Freuds Realsatire: Seehofers Heimatmuseum

Foto: Collage
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Sachen gibt es, die gibt es nicht. Als ich zum ersten Mal von Seehofers neuem Heimatministerium gehört habe, hatte ich sofort die Assoziation mit seiner Modelleisenbahn im Keller.

von Max Erdinger

Und so schrieb ich das auch hier bei Jouwatch: Seehofer hat nun zu seiner Modelleisenbahn im Keller auch noch ein Heimatministerium bekommen. Seehofers Spielzeuge also. Horst Seehofers Modelleisenbahn ist nämlich mit symbolkräftigen Erinnerungen gespickt. Ein Bauernhof für seine Zeit als Landwirtschaftsminister, ein altes Krankenhaus für die Zeit als Gesundheitsminister – und die gesamte Anlage geteilt in einen Teil Bonn und einen Teil Bayern. Dampfloks gibt es auch, weil – O-Ton Seehofer: „Die habe ich selbst noch erlebt“. Die Modelleisenbahn in Seehofers Keller hat also durchaus Museumscharakter, wenn man so will.

Mir war also klar, daß „Heimat“ ein Begriff ist, den Seehofer, noch bevor er darüber spricht, als erstes mit „Vergangenheit“ in Verbindung bringt. Heimat ist eine Erinnerung.

Und nun das hier: „Ich hab´das Heimatmuseum … ähmmm, das Heimatministerium gegründet.“ Ein Freudscher Versprecher, der mich nicht im geringsten überrascht. Das Kurzvideo ist aus der „Welt“ von gestern Nachmittag.

Freilich erklärt Horst Seehofer nach seinem Versprecher, den er übrigens Mühe hat, nicht noch einmal zu wiederholen, worum es bei seinem neuen „Heimatmuseum … ähmmm, Heimatministerium“ gehen soll. Das muß er auch, wenn man sein Heimatministerium nicht mit einem Heimatmuseum verwechseln soll. Was er mit seinem neuen Heimatministerium offiziell alles vorhaben muß, damit es als relevant durchgeht, hat allerdings mit Heimat nur sehr indirekt etwas zu tun und hätte durchaus auch als „Werteministerium“ bezeichnet werden können. Seehofer will die „verschiedensten Gruppen der Bevölkerung“ – die Heimat hätte ein sehr spezielles Volk – an einen Tisch bringen, um sich über gemeinsame Werte zu verständigen.

„Heimat“ zieht eben in diesen Zeiten. Das Wort hat das Potential zur Beruhigung der Aufgebrachten und Besorgten, die, wie ich, tief in ihrer Heimat verwurzelt sind, die alten Sagen kennen, den Dialekt sprechen, die traditionelle Küche schätzen und den Ruf eines Muezzins in ihrer Heimat als einen Albtraum, ja, als eine Kriegserklärung erleben würden.

Und dann kommt Seehofer und sagt aus Versehen, was er in Verbindung mit „Heimat“ fühlt: „Museum“. Er muß seinen Verstand einschalten, der das Gefühl dann regiert, und sich verbessern: Ministerium. Horst Seehofer weiß genau, daß es da mit Merkel nichts mehr zu retten gibt und daß „Ministerium“ eine irreversible Zukunft bemänteln soll. „Heimatmuseum“ wäre schon zutreffend gewesen.

 

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