfD werden müssen. Anders können wir die „Protestwähler“ nicht zurückgewinnen.

Weiter: „In einem Interview kündigt sie an, die AfD „kleiner“ machen zu wollen. Die GroKo soll nach Vorstellung von Merkel alle Menschen im Land ansprechen.

… das heißt, die Frau aus dem Osten hat bis heute nicht verstanden, was eine Parteiendemokratie ist – und daß man eine Opposition braucht, wenn es sich um eine Parteiendemokratie handeln soll. Es geht nicht darum, eine Opposition kleiner zu machen, sondern es geht darum, sie anhand nachweisbarer Ergebnisse zu widerlegen. Eine GroKo, die „alle Menschen im Land“ anspricht, müsste sich logischerweise auch nicht alle vier Jahre einer Neuwahl stellen, sondern sie könnte sich einfach alle fünf Jahre mit irgendeinem Prozentsatz aller abgegebenen Stimmen bestätigen lassen. Wenn irgendwann niemand mehr wählen geht, kann die GröKaZ behaupten, daß Null Prozent als Auftrag zu werten seien, sich endlich um „alle Menschen im Land“ zu kümmern. Was für ein sozialistisches Geschwätz!

Wir haben das Ziel, die Probleme derer zu lösen, die jetzt aus Protest auch diese Partei gewählt haben“, sagte Merkel am Mittwoch nach ihrer Wiederwahl zur Kanzlerin.

… „auch diese“ ist doch der Klassiker. Welche andere wäre denn in frage gekommen? Und dieser Merkelsche Scharfsinn erst: Merkelpartei löst Probleme derer, die wegen der Merkelpartei Probleme haben. Das Ganze auf ehrlich: Wir haben Scheiße gebaut.

Es ist dieser Frau nicht begreiflich zu machen, daß die Entscheidung für eine andere Politik nicht zwanghaft als Protest zu bezeichnen ist, weil fundamental andere Überzeugungen ihren eigenen – so sie überhaupt welche hat – nicht im Protest, sondern in völliger Gleichberechtigung gegenüberstehen. Die Gute scheint sich inzwischen für das Maß aller Dinge zu halten. Damit wäre sie wegen ihrer persönlichen Einstellung zum Amt für das Amt in Zukunft so ungeeignet wie bisher schon.

„Damit sei auch der Anspruch verbunden, „dass wir sie kleiner machen und möglichst aus dem Deutschen Bundestag wieder herausbekommen“, sagte die Kanzlerin bezogen auf die AfD. Aber in erster Linie gehe es darum, die Probleme der Menschen zu lösen. „Das hat sich schon durch die Erarbeitung des Koalitionsvertrags gezogen und das wird sich auch durch die Regierungsarbeit ziehen.““

Tun wir also die AfD kleiner machen müssen, ja? Weil die „alle Menschen im Land“, deren Probleme wir lösen wollen, sich von den falschen Leuten die Probleme lösen lassen wollen und wir das selbst auch hinbekommen, weswegen die anderen Problemlöser für die „alle Menschen im Land“ auch völlig überflüssig sind, oder was? Alter Schwede, was für ein Geseich …

Und dann zieht sich die ganze Problemlöserei für die „alle Menschen im Land“ auch noch durch die Regierungsarbeit!? – Donnerlittchen! Daß die sich ausgerechnet da durchzieht, – da wäre ja gar keiner draufgekommen, wenn sie es nicht gesagt hätte. Oder hätte irgendwer gedacht, daß Regieren das ist, was Bundeskanzler im allgemeinen so machen?

Die Problemlöserei durchzieht die Regierungsarbeit also wie das blaue Band den Frühling. Was für ein politbürogestähltes Poetenseelchen …

Merkel widersprach der Kritik, dass mit der Neuauflage der großen Koalition aus Union und SPD ein „Weiter so“ verbunden sei. „Ich glaube, dass es ein ‚Weiter so‘ überhaupt nicht geben kann, weil die Probleme vollkommen anders geworden sind“, sagte die Kanzlerin.

