Mexiko: Angela Merkel als Wahlkampfhelferin für korrupten Präsidentschaftskandidaten?

Foto: Screenshot/Youtube
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Mexiko? Deutschland? Der 14.3. 2018 ist ein historischer Tag, Angela Merkel wird zum 4. Mal zur Kanzlerin von Deutschland gewählt. Sie hat harte Verhandlungsmonate hinter sich, noch bis zum Wahltag stritten sich die Partner der neuen großen Koalition. Da blieb kein Raum für Entspannung. Und trotzdem fand sie am Abend zuvor Zeit, einen Gast aus Mexiko zu begrüßen und mit ihm eine Pressekonferenz abzuhalten.

Von Christian Weber

Es war Ricardo Anaya, Kandidat für die Präsidentschaftswahl am 1.Juli. Er steht für die rechts-katholische Partei Nationale Aktion (PAN). In Deutschland wurde über diesen Besuch so gut wie nicht berichtet. Warum also diese Pressekonferenz zu diesem Zeitpunkt? Offenbar ging es um die Produktion von ‚schönen Bildern‘ mit Anaya und Merkel für den Wahlkampf in Mexiko. Es ist nicht das erste Mal, dass Merkel und die CDU da mitmischen. Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung kann man nachlesen:

„Im Rahmen eines Studien- und Dialogprogramms besuchte vom 12. bis 17. Februar 2017 eine hochrangige Delegation der mexikanischen Partnerpartei PAN (Partido Acción Nacional) unter Leitung des Parteivorsitzenden Ricardo Anaya die deutsche Hauptstadt. Die Gruppe tauschte sich dabei mit der CDU-Vorsitzenden Dr. Angela Merkel und weiteren hochrangigen Entscheidungsträgern über Themen wie Wahlkampf und moderne Parteiorganisation, aber auch Migration und Perspektiven der deutsch-lateinamerikanischen Beziehungen vor dem Hintergrund der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.“

Ricardo Anaya kann die schönen Bilder mit der mächtigsten Frau der Welt gut gebrauchen, denn er steht zuhause mächtig unter Druck. Die mexikanische Staatsanwaltschaft hat eine umfangreiche Geldwäsche-Untersuchung begonnen, auch Anaya soll betroffen sein. Im Mittelpunkt steht der Verkauf eines Industriegebäudes seiner Familie in seinem Heimatort Queretaro für 54 Millionen mexikanische Pesos ( ca. 2,3 Millionen Euro). Dabei sollen Gelder eines Geldwäsche- Netzwerkes geflossen sein, das von dem Unternehmer Manuel Barreiro auf den Weg gebracht worden sei. Anaya soll mit Barreiro in enger Beziehung stehen. Zwar bestritt Anaya diese Verbindung, er würde ihn nur zufällig und nicht eng kennen. Doch dann tauchten Videos auf, die Anaya auf der Hochzeit des mutmaßlichen Geldwäschers zeigen. Es gibt weitere Anzeichen dafür, dass sich die beiden Personen und ihre Familien gut kennen und eng verbunden sind. Unangenehm ist auch: Manuel Barreiro hat sich Ende Oktober 2017 nach Kanada abgesetzt, nachdem die Ermittlungen begannen. Er soll ein weltweites Firmengeflecht für Geldwäsche betreiben, darunter auch in der Schweiz und in Gibraltar.

Ziemlicher Stress und raue Luft also für Ricardo Anaya im mexikanischen Wahlkampf. Anaya möchte den jetzigen Präsidenten Enrique Nieto ablösen, der seit 2012 Präsident des lateinamerikanischen Landes mit 123 Millionen Einwohnern ist. Doch Anayas Umfragewerte sind gegenwärtig schlecht. Umso dankbarer wird er Angela Merkel sein, die ihm am Vorabend ihrer vielleicht wichtigsten Wahl eine schicke Pressekonferenz spendierte. In Deutschland interessierte sich kaum ein Pressemedium für den Besuch, umso mehr aber die mexikanischen TV-Sender und Zeitungen. Angela Merkel wird in den nächsten Tagen in Mexiko vielfach zu sehen sein.

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