… haltet mich! Die Probleme sind vollkommen anders geworden – !? Kein Verlaß mehr auf die Probleme? Sie ändern sich einfach? Und so schnell kann man auf die unzuverlässigen Probleme gar nicht reagieren, wie sie sich ändern? „Nach der Massenimmigration“ ist ein verändertes Problem gegenüber „vor der Massenimmigration“? Und wenn sich die Probleme einfach ändern, dann kann die Frau Merkel nichts dafür, oder wie? Weil: Das veränderte Problem von heute hätte mit dem alten Problem von gestern rein gar nichts zu tun. Für wie bauernschlau kann man sich eigentlich halten?

„Es geht darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben in Deutschland gestalten zu können.

Diese Kanzlerparodie hat tatsächlich keine Vorstellung davon, was für ein tolles Leben unsereiner gestalten könnte, wenn ihm nicht ständig irgendwelche paternalistischen Sackratten „die Möglichkeit geben“ wollten, sein Leben zu gestalten. Was für eine verschobene Wahrnehmung. Politikern geht es nie darum, Menschen Möglichkeiten zu geben, ihr Leben zu gestalten, sondern es geht ihnen darum, ihr Leben zu gestalten. Zum Beispiel durch exorbitante Besteuerung. Steuern zu erwirtschaften braucht Lebenszeit – und schon ist das Leben gestaltet. Saudummes Geschwätz: „Möglichkeiten zu geben, ihr Leben zu gestalten“.

Es geht darum„, ist ja so etwas wie eine Zusammenfassung, ein Resumee. Wenn es kein „Weiter so!“ geben kann, wie Merkel behauptet, weil sich die Probleme verändert haben, – und wenn es jetzt erst darum geht, Menschen „die Möglichkeit zu geben, ihr Leben zu gestalten“, – worum ging es denn dann vorher? Und welchen Menschen sollen Möglichkeiten gegeben werden, ihr Leben in Deutschland zu gestalten? Irgendwelchen Menschen? Oder soll das für die „alle Menschen im Land“ gelten, egal, wie sie hereingekommen sind?

Und wenn es so wäre, wie will sie dann „Protestwähler“ zurückgewinnen und die AfD aus dem Bundestag herausbekommen?

„Dass diejenigen, die von Hartz IV leben, nicht viel Geld haben, das ist vollkommen klar“, sagte Merkel am Mittwoch nach ihrer Wiederwahl zur Kanzlerin in „Farbe bekennen“.

Brillant. Da muß man erst einmal drauf kommen: „Daß diejenigen, die bald sterben, nicht mehr lange leben werden – und daß die Inkontinenten oft volle Windeln haben, das ist vollkommen klar.“ Diese begabte Frau hätte auch Philosophin statt Physikerin werden können.

Die Debatte über Armut in Deutschland müsse geführt werden, fügte sie hinzu. „Aber die muss so geführt werden, dass wir sagen, möglichst viele dieser Menschen, die heute nicht die Möglichkeit haben, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, müssen wieder in Arbeit kommen.“

Genau. Eine Debatte über Armut müssen wir führen, weil es wegen der veränderten Probleme, derentwegen die Leute über Nacht arm geworden sind, so nicht weitergehen kann und weil man den Menschen zur Abwechslung – öfter mal was Neues – die Möglichkeit geben muß, ihr Leben zu gestalten, was vorher ganz anders gewesen ist, weil die Möglichkeit von gestern ein veraltetes Problem ist und heute keine Rolle mehr spielt.

Außerdem: Eine Armutsdebatte ist erstens, wenn wir sagen, wie sie geführt werden muß – und zweitens, wenn dabei herauskommt, daß wir Menschen die Möglichkeit geben, ihr Leben zu gestalten, indem sie Steuern für den Staat erwirtschaften. Wenn die Steuerquote bei über 50 Prozent liegt, geht es nämlich evident nicht in erster Linie mehr um den Lebensunterhalt, sondern um die Steuern. „Möglichkeit geben, Leben zu gestalten durch Überlassung des kleineren Anteils ihres Einkommen aus Arbeit zum Selbsterhalt als steuernerwirtschaftender Arbeitssklave des Merkel-Regimes.“ – So wäre das aufrichtig auszudrücken gewesen.

Diese Weibsperson ist eine einzige Zumutung. Und eine Zeitung, die ihr Geschwätz einfach so abdruckt, ohne es simultan ins Logische zu übersetzen, leistet ihren Lesern keinen guten Service. Gut, daß es Jouwatch gibt. Wir erzählen, was wirklich in der Zeitung steht.

 

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